Nach Kurssturz Chinas Börsen legen mehr als drei Prozent zu

Auf den dramatischen Einbruch folgt eine kleine Erholung: An Chinas wichtigsten Börsen sind die Kurse am Mittwoch um mehr als drei Prozent gestiegen. Doch Experten rechnen weiter mit großen Schwankungen.

Anleger vor Kurstafel in Peking am Mittwoch: Extreme Berg- und Talfahrt
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Anleger vor Kurstafel in Peking am Mittwoch: Extreme Berg- und Talfahrt


Chinas Börsen haben nach zweitägiger Talfahrt wieder deutlich im Plus geschlossen. Die beiden wichtigsten Indizes in Shanghai und Shenzhen legten am Mittwoch 3,4 beziehungsweise 3,1 Prozent zu. Anleger setzten darauf, dass die Behörden in Peking mit den zugesagten Stützungskäufen die Lage wieder in den Griff bekommen.

Am Montag waren die Aktienkurse in China so stark eingebrochen wie seit acht Jahren nicht mehr und hatten damit weltweit für Verunsicherung gesorgt. Auch am Dienstag schlossen sie deutlich im Minus. Immer mehr chinesische Kleinaktionäre planen den fluchtartigen Rückzug von der Börse. Die Regierung in Peking will einen weiteren Einbruch mit aller Macht verhindern.

Experten rechnen damit, dass Chinas Aktienmärkte noch über Monate großen Schwankungen ausgesetzt sein werden, weil sie jetzt extrem von staatlicher Unterstützung abhängig seien. "Schon die kleinsten Hinweise auf einen möglichen Rückzug des Staates aus den Märkten können zu Panikverkäufen führen", sagte die Wirtschaftsexpertin Sandra Heep vom Berliner China-Institut Merics.

Große Zweifel

Der Parteistaat habe mit seinen massiven Interventionen "eine neue Quelle der Instabilität geschaffen", sagte Heep. Niemand wisse, wie lange die staatliche Unterstützung anhalten oder wie die Märkte bei einer Verringerung der Hilfe reagieren werden.

Angesichts der massiven Interventionen gebe es große Zweifel an der Entschlossenheit der Partei, ihre 2013 abgegebenen Reformversprechen in einem schwierigen wirtschaftlichen Umfeld umzusetzen. "Zudem frisst das permanente Krisenmanagement der Aktienmärkte die Energie wichtiger staatlicher Akteure, die von der dringend notwendigen Planung struktureller Reformen abgelenkt werden", sagte Heep.

Werde die Umsetzung der Reformen, die auf Stärkung des Binnenkonsums und der Innovationsfähigkeit chinesischer Unternehmen abzielen, weiter verzögert, werde es "unweigerlich einen weiteren Einbruch der Wachstumsraten zur Folge haben", sagte Heep. "Das würde auch die deutsche Wirtschaft empfindlich treffen, die sich in eine starke Abhängigkeit vom chinesischen Markt begeben hat."

Seit vergangenem Monat hatten Chinas Aktienmärkte eine extreme Berg- und Talfahrt hingelegt: Getrieben von Privatanlegern, die in großem Stil Aktien auf Pump kauften, war der Leitindex in Shanghai binnen eines Jahres um mehr als 150 Prozent gestiegen. Mitte Juni begann dann ein rasanter Kurseinbruch. Innerhalb von nur 18 Handelstagen verlor der Index 32 Prozent an Wert.

Mit radikalen Eingriffen gelang es der Regierung, zunächst die Kurse zu stabilisieren. Die Zentralbank senkte die Zinsen auf ein Rekordtief, zudem wurde ein riesiges Kaufprogramm für Wertpapiere initiiert. Bis zu 50 Prozent der an den Börsen des Landes gehandelten Aktien wurden vom Handel ausgesetzt.

stk/dpa

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insgesamt 10 Beiträge
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oldskool 29.07.2015
1. da ist er...
... der positive Effekt auf die neuerliche Korruptionsmeldung... lustig :)
mcvitus 29.07.2015
2. Das ist das Ergebnis,
wenn sich die Börse von der Realwirtschaft löst. Zufall ist das nicht, es ist von allen maßgeblich Beteiligten so gewollt. Nur der naive Kleinanleger wundert sich vielleicht, noch. In besonders negativer Erinnerung ist mir noch das Geschachere zwischen Porsche und VW. Für geschickte Zocker, die mit fremden Kapital in dieser Casinoumgebung spielen, ist das wie für ein Kind, welches über Nacht versehentlich in die Süßwarenabteilung eines Kaufhauses eingeschlossen wird.
rhodos3000 29.07.2015
3. Kleinaktionäre
"planen" also ihren "fluchtartigen Rückzug" in China. Wenn sich hier der Autor mal nicht in klassischer Weise selbst widerspricht. Zum Gesamtbild gehört nämlich auch die Ausgangslage, dass die beiden jetzt eingebrochenen Märkte, Schanghai und Schenzen, im zurückliegenden Jahreszeitraum über 150 % gewachsen sind. Dann ein Einbruch von 30 % und zuletzt nochmal von 8 % - in der Summe Traumzahlen, von denen kein einziges Land der Eurozone auch nur zu träumen wagte. Was für ein Märchen will man uns also hier verklickern? Dass das Reich der Mitte in einer ganz schrööcklichen Krieeeese ist und wir mit unseren super zuverlässigen Nachbarn in Europa in Wirklichkeit die Größten? Versucht es gar nicht erst! Erklärt lieber, was Hunderttausende, vielleicht bald Millionen kaum integrationsfähige neue Flüchtlinge für die europäische Wirtschaft bedeuten.
youseeus 29.07.2015
4. Prozentrechnung
wenn ein Kurs bei 300 Punkten liegt, um 150% wächst(750) und um 38% schrumpft, liegt er hinterher bei 465 was nicht wirklich viel mehr als vorher ist (etwas mehr als 50%)
Airkraft 29.07.2015
5. Ja,ja...
Ja,ja wie aufregend. Täglich grüßt das Murmeltier oder auch: Wie gewonnen so zerronnen oder: Nach dem Crash ist vor dem Crash und/oder auch anders herum :-(
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