"Restriktivste Wirtschaft der Welt" EU-Firmen werfen China unfairen Wettbewerb vor

In Sonntagsreden preist Chinas Präsident Xi gern die Globalisierung und freien Wettbewerb - die Realität für europäische Firmen in China sieht allerdings ganz anders aus. Die Wirtschaft sieht keine Anzeichen für eine Öffnung.

Chinesischer Militär vor einem Flugzeug des europäischen Airbus-Konzerns
AP

Chinesischer Militär vor einem Flugzeug des europäischen Airbus-Konzerns


Trotz Chinas Versprechen, die eigene Wirtschaft öffnen zu wollen, sehen sich europäische Firmen in der Volksrepublik weiter massiv benachteiligt. China bleibe "eine der restriktivsten Volkswirtschaften der Welt", heißt es in einer am Mittwoch vorgelegten Studie der Europäischen Handelskammer in Peking zur Stimmung unter den Mitgliedern.

Demnach gaben 62 Prozent der befragten Unternehmen an, sie hätten das Gefühl, dass chinesische Firmen in Europa besser behandelt würden als umgekehrt europäische Unternehmen in China. Neben weniger Beschränkungen hätten es chinesische Firmen zudem deutlich leichter, in Europa Übernahmen zu tätigen.

"Eine große Mehrheit sagt, dass sie noch immer keine Öffnung sieht", sagte Kammerpräsident Mats Harborn anlässlich der Präsentation der Studie: "Wir sehen in diesem Bereich nicht so viel Fortschritt, wie wir es uns erhofft hatten."

China holt immer weiter auf

Die kontinuierliche Ungleichbehandlung sei auch deshalb alarmierend, da zugleich die technologische Aufholjagd der Chinesen voranschreite. Ein neuer Höchstwert von 60 Prozent der befragten Firmen gab demnach an, dass sie ihre chinesischen Konkurrenten mittlerweile als genauso innovativ oder sogar innovativer wahrnehmen würden.

Ungleiche Bedingungen sorgen schon länger für Unmut hierzulande. Deutschland und die EU müssten sich entschlossener für einen fairen Wettbewerb einsetzen, forderte jüngst etwa die Bertelsmann Stiftung. Während chinesische Investoren hierzulande freien Marktzugang bekämen, schütze die chinesische Regierung ihre eigenen strategischen Industrien gezielt vor ausländischem Zugriff.

Laut der Beratungsfirma EY haben Investoren aus der Volksrepublik 2017 die Rekordsumme von fast 13,7 Milliarden Dollar für Firmenübernahmen und Beteiligungen in Deutschland ausgegeben. Der Bundesrat will nun ein Veto gegen chinesische Übernahmen erleichtern.

China fährt bei der Modernisierung des Landes eine Doppelstrategie. Mit dem Regierungsplan "Made in China 2025" will Peking die eigene Industrie auf Vordermann bringen, eine"Neue Seidenstraße" soll zudem dafür sorgen, dass Chinas Firmen neue Absatzmärkte weltweit erobern.

Wirtschaft fordert Abkommen statt Zöllen

Doch auch bei diesem gewaltigen Infrastrukturprojekt meldet die EU-Kammer Bedenken an, da Aufträge nicht transparent genug vergeben würden. "Wir bekommen nicht genug Informationen, wie wir teilhaben können", kritisiert Harborn. Anders als die USA, die wegen des Vorwurfs unfairer Marktbedingungen auch nicht vor Strafzöllen gegen Peking zurückschrecken, hält die europäische Handelskammer ein moderateres Vorgehen für sinnvoll.

So wünschte sich Harborn schnellere Fortschritte bei den Verhandlungen über ein Investitionsschutzabkommen der EU mit China. Ein solcher Vertrag würde direkt auf einige Fragen des Marktzugangs eingehen und gleichzeitig dazu beitragen, "die zunehmenden politischen Spannungen zu zerstreuen", heißt es in der Studie der Handelskammer.

Der Handelsstreit zwischen China und den USA hatte sich am Dienstag weiter hochgeschaukelt. US-Präsident Trump drohte, weitere Strafen auf chinesische Waren im Umfang von 200 Milliarden Dollar zu verhängen und damit fast die Hälfte der chinesischen Einfuhren in die USA mit Strafzöllen zu belegen. China kündigte Vergeltung an, sollte es dazu kommen.

Experten befürchten ernsthafte Konsequenzen für die Weltwirtschaft, sollte sich die Spirale der gegenseitigen Handelsbarrieren weiterdrehen. Auch deutsche und europäischen Firmen drohen in den Handelsstreit zwischen den USA und China zu geraten, da sie in beiden Ländern viele Niederlassungen haben und Waren direkt aus den USA nach China oder in die entgegengesetzte Richtung verkaufen.



insgesamt 17 Beiträge
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ahloui 20.06.2018
1. Die europäische Wirtschaft
sollte sich langsam wirklich einmal ernsthaft fragen, wer den Chinesen diese Aufholjagd ermöglicht. Nur um billig produzieren zu können, wird den Chinesen seit Jahrzehnten das Know How auf dem Silbertablett serviert, und sehr viele Firmen haben sich dafür schon eine blutige Nase geholt. Trotzdem machen alle weiter... Gier frisst Verstand, kann ich dazu nur sagen. Anstatt nun darüber zu jammern, sollte das "Engagement" dringend zurückgefahren werden. Wer glaubt, die Chinesen werden irgendwann ernsthaft und zuverlässig einlenken, glaubt auch, dass ein Zitronenfalter Zitronen faltet.
Ralf1234 20.06.2018
2.
Trump hat kapiert wie es läuft und handelt konsequent. Die Europäer schwingen Sonntagsreden. "Made in China" wird bald auf nahezu jedem Produkt zu lesen sein
klaus64 20.06.2018
3. Kooperation oder Gegnerschaft
In der Politik ist es wie im Geschäftsleben, wenn ein früherer Mitbewerber erwachsen wird, steht immer die Frage, ob man einen Wettbewerb auf Verschleiß anstrebt oder ob man eine Kooperation sucht und auch der Welle mit schwimmt. Das ist oft gefühlsmäßig schmerzhaft, aber oft der einzige Weg.
fraenki999 20.06.2018
4. So, So...
EU Firmen werfen China unfairen Wettbewerb vor? Was ist den z.B. mit dem Export von hochsubventionierten Agrargütern in dritte Welt Länder?. Das ist nicht nur unfair sondern menschenverachtend.. Wer im Glashaus sitzt.....
dasfred 20.06.2018
5. Einer muss ja immer der Böse sein
Ich erinnere mich noch gut, dass den Heuschrecken hier die Tore weit geöffnet wurden. Hieß es nicht lange Zeit, wir müssen mehr Kapital ins Land holen? An einen Ausverkauf der Technologie wollte niemand denken. Das Problem ist hausgemacht. Ich kann doch China keinen Vorwurf daraus machen, dass sie von vornherein einen anderen wirtschaftspolitischen Kurs gefahren sind und deutsche Firmen bereitwillig an an ausländische Investoren verkauft werden. Wer kurze Ziele verfolgt, darf sich nicht aufregen, wenn andere mit langfristiger Planung die bessere Performance hinlegen.
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