Schraubenzieher-Attacke Provinzial-Chef soll Angriff auf sich erfunden haben

Ein Racheakt wegen Verkaufsplänen? So sah es aus, nachdem der Chef der Provinzial Nordwest angeblich von einem Unbekannten attackiert wurde. Nun aber hat er laut den Behörden eingeräumt, sich die Verletzungen selbst zugefügt zu haben - und das mit einer "extrem belastenden Phase" begründet.

Provinzial-Hauptverwaltung in Münster: Fusion statt Verkauf?
dapd

Provinzial-Hauptverwaltung in Münster: Fusion statt Verkauf?


Münster - Es war eine spektakuläre Meldung: Am Mittwoch vergangener Woche soll der Vorstandschef der Versicherungsgruppe Provinzial Nordwest, Ulrich Rüther, von einem Unbekannten angegriffen worden sein. Angeblich attackierte der Vermummte Rüther mit einem Schraubenzieher, als dieser auf dem Weg von der Tiefgarage in sein Büro war. Rüther war in die Kritik geraten, nachdem bekannt geworden war, dass die Provinzial Nordwest Gruppe an den Allianz Chart zeigen-Konzern verkauft werden könnte.

Doch offenbar hat die Attacke auf Rüther niemals stattgefunden: Der Manager habe eingeräumt, sich die Attacke ausgedacht und die Verletzungen mit einem Schraubenzieher selbst beigebracht zu haben, teilten Staatsanwaltschaft und Polizei am Dienstag in Münster mit.

Die Suche nach dem Täter wurde beendet. Gegen Rüther wird nun wegen Vortäuschens einer Straftat ermittelt. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft dürften die Ermittlungen allerdings gegen Zahlung einer "angemessenen Geldbuße" eingestellt werden.

Die Provinzial Nordwest bestätigte die Einstellung der Ermittlung. In einer Pressemitteilung heißt es, Rüther habe vor der Staatsanwaltschaft erklärt, "dass der Angriff in der vergangenen Woche in der dargestellten Form nicht stattgefunden hat". Mit seinem Schritt wolle der Manager "die extrem belastende Phase speziell für seine Frau und seine drei Kinder zum Abschluss bringen. Schon das bisherige, enorme Presseecho hat zu einer erheblichen, negativen Beeinträchtigung seiner Privatsphäre geführt."

Die Verkaufspläne sollen mittlerweile nicht mehr aktuell sein, da nun eine Fusion der Versicherungsgruppen Provinzial Nordwest und Provinzial Rheinland geplant ist.

dab/dapd



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insgesamt 6 Beiträge
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Seite 1
frubi 11.12.2012
1. .
Zitat von sysopDPAEin Racheakt wegen Verkaufsplänen? So sah es aus, nachdem der Chef der Provinzial Nordwest angeblich von einem Unbekannten attackiert wurde. Nun aber hat er laut den Behörden eingeräumt, sich die Verletzungen selbst zugefügt zu haben - und das mit einer "extrem belastenden Phase" begründet. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/chef-von-provinzial-nordwest-soll-angriff-auf-sich-erfunden-haben-a-872279.html
Aha. Und um dieser Phase zu entkommen, steche ich mir in die Brust und behaupte, ich sei Opfer eines Verbrechens. Man kann nur hoffen, dass er für die Falschbehauptung bestraft wird. Wann lernen diese ganzen Workaholics endlich, dass man auch offen mit seinen Grenzen umgehen kann. Aber das Gehalt war wohl zu gut und den Lebensstandart will man auch nicht verlieren.
uezegei 11.12.2012
2.
Nun, man kann fast Mitleid bekommen. Aber man sieht: der Finanzkapitalismus mit dem ständigen Zwang, mehr und mehr und mehr Rendite und Zinsen erwirtschaften zu müssen, macht auch vor den Chefs nicht halt. Fast, aber nur fast, können die einem Leid tun.
siebke 11.12.2012
3. Racheakt!
Immer wieder interessant was sich Leute so ausdenken, wenn Sie in die Enge getrieben werden.Das nennt man dann Krisenbewältigung.
karlsiegfried 11.12.2012
4. Au backe
... und dieser Typ ist Chef der Provinzial Nordwest. Frage: Tickt der noch sauber?
quadra 11.12.2012
5. Führungskraft ohne Rückgrat
Rüther ist Herr über tausenden von Mitarbeitern und sollte die Führung, auch in Krisenzeiten, fest in der Hand haben. Das Gehalt eines Vorstandsvorsitzenden nimmt er gerne - das Rückgrat für eine solche Position hat er aber mit nichten. Vor so einem Chef hätte ich keinen Respekt (mehr); Fazit: Abtreten!
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