Börsen-Crash Chinas Notenbank spendiert Beruhigungsmilliarden

Die asiatischen Börsen haben sich nach ihrem rabenschwarzen Jahresstart gefangen - dank massiver Unterstützung der chinesischen Zentralbank. Auch sollen Staatsfonds der Volksrepublik angeblich massiv Aktien kaufen.

Brokerhaus in Nantong: Anhaltende Turbulenzen befürchtet
REUTERS

Brokerhaus in Nantong: Anhaltende Turbulenzen befürchtet


Nach den starken Kurseinbrüchen zum Jahresauftakt hat sich die Lage an den asiatischen Aktienmärkten am Dienstag wieder beruhigt. Der CSI 300, der die Entwicklung der 300 größten Aktienwerte der Börsen in Schanghai und Shenzhen abbildet, konnte sich nach einer Berg- und Talfahrt ins Plus hieven. Der japanische Leitindex ging mit einem moderaten Verlust aus dem Handel. Der japanlastige Sammelindex Stoxx 600 Asia/Pacific gab um 0,49 Prozent auf 163,87 Punkte nach.

Die Beruhigung war wohl auch dem Eingreifen der Regierung in Peking geschuldet: Nach Informationen der Finanz-Nachrichtenagentur Bloomberg haben staatlich kontrollierte Fonds chinesische Aktien gekauft, um die Märkte zu stützen. Die Notenbank pumpte umgerechnet etwa 19 Milliarden Euro in den Markt - so viel wie seit September nicht. Zudem wurde darüber spekuliert, dass die staatlichen Banken Aktien kaufen könnten, um neuerliche Verluste von mehr als fünf Prozent zu verhindern. Der CSI 300 schloss um 0,28 Prozent höher bei 3478,78 Punkten.

Dax und EuroStoxx50 gaben ihre Anfangsgewinne bis zum Mittag wieder ab und verloren zeitweise jeweils 0,6 Prozent. "Die chinesischen Maßnahmen sind zunächst einmal positiv", sagte Commerzbank-Anlagestratege Michael Leister. "Aber es besteht das Risiko, dass sie als Zeichen der Schwäche gewertet werden und die Bemühungen keine Früchte tragen."

Am Montag, dem ersten Handelstag des Jahres, waren die Festlandbörsen angesichts von Sorgen um die chinesische Wirtschaft um sieben Prozent eingebrochen. Bei Erreichen dieser Marke wird der Handel gestoppt. Die Verkaufswelle hatte die anderen Weltbörsen mit nach unten gezogen. Analysten befürchten, dass sich die Investoren auf anhaltende Turbulenzen einstellen müssen. "Wir warten schon länger auf eine derartige Korrektur", sagte Samuel Chien, Partner beim Hedgefonds-Manager BoomTrend Investment Management. "Die Wirtschaft ist schwach, die Bewertung an der Börse immer noch hoch, und der Yuan gibt nach, was eine Kapitalflucht anzeigt. Die Kursverluste sind überfällig."

Neben der Sorgen über die Wachstumsaussichten der chinesischen Wirtschaft dürfte auch die Furcht vor einer Verkaufswelle durch Großanleger ein Grund für den Kurseinbruch vom Montag gewesen sein. Nach den Kurseinbrüchen des vergangenen Jahres gilt für Großinvestoren ein Verkaufsverbot, das eigentlich am kommenden Freitag wieder aufgehoben werden sollte. Die Nachricht von Bloomberg, dass dieses Verbot nun verlängert werden könnte, trug erheblich zur aktuellen Beruhigung bei.

Allerdings warnte ein Börsianer, dass die Bürde einer Verkaufswelle auf Hongkong übertragen werden könnte, wenn das Verkaufsverbot für chinesische Festland-Aktien verlängert wird. Der Hang-Seng-Index in Hongkong Chart zeigen, an dem auch ausländische Investoren uneingeschränkt handeln können, fiel um 0,65 Prozent auf 21.188 Punkte. Japans Börsen gaben nach den starken Verlusten vom Vortag moderat nach: Der Nikkei-225-Index fiel um 0,42 Prozent auf 18.374 Zähler.

mik/dpa-AFX

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herumnöler 05.01.2016
1. Am besten alles einfrieren
auf ewig. Wuerde gewaltige Ressourcen weltweit freisetzen. Statt vor dem Bildschirm zu hocken und Kurven anzustarren, koennte man was Produktiveres tun. Zum Beispiel andere Kurven betrachten, lebendige, und sich davon inspirieren lassen. Wuerde zu mehr Geburten fuehren. Und damit zu mehr Wachstum.
windpillow 05.01.2016
2. Vom Westen gelernt
Warum die ganze Aufregung? -Läuft doch alles genau wie bei uns. Geld in die Zentralbanken pumpen - massiv Aktien aufkaufen. Das ist eben der -chinesische- Kommunismus.
tramann 05.01.2016
3. Sozialismus Allerorten
Wie bereits auch schon seit der "Lehman-Krise" im Herbst 2008 im Westen, versucht auch China der Krise des vorherrschenden Geldsystems ("Fiat-Money") durch beständige Markteingriffe auf den Kredit- und Aktienmärkten mittels der Zentralnotenbank und/oder seiner Staatsfonds Herr zu werden. Damit werden jedoch die Ursachen der andauernden Finanzkrise, die insbesondere im vorherrschenden Geldsystem zu sehen sind (Kapitalfehlallokation aufgrund von Kreditschaffung aus dem Nichts) mit deren Folgen ("Boom-Bust-Zyklen") verwechselt. Die Auswirkungen dieser beständigen Markteingriffe und deren Folgen sind bereits durch die österreichische Schule der Nationalökonomie von Ludwig von Mises hinlänglich beschrieben worden. Letztlich führen diese weg von der Marktwirtschaft hin zum Sozialismus und zu einer zunehmenden Beschränkung der Freiheitsrechte, die zumindest meiner Einschätzung nach beginnend seit etwa 2010 zunehmend zu beobachten ist. Und in die Richtung scheint es vorerst weiterzugehen. Leider!
muellerthomas 05.01.2016
4.
Zitat von tramannWie bereits auch schon seit der "Lehman-Krise" im Herbst 2008 im Westen, versucht auch China der Krise des vorherrschenden Geldsystems ("Fiat-Money") durch beständige Markteingriffe auf den Kredit- und Aktienmärkten mittels der Zentralnotenbank und/oder seiner Staatsfonds Herr zu werden. Damit werden jedoch die Ursachen der andauernden Finanzkrise, die insbesondere im vorherrschenden Geldsystem zu sehen sind (Kapitalfehlallokation aufgrund von Kreditschaffung aus dem Nichts) mit deren Folgen ("Boom-Bust-Zyklen") verwechselt. Die Auswirkungen dieser beständigen Markteingriffe und deren Folgen sind bereits durch die österreichische Schule der Nationalökonomie von Ludwig von Mises hinlänglich beschrieben worden. Letztlich führen diese weg von der Marktwirtschaft hin zum Sozialismus und zu einer zunehmenden Beschränkung der Freiheitsrechte, die zumindest meiner Einschätzung nach beginnend seit etwa 2010 zunehmend zu beobachten ist. Und in die Richtung scheint es vorerst weiterzugehen. Leider!
Schauen Sie sich mal an, wie viele Rezessionen es zu Zeiten des Goldstandards gab und wieviele unter dem von Ihnen so gescholtenem System: http://www.nber.org/cycles.html Die damaligen Rezessionen waren zudem regelmäßig zu tief wie die von 2008/09.
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