Handelsstreit mit den USA China plant Gegenzölle auf Waren im Wert von 60 Milliarden Dollar

Die Drohgebärden im Handelsstreit zwischen den USA und China häufen sich. Auf die jüngste Ankündigung Trumps, höhere Zölle auf chinesische Waren zu prüfen, veröffentlicht China nun eine Liste mit Vergeltungsmaßnahmen.

REUTERS


China hat seine Gegenmaßnahmen auf weitere angedrohte US-Strafzölle spezifiziert. Das Finanzministerium veröffentlichte eine Liste mit rund 5200 US-Gütern im Gesamtwert von 60 Milliarden US-Dollar. Diese sollen mit Zöllen von 5 bis 25 Prozent belegt werden - allerdings nur, falls die USA ihre jüngste Androhung umsetzen, höhere Strafzölle auf chinesische Waren im Wert von 200 Milliarden Dollar zu verhängen.

Bereits am Donnerstag hatte China gegen die Ankündigung Trumps protestiert, solche Maßnahmen prüfen zu lassen. Die USA erheben bereits Zölle auf chinesische Güter im Wert von 34 Milliarden Dollar. Weitere Zölle auf Güter im Wert von 16 Milliarden Dollar sollen bald folgen.

China ist für die USA der wichtigste Handelspartner, ebenso andersherum. Das gesamte bilaterale Handelsvolumen mit Waren belief sich im vergangenen Jahr auf 636 Milliarden Dollar. Damit entfällt jeder sechste Dollar im US-Außenhandelsgeschäft auf China.

Dabei ergab sich für die USA 2017 ein riesiges Defizit. Die Warenexporte der USA blieben mit rund 130 Milliarden Dollar sehr deutlich hinter den Importen aus der Volksrepublik von gut 505 Milliarden Dollar zurück - ein Minus von 375 Milliarden. Werden Dienstleistungen mit einbezogen, ergibt sich immer noch ein US-Defizit von 335,7 Milliarden Dollar gegenüber China.

Chinesen sind größter Gläubiger der USA

Bei amerikanischen Einfuhren aus China dominieren Konsumgüter. Importe von Autos und Autoteilen spielen keine entscheidende Rolle. Das gilt auch für die Exportseite der USA. Hier geht es vor allem um Anlagen, Industrieprodukte, langlebige Gebrauchsgüter sowie Reisedienstleistungen.

Einen erheblichen Anteil der Einnahmen aus dem Handel mit den USA verwendet China allerdings darauf, amerikanische Staatsanleihen zu kaufen. Damit finanziert die Volksrepublik einen großen Teil des Konsums in den Vereinigten Staaten. Zuletzt entfielen rund ein Drittel der chinesischen Fremdwährungsanlagen von über drei Billionen Dollar auf die USA. Die Chinesen sind mit einem Bestand von 1,144 Billionen Dollar der größte Gläubiger der Vereinigten Staaten, knapp vor Japan.

Deutsche Firmen in USA und China betroffen

Für die deutsche Wirtschaft sind die USA das Exportland Nummer eins. China wiederum ist der wichtigste Lieferant für Produkte und insgesamt der wichtigste Handelspartner.

Deutsche Unternehmen sind zudem in beiden Ländern große Investoren. Rund 400 Milliarden Euro haben sie in den Vereinigten Staaten, über 80 Milliarden in China investiert. Damit beschäftigen deutsche Betriebe in den USA mehr als 850.000 Menschen, in China sind es über 700.000. Die wechselseitigen Zölle im Handelsstreit betreffen also auch deutsche Firmen in beiden Ländern in hohem Maße.

Wie funktioniert die Civey-Methodik?
Das Meinungsforschungsinstitut Civey arbeitet mit einem mehrstufigen vollautomatisierten Verfahren. Alle repräsentativen Echtzeitumfragen werden in einem deutschlandweiten Netzwerk aus mehr als 20.000 Websites ausgespielt ("Riversampling"), es werden also nicht nur Nutzer von SPIEGEL ONLINE befragt. Jeder kann online an den Befragungen teilnehmen und wird mit seinen Antworten im repräsentativen Ergebnis berücksichtigt, sofern er sich registriert hat. Aus diesen Nutzern zieht Civey eine quotierte Stichprobe, die sicherstellt, dass sie beispielsweise in den Merkmalen Alter, Geschlecht und Bevölkerungsdichte der Grundgesamtheit entspricht. In einem dritten Schritt werden die Ergebnisse schließlich nach weiteren soziodemografischen Faktoren und Wertehaltungen der Abstimmenden gewichtet, um Verzerrungen zu korrigieren und Manipulationen zu verhindern. Weitere Informationen hierzu finden Sie auch in den Civey FAQ.
Warum ist eine Registrierung nötig?
Die Registrierung hilft dabei, die Antworten zu gewichten, und ermöglicht so ein Ergebnis für die Umfragen, das für die Wahlbevölkerung in Deutschland repräsentativ ist. Jeder Teilnehmer wird dabei nach seinem Geschlecht, Geburtsjahr und Wohnort gefragt. Danach kann jeder seine Meinung auch in weiteren Umfragen zu unterschiedlichen Themen abgeben.
Wie werden die Ergebnisse repräsentativ?
Die Antwort jedes Teilnehmers wird so gewichtet, dass das Resultat einer Umfrage für die Grundgesamtheit repräsentativ ist. Bei der Sonntagsfrage und beim Regierungsmonitor umfasst diese Grundgesamtheit die wahlberechtigte Bevölkerung in Deutschland. Die Gewichtung geschieht vollautomatisiert auf Basis der persönlichen Angaben bei der Registrierung sowie der Historie früherer Antworten eines Nutzers. Weitere Details zur Methodik stehen im Civey-Whitepaper.
Erreicht man online überhaupt genügend Teilnehmer?
Meinungsumfragen werden in der Regel telefonisch oder online durchgeführt. Für die Aussagekraft der Ergebnisse ist entscheidend, wie viele Menschen erreicht werden können und wie viele sich tatsächlich an einer Umfrage beteiligen, wenn sie angesprochen werden. Internetanschlüsse und Festnetzanschlüsse sind in Deutschland derzeit etwa gleich weit verbreitet - bei jeweils rund 90 Prozent der Haushalte, Mobiltelefone bei sogar 95 Prozent. Die Teilnahmebereitschaft liegt bei allen Methoden im einstelligen Prozentbereich, besonders niedrig schätzen Experten sie für Telefonumfragen ein.
Es gibt also bei beiden Methoden eine Gruppe von Personen, die nicht erreicht werden kann, weil sie entweder keinen Anschluss an das jeweilige Netz hat oder sich nicht an der Umfrage beteiligen möchte. Deshalb müssen für ein aussagekräftiges Ergebnis immer sehr viele Menschen angesprochen werden. Civey-Umfragen sind derzeit neben SPIEGEL ONLINE in mehr als 20.000 andere Webseiten eingebunden, darunter auch unterschiedliche Medien. So wird gewährleistet, dass möglichst alle Bevölkerungsgruppen gut erreicht werden können.
Woran erkenne ich die Güte eines Ergebnisses?
Bis das Ergebnis einer Umfrage repräsentativ wird, müssen ausreichend viele unterschiedliche Menschen daran teilnehmen. Ob das bereits gelungen ist, macht Civey transparent, indem zu jedem Umfrageergebnis eine statistische Fehlerwahrscheinlichkeit angegeben wird. Auch die Zahl der Teilnehmer und die Befragungszeit werden für jede Umfrage veröffentlicht.
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In unseren Grafiken ist der statistische Fehler als farbiges Intervall dargestellt. Dieses Intervall zeigt jeweils, mit welcher Unsicherheit ein Umfragewert verbunden ist. Zum Beispiel kann man bei der Sonntagsfrage nicht exakt sagen, wie viel Prozent eine Partei bei einer Wahl bekommen würde, jedoch aber ein Intervall angeben, in dem das Ergebnis mit hoher Wahrscheinlichkeit liegen wird. Überschneiden sich die Intervalle von zwei Umfragewerten, dann können streng genommen keine Aussagen über die Differenz getroffen werden. Bei der Sonntagsfrage heißt das: Liegen die Umfragewerte zweier Parteien so nah beieinander, dass sich ihre Fehlerintervalle überlappen, lässt sich daraus nicht ableiten, welche von beiden aktuell bei der Wahl besser abschneiden würde.
Was passiert mit meinen Daten?
Die persönlichen Daten der Nutzer werden verschlüsselt auf deutschen Servern gespeichert und bleiben geheim. Sie dienen allein dazu, die Antworten zu gewichten und sicherzustellen, dass die Umfragen nicht manipuliert werden. Um dies zu verhindern, nutzt Civey statistische wie auch technische Methoden.

Wer steckt hinter Civey-Umfragen?

An dieser Stelle haben Leser in der App und auf der mobilen/stationären Website die Möglichkeit, an einer repräsentativen Civey-Umfrage teilzunehmen. Civey ist ein Online-Meinungsforschungsinstitut mit Sitz in Berlin. Zur Erhebung seiner repräsentativen Umfragen schaltet die Software des 2015 gegründeten Unternehmens Websites zu einem deutschlandweiten Umfragenetzwerk zusammen. Neben SPIEGEL ONLINE gehören unter anderem auch der "Tagesspiegel", "Welt", "Wirtschaftswoche" und "Rheinische Post" dazu. Civey wurde durch das Förderprogramm ProFit der Investitionsbank Berlin und durch den Europäischen Fonds für regionale Entwicklung finanziert.

ans/dpa



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Reinhold Schramm 03.08.2018
1. MOFCOM: US-Zollpolitik zum Scheitern verurteilt
Das Vorgehen der USA missachte die Interessen der amerikanischen Landwirte, Geschäftsleute und Konsumenten, sowie die Interessen der internationalen Staatengemeinschaft, sagte ein Sprecher des chinesischen Handelsministeriums am Donnerstag. "Gegenüber der Drohung mit einer Eskalation im Handelskrieg ist China gut gewappnet und wird zu Gegenmaßnahmen gezwungen sein, um seine nationale Würde, die Interessen seiner Bevölkerung, den freien Handel und das multilaterale System sowie die gemeinsamen Interessen aller Länder zu schützen." Das letztendliche Ziel der grundlosen Anschuldigungen der USA gegenüber China sei es, die friedliche Entwicklung Chinas zu verhindern, sagte der Sprecher. "Wir glauben stets, dass sich schlechte Dinge in gute Dinge verwandeln lassen, und dass Herausforderungen zu günstigen Gelegenheiten werden können. Wir setzen unser volles Vertrauen in die Erreichung des Ziels, eine wirtschaftliche Entwicklung von hoher Qualität zu erreichen." Vgl. CIIC Beijing, 03.08.2018.
Reinhold Schramm 05.08.2018
2. China plant Stabilisierung des Wirtschaftswachstums
Die Kommission, die im November vergangenen Jahres mit der Zentralbank für ihre operative Arbeit eingesetzt wurde, hat die Aufgabe, finanzielle Risiken zu vermeiden und Finanzreformen durch Koordinierung der Währungs-, Steuer- und Industriepolitik zu verbessern. Was die Finanzpolitik anbelangt, könnten die Emission von Staatsanleihen, Steuersenkungen und staatlich unterstützte Finanzierungsgarantien als Maßnahmen zur Koordinierung mit der Geldpolitik und zur Unterstützung des Wirtschaftswachstums genutzt werden, so die Kommission. Sie hat auch beschlossen, weiterhin gegen illegale Finanzaktivitäten und -institutionen vorzugehen, sich an strukturellen Schuldenabbau zu halten und das Gleichgewicht der internationalen Zahlungen zu verbessern. Um ein zu enges finanzielles Umfeld während des Deleveraging-Prozesses zu vermeiden und eine ausreichende Liquidität sicherzustellen, sei in der zweiten Jahreshälfte eine gezielte und moderate Lockerung der Geldpolitik mit ein bis zwei weiteren Senkungen des Mindestreservesatzes der Banken zu erwarten, so Lian Ping, Chefvolkswirt von der Bank of Communications. Vgl. CIIC Beijing, 05.08.2018
jotha58 05.08.2018
3. Ganz ehrlich
Die USA und auch China sind derzeit so anziehend wie die Skylla und Charybdis. Europa sollte versuchen aus beiden Umklammerungen heraus zu kommen. Dieser blöde Brexit nervt zunehmend zur Unzeit. Europa muss zusehen, dass Japan, Australien und Kanada zu einem geeinten Wirtschaftsblock zusammen wächst. Dann eine gemeinsame Ausrichtung nach Afrika, Südamerika und den anderen asiatischen Ländern festlegen. Solches wird ganz klar Deutschland sehr weh tun - nur so wie jetzt geht es auch nicht weiter.
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