Chevrolet-Abzug aus Europa Für Opel wird es nicht leichter

Mit dem Rückzug von Chevrolet befreit der GM-Konzern Opel von einem lästigen Rivalen im eigenen Hause. Doch allzu viel versprechen sollten sich die Rüsselsheimer davon nicht. Der Kampf gegen die Konkurrenten aus Fernost, Frankreich und Deutschland ist auch so schwer genug.

Opel/Chevrolet-Händler: Diejenigen, die nur eine Marke verkaufen, trifft es hart
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Opel/Chevrolet-Händler: Diejenigen, die nur eine Marke verkaufen, trifft es hart

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Berlin - Der angekündigte Rückzug der General-Motors-Tochter Chevrolet hat im Berliner Autohaus Kramm Entsetzen ausgelöst: "Die Nachricht hat uns alle sehr schockiert", erklärt Geschäftsführer Peter Kramm. Noch lasse sich gar nicht absehen, welche Konsequenzen das für die Opel- und Chevrolet-Händler habe. "Wir sind als Mehrmarkenhändler recht gut aufgestellt, aber diejenigen, die nur Chevrolet verkaufen, trifft es hart." Nachvollziehen kann er die Entscheidung von GM-Chef Dan Akerson nicht. "Im kommenden Jahr hätten wir beginnen können, die Früchte unserer Arbeit zu ernten. Doch jetzt dürfte der Verkauf wahrscheinlich einbrechen."

Dass mit dem Verkauf im kommenden Jahr viel zu verdienen gewesen wäre, bezweifeln Branchenbeobachter allerdings. Denn dafür fielen die Absatzzahlen von Chevy in Europa einfach zu gering aus. In den ersten zehn Monaten 2013 fand die billige Opel-Schwester lediglich knapp 26.000 Käufer - ein Marktanteil von knapp 1,1 Prozent. Und die Kurve zeigt steil nach unten: Gegenüber dem Vorjahr brach die Nachfrage um 17 Prozent ein. "Die Entscheidung, Chevrolet vom europäischen Markt zu nehmen, war die einzig richtige", schlussfolgert Jürgen Pieper vom Bankhaus Metzler.

Dass die Rückzugsankündigung als klares strategisches Votum für Opel zu verstehen ist, glaubt Pieper jedoch nicht. "Opel hat zwar in Detroit in der letzten Zeit spürbar an Ansehen gewonnen", erklärt er. "Doch die Entscheidung gegen Chevy war wohl in erster Linie vom Sparwillen getragen. So geringe Stückzahlen rentieren sich im Billigsegment nicht, dafür ist das Vertriebs- und Servicenetz viel zu teuer."

Ausstieg kostet bis zu eine Milliarden Dollar

Zunächst dürfte der Rückzug allerdings ebenfalls viel Geld kosten. Wertberichtigungen, der Umbau des Händlernetzes und Rabattaktionen für den Ausverkauf könnten sich am Ende auf bis zu eine Milliarde Dollar summieren, schätzt man in Detroit.

In Rüsselsheim wertet man die Entscheidung durchaus als Bestätigung für die Leistung der vergangenen Jahre. Tatsächlich hat sich auch eine Menge getan. Opels Verluste sinken und erstmals seit 15 Jahren verliert man in Europa keine Marktanteile mehr. Opel-Chef Karl-Thomas Neumann erreichte auch, dass die konzernweiten Verkäufe auf dem stark wachsenden Markt Russland ab 2014 von Rüsselsheim gesteuert werden statt aus Schanghai. Zudem soll der kompakte SUV Mokka künftig in Spanien vom Band laufen und damit die Opel-Werke besser auslasten. "Wir haben immer mehr Vertrauen in Opel in Europa und konzentrieren unsere Ressourcen in diese Marke", bestätigte GM-Vize und Opel-Aufsichtsratschef Stephen Girsky.

Auch Stefan Bratzel vom Center of Automotive an der Fachhochschule Bergisch Gladbach wertet die Signale für Opel positiv. "Die Entscheidung des GM-Vorstands ist ein Vertrauensbeweis für Opel und Neumann", erklärt der Experte. Bratzel ist überzeugt: Der Rückzug von Chevy wird das Leben von Opel erleichtern, auch wenn nicht jeder Chevy-Kunde sich künftig einen Opel kaufen werde.

Metzler-Analyst Pieper bezweifelt jedoch, dass Opel in nennenswertem Umfang vom Rückzug der Konzernschwester profitieren wird. "Wenn die Händler 60 Prozent der Chevy-Kunden für den Kauf eines Opel gewinnen können, wäre das schon ein sehr guter Wert, aber gerade einmal ein halbes Prozent Zuwachs beim Marktanteil." Und selbst diese Quote müssten sich die Rüsselsheimer hart erarbeiten, denn die Konkurrenz aus Korea und Japan sei stark. Auch mit den Chinesen sei in den kommenden Jahren zu rechnen.

Hart umkämpfter Markt

Zu rechnen ist auch mit zunehmender Konkurrenz durch den französischen PSA-Konzern mit seinen Marken Peugeot und Citroën. GM arbeitet zwar bei Einkauf, Logistik, Entwicklung und Produktion von Autos mit dem angeschlagenen Autobauer PSA zusammen. Nachdem der US-Konzern in den vergangenen Monaten mehrfach Spekulationen über einen engeren Zusammenschluss mit PSA zurückgewiesen hatte, bandeln die Franzosen aber jetzt mit dem chinesischen Autobauer Dongfeng an.

Der mit Abstand stärkste Opel-Rivale bleibt der Wolfsburger Volkswagen-Konzern. Basis seines Erfolges ist die dichte Modellpalette, die in jeder Wagenklasse gleich mehrere Modelle in unterschiedlichen Preissegmenten anzubieten hat. "Die Opel-Autos sind inzwischen gut, aber mit Volkswagen, Skoda und Seat können sie kaum mithalten", erklärt Pieper. Der Golf-Rivale Astra zum Beispiel, der einst den zweiten Platz in der Zulassungsstatistik gepachtet zu haben schien, rangiere nach Verkaufserfolgen in den ersten Jahren seiner Bauzeit nur noch unter ferner liefen. "Auch der modische Kleinwagen Adam schwächelt bereits", fügt der Analyst hinzu. Die Konzentration auf Lifestyle-Produkte wie den Adam berge eben auch die Gefahr, dass sich das Publikum schnell abwende.



insgesamt 16 Beiträge
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wauz, 05.12.2013
1. Opel versteht seine potentielle Kundschaft nicht
Coole Opels waren der C-Kadett, der D-Rekord, der Manta. Das waren alles einfache Autos. Genauso der D-Kadett als Caravan. Der E-Kadett und der erste Astra hatten auch was. Nämlich: Einfachheit. Motor, Räder Lenkrad. ABS und Airbag sind Vorschrift. Eine Lüftung/Heizung, die die Scheibe frei hält. Mehr braucht ein Opel nicht. Extras sind Extras. Und so mancher Opel-Fan mag die lieber selbst einbauen. Wer heute einen Opel tunen will, muss so viele teure, teuer bezahlte, Teile wegwerfen, dass das Herz blutet. Chevis kamen der Sache schon wieder näher. Es gibt da ein paar Modelle, da pappt man den Opel-Blitz drauf und schon ist man wieder da, wo man hin wollte...
samoht53 05.12.2013
2. Machen Sie nur weiter so!
Im Schulterschluß mit den anderen "führenden" deutschen Medien - von der Motorpresse Stuttgart bis zum Springer Konzern - die Marke Opel totzuschreiben zum Wohl des VW-Molochs, Sie stehen kurz vor Ihrem Ziel! Mehr als zwanzig Jahre Arbeit werden sich bald auszahlen und diese Traditionsfirma in der Bedeutungslosigkeit versinken - Bravo...
jewiberg 05.12.2013
3.
Opel ist auf einem guten Weg. Das neue große Cabrio und und der Insignia Kombi gefallen mir sehr gut. Und bei beiden stimmt das Preis/Leistungs Verhältnis. Nur der Adam gefällt mir nicht. Hier ging Design vor Funktion. Deutlich zu erkennen an der hohen Kofferraumkante. Für ein Stadt- und Einkaufsauto sehr schlecht gemacht.
novoma 05.12.2013
4. optional
Meine Frau hatte mal einen "Suzupel" (Agila A). Während die Suzukitechnik klaglos funktionierte, gab es bei den Opel-spezifischen Teilen öfter Pannen. Das Ende kam mit einem abgegammelten Kühlwasserschlauchflansch und folgendem Motorplatzer nach nichteinmal 150000 km. Mit "Opel, der Zuverlässige" hatte der Eimer nichts mehr zu tun. Seitdem lassen wir die Finger von Opel.
miss_anerotica 05.12.2013
5. @novoma
Für so einen kleinvolumigem Motor, der (mutmaßlich) hauptsächlich im Stadtverkehr kalt gejagt wurde, sind 150.000 km viel...Es gibt viele Faktoren die einen Motor zerstören, Serviceintervalle, vorgeschriebenes Öl und kein Baumarktkram et cetera. Nicht immer alles auf den/die Hersteller schieben. Bei einem so einfach gebauten Fahrzeug wie dem Agila A ohne Motorverkapselung sollten Sie mir lieber mal schlüssig erklären, wie man austretendes und womöglich verdampfendes Kühlmittel nicht bemerken kann...
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