Schwächelnde Wirtschaft EU-Firmen beklagen schlechtere Geschäfte in China

Die China-Euphorie europäischer Unternehmen ist verschwunden. Immer mehr Firmen klagen über düstere Geschäftsaussichten im einstigen Hoffnungsland. Für sie sind die "goldenen Zeiten" schon vorbei.

Volkswagen-Werk in Foshan: Viele Unternehmen haben in China investiert
DPA

Volkswagen-Werk in Foshan: Viele Unternehmen haben in China investiert


Peking - Jahrelang galt China als große Hoffnung für die Weltwirtschaft. Doch inzwischen macht sich offenbar Ernüchterung breit. Laut einer jährlichen Umfrage der Europäischen Handelskammer in China beschweren sich EU-Unternehmen zunehmend über härtere Geschäftsbedingungen - und planen entsprechend niedrigere Investitionen.

"Ein Gefühl von Pessimismus" mache sich unter den europäischen Firmen in China breit, heißt in der entsprechenden Studie, die am Donnerstag in Peking vorgestellt wurde. "Zwei Drittel der großen Firmen stellen fest, dass die Geschäfte in China schwieriger geworden sind ", sagte Kammerpräsident Jörg Wuttke. Nur noch 57 Prozent wollten ihre China-Aktivitäten ausbauen, nachdem das im Jahr zuvor noch 86 Prozent geplant hatten.

Laut Umfrage glaubt fast die Hälfte (46 Prozent) der befragten Unternehmen, dass die "goldenen Zeiten" für multinationale Konzerne in dem Land bereits vorbei seien. Die Umsätze wachsen jedenfalls nicht mehr so stark wie bisher. Der Anteil der Firmen, die ihren Umsatz überhaupt gesteigert haben, ist laut Studie von 78 Prozent im Jahr 2010 auf 59 Prozent im vergangenen Jahr gefallen. "Der wirtschaftliche Abschwung und härtere Geschäftsbedingungen beginnen, sich auszuwirken", sagte Wuttke.

Die Rentabilität der China-Geschäfte ist laut Umfrage gesunken. Ein Drittel der Befragten erklärte, dass ihre Gewinnspannen in dem Land sogar unter dem globalen Durchschnitt ihres Unternehmens lägen.

Die Studie nennt vor allem drei Gründe für die düstere Stimmung:

  • Ein schwächeres Wirtschaftswachstum: Die Zeiten, in denen die chinesische Volkswirtschaft mit zehn Prozent pro Jahr wuchs, sind offenbar vorbei. 2013 waren es gerade mal noch 7,7 Prozent, für das laufende Jahr hofft die Regierung auf 7,5 Prozent.
  • Steigende Löhne: Längst ist China kein reiner Billigstandort mehr. Mit dem Wachstum der vergangenen Jahre stiegen auch die Ansprüche der Arbeiter. Zudem hat die Regierung in Peking den Mindestlohn bereits mehrmals erhöht, um den Konsum zu stärken. Für westliche Konzerne heißt das: Arbeitskräfte werden teurer.
  • Die Konkurrenz durch staatliche Konzerne, die in China oft leichteren Marktzugang haben als ausländische Unternehmen.

Während das China-Geschäft schwieriger wird, wächst die Abhängigkeit vom Milliardenmarkt. Der Anteil der Unternehmen, die zehn Prozent oder mehr ihres weltweiten Umsatzes in China machen, stieg über fünf Jahre von 32 auf 48 Prozent. Aber nur noch ein Fünftel der Unternehmen sehen China als wichtigstes Investitionsziel, während es vor zwei Jahren noch ein Drittel war. "Unternehmen schauen nach anderen Möglichkeiten", sagte Wuttke.

Übernahmen chinesischer Unternehmen können sich heute auch nur noch 15 Prozent vorstellen, obwohl es im Vorjahr noch 41 Prozent waren. Den auffallend starken Rückgang erklärte Wuttke damit, dass chinesische Unternehmen überbewertet seien. Das heißt, die Preise der Unternehmen lägen derzeit höher als sie gemessen an Umsatz, Gewinn und Geschäftsaussichten tatsächlich wert sind. EU-Unternehmen wollten erst mal abwarten, bis sich der Markt weiter normalisiere.

stk/dpa-AFX/Reuters

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insgesamt 32 Beiträge
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Seite 1
Europa! 29.05.2014
1. Liebe Kapitalisten: So funktioniert nun einmal der Markt
Zitat von sysopDPADie China-Euphorie europäischer Unternehmen ist verschwunden. Immer mehr Firmen klagen über düstere Geschäftsaussichten im einstigen Hoffnungsland. Für sie sind die "goldenen Zeiten" schon vorbei. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/china-europaeische-firmen-beklagen-schlechtere-geschaefte-a-972376.html
Die Zeiten, in denen in China zu Hungerlöhnen produziert und zu Luxuspreisen verkauft werden konnte, sind eben vorbei. Der Markt beweist seine Fähigkeit, einen Ausgleich zwischen hochindustrialisierten Staaten und Schwellenländern zu schaffen. Dafür haben sich für 1,3 Mrd. Menschen die Lebensbedingungen drastisch verbessert, und das ist auch gut so.
vitalik 29.05.2014
2. Wirschaft
Wie jetzt? Man möchte extrem billige Arbeitskräfte und gleichzeitig viele Käufer haben und am besten diesen Zustand für immer beibehalten. Die Karavane zieht weiter. Welches Land steht als nächtes auf der Listen in dem man für 1 Dollar dutzend Arbeiter beschäftigen kann?
shardan 29.05.2014
3. Illusionen
Die Goldenen Zeiten sind nicht vorbei, sie waren immer eine Illusion. Dei Chinesen sind Meister der Raubkopie - geld verdienen kann man dort nur, solange die Fabrik nebenan noch nicht fertig ist - 1 zu 1 nachgebaut, um dasselbe Produkt unter chinesischem Namen zu produzieren. Verträge? Interessiert kaum. Die Zeiten, wo man billigst produzieren und zu überhöhten Preisen dort verkaufen konnte, dürfte China als Lehrgeld betrachten - und sie sind vorbei! Mittlerweile haben die Chinesen so viel Know how angesammelt, dass sie das selbst in die Hand nehmen können.
noalk 29.05.2014
4. Waren Sie schon mal in China?
Zitat von Europa!Die Zeiten, in denen in China zu Hungerlöhnen produziert und zu Luxuspreisen verkauft werden konnte, sind eben vorbei. Der Markt beweist seine Fähigkeit, einen Ausgleich zwischen hochindustrialisierten Staaten und Schwellenländern zu schaffen. Dafür haben sich für 1,3 Mrd. Menschen die Lebensbedingungen drastisch verbessert, und das ist auch gut so.
Vielleicht waren Sie schon dort, aber dann bestimmt nicht auf dem Land. Und dass sich die Verhältnisse für die Wanderarbeiter auch drastisch verbessert hätten, ist mir nicht bekannt. Ich schätze, von Ihren 1,3 Mrd bleibt - optimistisch geschätzt - vielleicht die Hälfte übrig. Aber vielleicht reicht Ihnen das ja auch.
explorer88 29.05.2014
5. Merkwürdig...
Aber über die Sanktionen Chinas gegen die USA berichtet niemand: Microsoft, Cisco, IBM...Sanktionen nennt die "objektive" Presse dann "schlechtere Geschäfte".
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