Steigende Lebensmittelpreise Konzernchefs streiten über Biosprit

Die steigenden Preise für Mais und Raps heizen den Streit über Biosprit an. Der Chef des Lebensmittelkonzerns Nestlé fordert nun, Treibstoffen künftig keine Nahrungsmittel mehr beizumischen. Biosprit-Hersteller Südzucker sieht sich dagegen zu Unrecht am Pranger.

Maisernte (2011): Hälfte der Produktion in den USA geht in Bioethanol-Produktion
DPA

Maisernte (2011): Hälfte der Produktion in den USA geht in Bioethanol-Produktion


Frankfurt am Main - Verschärft der Westen mit Biosprit den Hunger auf der Welt? Angesichts der massiv steigenden Preise von Agrarrohstoffen hat sich eine Debatte über den Sinn von Bioethanol entwickelt. Entwicklungsminister Dirk Niebel forderte, den Verkauf des Kraftstoffs E10 auszusetzen, Hilfs- und Umweltorganisationen pflichten ihm bei.

Nun schaltet sich auch die Wirtschaft in die Diskussion ein. Der Chef des Lebensmittelriesen Nestlé, Peter Brabeck, forderte in der Schweizer "Sonntagszeitung" ein Verbot der Beimischung von Nahrungsmitteln bei der Treibstoffproduktion. Das heiße nicht, dass auf Biosprit komplett verzichtet werden müsse. Die Hersteller sollten aber andere organische Materialien verwenden. "Unser Problem ist, dass beinahe die Hälfte der Maisproduktion in den USA und 60 Prozent der Rapsproduktion in Europa der Treibstoffherstellung dienen", so der Nestlé-Chef. Die Preise seien heute doppelt so hoch wie noch 2007.

Der Chef des Biosprit-Herstellers Südzucker, Wolfgang Heer, kontert die Argumente von Niebel. Er sieht keinen Zusammenhang zwischen der Bioethanol-Herstellung und den Lebensmittelpreisen. "Diese Debatte halte ich bezogen auf Europa für übertrieben", sagte Heer der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung". "Ich kann nicht erkennen, dass vermehrte Ethanol-Produktion zu einem geringen Angebot an Nahrungsmitteln führt - sie ist eine Ergänzung."

Dritte Nahrungskrise in fünf Jahren

Natürlich argumentieren die beiden Konzernchefs im Sinne ihres Unternehmens. Dennoch ist bemerkenswert, dass die überfällige Diskussion über Biosprit nun endlich geführt wird. Dabei ist die derzeitige Preisentwicklung Experten zufolge vor allem der Dürre in den USA und Indien geschuldet. Kritiker warnen jedoch, dass die Nachfrage nach Weizen und Mais zur Bioethanol-Herstellung zusätzlich Druck auf die Preise ausübe. Die Vereinten Nationen warnten erst kürzlich vor einer Lebensmittelkrise, es wäre die dritte innerhalb von nur fünf Jahren.

Laut Nestlé-Chef Brabeck schwanken die Preise für Grundnahrungsmittel immer stärker im Gleichklang mit dem Ölpreis. "Nicht nur, weil dieses zentral ist für die Produktion von Agrargütern, sondern auch, weil sich die Preise für Biotreibstoffe am internationalen Ölhandel orientieren", sagte Brabeck der "Sonntagszeitung".

cte/Reuters



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Seite 1
spargel_tarzan 19.08.2012
1. dem ist genauso zuzustimmen ...
Zitat von sysopDPADie steigenden Preise für Mais und Raps heizen den Streit über Biosprit an. Der Chef des Lebensmittelkonzerns Nestlé fordert nun, Treibstoffen künftig keine Nahrungsmittel mehr beizumischen. Biosprit-Hersteller Südzucker sieht sich dagegen zu Unrecht am Pranger. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,850874,00.html
wie das verbot des handels am aktienmarkt einzuklagen. dies trägt ebenso zur preissteigerung bei und gehört endlich abgeschafft.
berns 19.08.2012
2. Südzucker bekommt auch noch Millionen-Subventionen!
Die kurze Zeit öffentlich zugängliche Webseite über EU-Subventionen für die Landwirte und Agrar-Industrie wurde gleich wieder abgeschaltet. Man konnte aber sehen, wie viel Geld deutsche Landwirte und solche Firmen wie Südzucker da geschenkt bekommen, allein in bayern bekommt Südzucker über 1 Million Euro! Wenn man bedenkt, dass vom Zucker Millionen Menschen krank werden (Diabetes) und dieses Unternehmen sich erdreistet, auch noch aus Lebensmitteln Sprit herzustellen, diese Firma sollte eigentlich zugesperrt werden!
katzekaterkarlo 19.08.2012
3. Ich bin für Diskussion ...
... zu diesem Thema. Nicht für die Bevormundung seitens Politik und Industrie. Auch was die EU mit ihren Vorgaben an die Mitgliedsstaaten weitergibt bedarf einer stärkeren Diskussion in den Staaten. Wenn mit unseren Steuergeldern subventioniert wird erst recht. Ich würde es jedenfalls nicht gut heissen, wenn anderswo gehungert wird, weil wir die Mais- und Getreidepreise nach oben treiben. Ich würde ebenso dagegen stimmen wenn in der Konsequenz Brachflächen für einheimische Tierarten verringert oder Berufe wie die eines Schäfers aussterben, nur weil auf jedem Flecken Land Mais und Getreide für Sprit wächst.
leser008 19.08.2012
4. AchtungAchtung
Hier muss darauf hingewiesen werden, dass die im Artikel vertretenen Standpunkte eine versteckte Kapitalismuskritik darstellen. Jeder Bauer darf seine Erzeugnisse an den verkaufen, der ihm gefällt. Und derjenige, der den Kram kauft, darf damit machen, was er will. Z.B. verbrennen, was mit Weizen zuzeiten auch passiert. Oder die EU vernichtet Lebensmittel, um die Preise hochzuhalten. Und der Endverbraucher darf mit seinem Geld Brot, Fleisch oder Wisky, oder Biosprit kaufen, ganz wie es ihm gefällt. Was man aus Weizen, Mais, Soja usw. so herstellt. Alles andere ist Planwirtschaft oder Diktatur.
bayrischcreme 19.08.2012
5.
Zitat von leser008Hier muss darauf hingewiesen werden, dass die im Artikel vertretenen Standpunkte eine versteckte Kapitalismuskritik darstellen. Jeder Bauer darf seine Erzeugnisse an den verkaufen, der ihm gefällt. Und derjenige, der den Kram kauft, darf damit machen, was er will. Z.B. verbrennen, was mit Weizen zuzeiten auch passiert. Oder die EU vernichtet Lebensmittel, um die Preise hochzuhalten. Und der Endverbraucher darf mit seinem Geld Brot, Fleisch oder Wisky, oder Biosprit kaufen, ganz wie es ihm gefällt. Was man aus Weizen, Mais, Soja usw. so herstellt. Alles andere ist Planwirtschaft oder Diktatur.
Planwirtschaft und Diktatur ist vor allem den Menschen vorzuschreiben wie viel % Biosprit in Kraftstoff enthalten sein muss. Denn die Verbraucher wollen das Zeug doch überhaupt nicht.
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