Devisengeschäfte China erwägt Einführung von "Tobin"-Steuer

China will drohende Preisblasen durch die Kapitalschwemme aus dem Ausland bekämpfen. Deshalb stellt der Leiter der Devisenaufsicht eine "Tobin"-Steuer auf Finanzgeschäfte in Aussicht. Die Abgabe würde Währungsspekulationen verteuern.

Chinesische Banknoten: Regierung rechnet mit wachsendem Kapitalfluss
AFP

Chinesische Banknoten: Regierung rechnet mit wachsendem Kapitalfluss


Peking - China erwägt angesichts des massiven Kapitalzuflusses aus dem Ausland die Einführung einer sogenannten "Tobin"-Steuer auf Finanzgeschäfte. "Es gibt eine Vielzahl an Instrumenten, die wir in Erwägung ziehen - dazu gehört auch die Tobin-Steuer", sagte der Chef der Abteilung für internationalen Zahlungsverkehr der Devisenaufsicht SAFE, Guan Tao, am Freitag in Peking.

Die Idee wurde vor mehr als 40 Jahren von dem US-Ökonomen James Tobin entwickelt. Sie sieht eine niedrige Steuer auf Devisengeschäfte vor und würde Währungsspekulationen teurer machen. Auch der Vize-Gouverneur der Zentralbank, Yi Gang, brachte eine "Tobin"-Steuer ins Spiel.

Die chinesische Regierung rechnet in diesem Jahr mit einem wachsenden Zufluss ausländischen Kapitals - vor allem wegen der stärker werdenden heimischen Währung und höheren Zinsen. "Wenn der Yuan stabil bleibt oder etwas aufwertet, während zugleich die Yuan-Zinsen höher sind als die von anderen wichtigen Währungen, dann könnten die Finanzgeschäfte großer Unternehmen zu mehr Geldzuflüssen führen", sagte Guan. "Das wird unsere Devisenreserven nach oben treiben, die bereits sehr groß sind."

Mit 3,82 Billionen Dollar besitzt China die weltweit größten Devisenreserven. Die Banken des Landes verbuchten 2013 im Devisenhandel einen Überschuss von fast 278 Milliarden Dollar - ein Plus von 210 Prozent zum Jahr zuvor.

Der Leitzins der Zentralbank liegt derzeit bei sechs Prozent, in den USA hingegen nahe null und in der Euro-Zone bei 0,25 Prozent. Da die Notenbanken vieler Industrieländer seit der Finanzkrise hunderte Milliarden in die Wirtschaft pumpten, suchen Investoren nach guten Anlagemöglichkeiten. China ist nicht nur wegen der höheren Zinsen attraktiv, sondern auch wegen der Aussicht auf einen steigenden Yuan-Kurs. Seit 2005 hat die Währung um etwa 37 Prozent aufgewertet. Peking fürchtet, dass der massive Zufluss ausländischen Geldes zu Preisblasen führen kann und will ihn deshalb begrenzen.

cte/Reuters

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insgesamt 11 Beiträge
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Seite 1
Thom-d 24.01.2014
1. optional
Eine sehr gute Idee, aber bei weiten nicht ausreichend. Es sollte eine hohe Steuer nicht nur auf Devisenspekulation eingeführt werden, sondern auf alle Formen der Spekulation
CommonSense2006 24.01.2014
2.
Zitat von Thom-dEine sehr gute Idee, aber bei weiten nicht ausreichend. Es sollte eine hohe Steuer nicht nur auf Devisenspekulation eingeführt werden, sondern auf alle Formen der Spekulation
Ich glaube, Sie wissen nicht, was Spekulation eigentlich ihrem Wesen nach ist. Sie ist in einer arbeitsteiligen Volkswirtschaft extrem nützlich und Versuche, sie zu verbieten, haben entweder nichts gebracht oder die Versorgungslage für die Bevölkerung deutlich verschlechtert.
Hermes75 24.01.2014
3.
Zitat von Thom-dEine sehr gute Idee, aber bei weiten nicht ausreichend. Es sollte eine hohe Steuer nicht nur auf Devisenspekulation eingeführt werden, sondern auf alle Formen der Spekulation
Sie verstehen den Sinn der Tobin-Steuer überhaupt nicht. Die Idee ist es durch die Einführung einer niedirigen Steuer auf Finanztransaktionen hochfrequenten Handel mit geringen Gewinnspannen unattraktiver zu machen. Dies trifft in erster Linie kurzfristige Spekulationsgeschäfte, behindert den normalen Handel aber nicht. Würde man - wie Sie es fordern - eine hohe Transaktionssteuer einführen, dann verhindert man damit auch sinnvolle Geschäfte. Das wäre dann das finanzwirtschaftliche Äquivalent zur Kleinstaaterei mit einem Zollhäuschen an jeder Brücke. Einige Leute tun so als ob Spekulation per se etwas schlechtes sei. Das ist Quatsch. Spekulation ist nichts anderes als der Handel mit wirtschaftlichen Risiken. So kann sich z.B. der Landwirt gegen schwankende Marktpreise absichern oder Industrieunternehmen gegen steigende Rohstoffpreise usw. Zum Problem werden Spekulationsgeschäfte erst wenn durch sie falsche Impulse in der Realwirtschaft gesetzt werden und z.B. Güter künstlich verknappt werden.
irlaender 24.01.2014
4. Teilweise richtig, aber...
Zitat von CommonSense2006Ich glaube, Sie wissen nicht, was Spekulation eigentlich ihrem Wesen nach ist. Sie ist in einer arbeitsteiligen Volkswirtschaft extrem nützlich und Versuche, sie zu verbieten, haben entweder nichts gebracht oder die Versorgungslage für die Bevölkerung deutlich verschlechtert.
Natürlich sind Spekulationen in einem BEGRENZTEN Rahmen notwendig um extreme Preisschwankungen auszugleichen, was aber eine völlige Deregulierung anrichtet, sieht man an den Nahrungsspekulationen, wo vor etwa 10 Jahren de-reguliert wurde.
uksubs 24.01.2014
5. spekulation
ja, was sind denn spekulationen? mit meiner küchenökonomie komme ich auf etwa die spekulation, auf einen fallenden yen zu wetten ( spekulieren ). daran kann ich zunächst nichts gutes erkennen, außer dass leute, die ansonsten keiner wirklichen arbeit nachgehen, durch reine spekulation geld verdienen wollen. und hat nicht auch die spekulation so etwas erzeugt wie die immobilienblase in den usa? daran kann ich auch nichts gutes erkennen. sie können ja gern als liberaler wirtschaftsexperte behaupten, dass die so viele gute eigenschaften hat, diese spekulation - ein paar wirkliche gründe würde ich jedoch gern lesen.
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