Peking - Wird China von der Wirtschaftsschwäche in Europa und den USA mitgerissen? Das ist die große Sorge, die Experten umtreibt und die nun verstärkt wird. So ist die Stimmung in der chinesischen Industrie im Juli auf den tiefsten Stand seit acht Monaten gefallen. Das gab das Nationale Statistikamt am Mittwoch in Peking bekannt.
Der Index weist auf eine weitere Abkühlung der Konjunktur hin. Der Einkaufsmanagerindex sei von 50,2 Punkten im Vormonat auf nun 50,1 Zähler gesunken. Der Indikator signalisiert damit noch eine ganz leichte Expansion der chinesischen Wirtschaft. Indexstände von mehr als 50 Punkten deuten auf eine wirtschaftliche Belebung hin, während Werte darunter auf einen Rückgang hinweisen.
Nach Angaben eines chinesischen Offiziellen von Dienstag waren allein die Gewinne der Stahlindustrie im ersten Halbjahr um 96 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum eingebrochen, wie die "Financial Times" schreibt. Demnach wird diese Sparte derzeit als eines der größten Probleme angesehen.
Auch an der japanischen Börse wird die Abkühlung der chinesischen Wirtschaft - noch globaler Wachstumsmotor - mit Sorge beobachtet. Die Börse in Tokio schloss am Mittwoch mit Verlusten. Der Nikkei-Index für 225 führende Werte ging mit einem Minus von 0,6 Prozent bei 8641 Zählern aus dem Handel. Zwischendurch hatte er noch deutlicher im Minus gelegen. Der breit gefasste Topix gab unterm Strich 0,9 Prozent auf 729 Zähler nach.
Besonders schwach lief der Handel zwischen den Euro-Ländern
Die Talfahrt der Industrie setzte sich auch in Deutschland fort. Die Branche schrumpfte im Juli so stark wie zuletzt vor drei Jahren. Der Markit-Einkaufsmanagerindex sank um zwei auf 43 Punkte, wie Markit zu seiner Umfrage unter rund 500 Betrieben mitteilte. Damit entfernt sich das Barometer immer weiter von der 50-Punkte-Marke, ab der es Wachstum signalisiert. "Die Lage der deutschen Industrie hat sich binnen Monatsfrist dramatisch verschlechtert", sagte Markit-Ökonom Tim Moore. "Die Produktion wurde nicht nur so stark zurückgefahren wie zuletzt vor mehr als drei Jahren, auch mit der Beschäftigung ging es so zügig bergab wie seit Anfang 2010 nicht mehr."
Beim Neugeschäft leiden die Unternehmen unter einer extremen Durststrecke. "Dreizehn Monate in Folge und damit so lange wie nie zuvor seit Umfragebeginn im April 1996 geht der Auftragseingang in der deutschen Industrie nun bereits zurück", erklärte Markit. Grund dafür sei die niedrige Investitionsbereitschaft der Kunden wegen der unsicheren globalen Konjunkturaussichten. Vor allem die Auslandsnachfrage ging deutlich zurück - auch aus den USA und Asien.
Fachleute erwarten, dass die deutsche Wirtschaft im abgelaufenen zweiten Quartal nur noch um rund 0,2 Prozent gewachsen ist, nach 0,5 Prozent zum Jahresanfang.
Noch schlechter laufen die Geschäfte in der gesamten Euro-Zone. Der Einkaufsmanagerindex fiel um 1,1 auf 44,0 Punkte, teilte das Markit-Institut weiter mit. Das ist der schlechteste Wert seit Mitte 2009. "
Die Exportaufträge sanken bereits den achten Monat in Folge. Besonders schwach lief der Handel zwischen den Euro-Ländern. "Dass die Unternehmen wegen der beschleunigten Produktions- und Auftragsrückgänge Stellen gestrichen und ihre Lager geräumt haben, deutet darauf hin, dass die Branchenakteure eine mehrmonatige Schwächephase befürchten", sagte Markit-Chefvolkswirt Chris Williamson.
yes/dpa/Reuters
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