München - Der Bierdurst der Chinesen hat die weltweite Produktion auf Rekordhöhe getrieben. Mit einem Ausstoß von 490 Millionen Hektoliter im vergangenen Jahr wird inzwischen ein Viertel aller Biere in der Volksrepublik gebraut. Das teilte der Hopfen-Weltmarktführer Barth am Dienstag in München mit. Die Firma hat eine Rangliste der größten Bierbrauerländer aufgestellt. Deutschland liegt dabei mit knapp 96 Millionen Hektoliter auf Platz fünf, hinter den USA, Brasilien und Russland. Die Produktion ging hierzulande zurück. "Wir erwarten, dass dieser Trend sich fortsetzt", sagte Geschäftsführer Johann Barth.
Weltweit sei die Bierproduktion im vergangenen Jahr dagegen leicht auf 1,9 Milliarden Hektoliter gestiegen. Vor allem die Nachfrage aus Asien steigert den Absatz. Allerdings würden in der größten Biertrinkernation China recht wässrige Gerstensäfte bevorzugt. "Das chinesische Bier ist verdammt leicht", klagte Barth. Obwohl global 2011 so viel Bier wie noch nie gebraut worden sei, hätten die Hersteller pro Hektoliter noch nie so wenig Hopfen verwendet. In Deutschland dagegen setzten die Brauer verstärkt auf teure Premium-Biere, und sie experimentierten mit neuen, fruchtigen Aroma-Hopfen wie Bavaria-Mandarin oder Hallertau-Blanc.
Allerdings ist chinesisches Bier laut Barth "nah am Wasser gebaut", nämlich sehr leicht, mit wenig Alkohol und wenig Stammwürze. Weltweit stammt jedes zweite Bier aus einer der fünf größten Brauereien - dem belgischen AB-InBev-Konzern, der britischen SAB-Miller-Gruppe, Heineken in den Niederlanden, Carlsberg in Dänemark oder der China Resource Brewery. Barth erwartet, dass die aktuell billigen Kredite zu weiteren Übernahmen führen werden. "Ich kann mir gut vorstellen, dass in zehn Jahren 60 Prozent von drei Konzernen gebraut wird", sagte der Unternehmer.
Deutschland dürfte aber nach seiner Einschätzung von der Konsolidierungswelle nicht betroffen sein, auch wegen der schwachen Margen auf dem heimischen Markt. Die drei größten deutschen Braukonzerne sind Radeberger auf Platz 23 der Weltrangliste, Oettinger auf Platz 29 und Bitburger auf Platz 37.
Die Zahl der Brauereien in Deutschland sei auf fast 1300 gestiegen, in den USA gebe es inzwischen sogar mehr als 1900 Kleinbrauereien. Diese Gegenbewegung lasse sich seit Jahren weltweit beobachten: Je größer der Marktanteil der großen Braukonzerne werde, desto mehr Gasthaus- und Kleinbrauereien entstünden, sagte Barth.
stk/dpa/Reuters
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