Von Stefan Schultz
Hamburg - "Peter wie bitte?" Wer sich in der Energiebranche nach Peter Terium erkundigt, stößt oft auf Ratlosigkeit. Unter Fachleuten, Lobbyisten und Branchenexperten ist der 47-Jährige Manager ein weitgehend unbeschriebenes Blatt.
Dabei gilt der bisherige Chef der RWE-Tochter Essent plötzlich als heißer Anwärter auf den Vorstandsvorsitz bei Deutschlands zweitgrößtem Energieunternehmen. Schon bei der Aufsichtsratsitzung am kommenden Montag könnte die Entscheidung fallen, dass der Niederländer spätestens im September 2012 den Top-Posten bei RWE übernimmt.
Die Personalie kommt überraschend, auch wenn es weniger verwundert, dass sie nur ein paar Tage vor der wichtigen Sitzung des Gremiums durchgestochen wird. Beobachter sprechen von einem PR-Coup. Den beiden bisherigen Chefanwärtern jedenfalls dürfte die Nachricht sauer aufstoßen: Die Vorstände Leonhard Birnbaum und Rolf Martin Schmitz seien aus dem Rennen, berichtet Reuters schon, der Aufsichtsrat habe eine klare Präferenz für Terium. Andere sagen, das Rennen sei nach wie vor offen. Auf jeden Fall haben Birnbaum und Schmitz unverhofft einen neuen, starken Konkurrenten.
Wer aber ist Peter Terium? Bei RWE heißt es, er sei mit einer Brasilianerin verheiratet und habe zwei fast erwachsene Kinder. Ein Branchenkenner, der Terium schon einmal getroffen hat, beschreibt ihn als "knochentrockenen Zahlentypen". Wofür der Manager indes steht, ob er also ein Verfechter erneuerbarer Energien ist oder doch ein Atomverfechter wie der scheidende Konzernchef Jürgen Großmann - darüber ist wenig bekannt.
"Hang zur Geschwindigkeit"
Eine Eigenschaft sprechen dem Mann, der früher als Steuerprüfer für das niederländische Finanzministerium arbeitete, viele zu: Schnelligkeit. Ein "rasanter Denker" sei Terium, sagen RWE-Mitarbeiter, "und ein konsequenter Entscheider". Er habe einen "Hang zur Geschwindigkeitsüberschreitung", nicht nur in puncto Management, auch beim Autofahren.
Einen, der aufs Tempo drückt, könnte RWE in der Tat gebrauchen. Der Konzern steht vor historischen Umbrüchen. Durch den Ende Mai beschlossenen Atomausstieg brechen seine Umsätze und Gewinne rasant ein. Ab 2013 treten zudem strengere Regeln gegen die Luftverschmutzung in Kraft. Den Konzern, der rund 60 Prozent seines Stroms mit Kohle herstellt, könnten die entsprechenden Auflagen 1,5 Milliarden pro Jahr kosten. Zusätzlich schmälert der Öko-Boom RWEs Margen, denn Ökostrom hat in den Netzen Vorfahrt, und immer dann, wenn Solar-, Wind- und Biogasanlagen besonders viel davon produzieren, muss der Konzern den eigenen Stromverkauf einschränken.
RWEs künftiger Chef muss all diese Probleme angehen - und noch mehr:
"Der Konzern braucht einen raschen Personal-, Strategie- und Imagewandel", sagt Marc Tüngler, Geschäftsführer der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) und RWE-Kenner. "Für einen solch brachialen Umbau braucht der künftige Chef größtmöglichen Rückhalt."
Erfolgreicher Modernisierer
Fragt sich: Ist Terium wirklich der beste Mann für einen der wohl schwierigsten Managementjobs der Republik? Die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" ("FAZ") handelt ihn schon als Favoriten. Seinem Kontrahenten Schmitz, der zurzeit das operative Geschäft leitet, fehle die internationale Ausstrahlung. Der für Strategie, Forschung und Entwicklung verantwortlichen Birnbaum gelte unter kommunalen Aktionären als schwer vermittelbar.
Terium dagegen bringt viele Qualitäten mit. Als Chef der niederländischen Tochter Essent konnte er zudem bereits internationale Erfahrung sammeln. Er ist außerdem länger bei RWE als Schmitz und Birnbaum. Und er konnte sich bei der Übernahme und Integration von Essent in den Konzern bereits seine Meriten verdienen. So leitete er das RWE-Team, das den schwierigen Kauf vorbereitete. Und erst im Sommer 2010 feierte ihn der Konzern dafür, dass er bei der Eingliederung schneller Synergieeffekte heben konnte als erhofft.
Bei RWE stünde Teriums Beförderung zudem in guter Tradition. Auch der frühere Konzernchef Harry Roels war Niederländer. Laut "FAZ" hätte er seinen Landsmann Terium schon bei seinem Abgang 2007 gern als seinen Nachfolger gesehen.
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