Handel mit Europa China will neue Seidenstraße bauen

Um den internationalen Handel zu fördern, will China neue Straßen und Bahnstrecken bauen. 40 Milliarden Dollar stellt das Land dafür bereit. Nun sollen auch Firmen das Vorhaben voranbringen.

Chinas Präsident Xi Jinping: "Koordinierte Entwicklung"
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Chinas Präsident Xi Jinping: "Koordinierte Entwicklung"


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Die chinesische Regierung will heimische Unternehmen dazu bringen, bei der Finanzierung einer modernen Seidenstraße mitzuhelfen. Dazu sollten die Firmen Anleihen im Ausland in Umlauf bringen, meldete die staatliche Nachrichtenagentur Xinhua. Ziel der Initiative "Ein Gürtel, eine Straße" sei es, eine neue asiatische Handelsinfrastruktur aufzubauen und mit Europa und Afrika zu verbinden.

Bisher stehen für das Projekt 40 Milliarden Dollar bereit. Zu dem "Seidenstraßenprojekt" gehört heute schon ein Güterzug, der über mehr als zehntausend Kilometer von China nach Duisburg fährt, der Trans-Eurasia-Express. Einst war die Seidenstraße ein Netz aus Karawanenstrecken, die das Mittelmeer mit Asien verband und vor allem dem Handel galt.

Der zuständige chinesische Funktionär Yang Jiechi sagte zum Auftakt des asiatischen Wirtschaftsforums in der südchinesischen Stadt Boao, das Vorhaben sei ein Gewinn für China wie auch für die Nachbarländer. Er rief weitere Staaten dazu auf, sich anzuschließen. Im Rahmen der Initiative sollen Bahnstrecken errichtet, Straßen gebaut und andere Infrastrukturprojekte umgesetzt werden.

Die Wiederbelebung der historischen Seidenstraße ist der jüngste Schritt Chinas, um seinen weltweiten Einfluss zu stärken. Zu diesen Bemühungen gehört auch die im vergangenen Jahr aus der Taufe gehobene Entwicklungsbank für Asien (AIIB), für die sich immer mehr Länder interessieren.

Neue regionale Ordnung

Chinas Staats- und Parteichef Xi Jinping rief in seiner Rede zu verstärkter Kooperation in Asien auf. "Wir müssen gemeinsam eine regionale Ordnung schaffen, die besser zu Asien und zum Rest der Welt passt." Er verwies auf die gegenseitigen Abhängigkeiten und die Ungewissheiten in der globalen Wirtschaft.

Auch in der "neuen Normalität" mit einem langsameren Wachstum von rund sieben Prozent im Jahr biete die zweitgrößte Volkswirtschaft anderen Ländern noch große wirtschaftliche Möglichkeiten, sagt Xi.

Australien kündigte am Sonntag an, nach Deutschland, anderen EU-Ländern oder Südkorea bei der Infrastrukturbank mitmachen zu wollen. Die USA hingegen sehen das Vorhaben kritisch. Die Sorge, dass die Bank eine Konkurrenz für Weltbank oder Asiatische Entwicklungsbank (ADB) werden könnte, versuchte Xi zu entschärfen. China suche eine "koordinierte Entwicklung" mit den anderen Finanzinstituten.

Alternative zur Weltbank

Teilnehmer des Treffens, das als Asiens Gegenstück zum Weltwirtschaftsforum im Schweizer Davos gilt, begrüßten die neue Bank. "Wir bekommen einen starken Anstoß, uns schnell zu wandeln", sagte Weltbank-Vizepräsident Cyrill Muller. Jede der großen Finanzinstitutionen könne voneinander lernen. "Ich teile die Ansicht, dass es eine gute Idee ist, von Grund auf neu anzufangen."

Die neue Bank könne die Weltbank dazu bringen, flexibler zu werden, sagte Atul Shunglu, Vizegeneralsekretär der indischen Industrie- und Handelskammern. "Wenn man in Schwierigkeiten war, musste man entweder zur Weltbank oder ADB gehen, aber jetzt gibt es eine Alternative." Die Bank mit Sitz in Peking, die China mit 50 Milliarden US-Dollar startet, dürfte am Ende über rund hundert Milliarden US-Dollar Kapital verfügen.

Das politische Ziel sei die "aktive Mitgestaltung" einer multipolaren Weltordnung, sagte der Experte Moritz Rudolf vom China-Institut Merics in Berlin. "China macht den USA zunehmend Konkurrenz." Es könnten die Grundlagen chinazentrierter Produktionsnetzwerke gelegt und die Auftragsbücher großer Staatsunternehmen gefüllt werden.

Durch die Erschließung neuer Handelsrouten, Absatzmärkte und Energiequellen hoffe China auf mehr Wachstum und wolle seine Abhängigkeit von einzelnen Staaten und Märkten verringern, sagte Rudolf. In einigen Industriezweigen sei der Export über den Landweg nach Europa günstiger und schneller als über den Seeweg. "Chinas Position als Handelsmacht würde so gestärkt", sagte Rudolf.

Zusammengefasst: China will seine Infrastruktur in den kommenden Jahren massiv ausbauen und sich international stärker vernetzen. Das Land stellt 40 Milliarden Dollar zur Verfügung, unter anderem für den Bau neuer Straßen und Eisenbahnstrecken. Firmen sollen zusätzlich Anleihen im Ausland auflegen.

jme/Reuters/dpa

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insgesamt 14 Beiträge
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Seite 1
Hornblower, 29.03.2015
1. Der Mann
hat doch noch Visionen! Wieso kann dann Schmidt etwas mit ihm anfangen? China, ein kleiner Tip. In Euren Filmen können Frauen so gut kämpfen wie Ihr Männer. Mulan, sage ich nur. Vergesellschaftung der Macht mag anfangs auch nur eine gute Balancierung sein, zwischen Innen und Aussen, Oben und Unten und vor Allem Männern und Frauen. Ladet mal Frau Schwesig ein.
Oberleerer 29.03.2015
2.
Ein längst überfälliges Projekt. Allerdings hätte vor allem Russland da voranschreiten können. Leider dient es wieder nur den Interessen der Lohndrücker. Eine Gemeinschaft zu schaffen, mit dem Ziel daß alle komfortabel leben können, bis ins Alter kommt denen leider nicht in den Sinn. Die Maschinen müssen für unser Leben aufkommen, Renten- und Sozialbeiträge zahlen. Dafür wurden die gemacht.
bazingabazinga 29.03.2015
3. Und Griechenland wird Einfallstor für China nach Europa
Chinesen kaufen griechische Unternehmen und einen wichtigen europäischen Hafen in Piräus. Fracht zu günstigen Konditionen nach Europa bringen. In die andere Richtung, nach China nicht möglich. Kein Europäer darf die Mehrheit eines chinesischen Unternehmens besitzen (chin. Recht). Schon gar nicht eines chinesischen Hafens.
räbbi 29.03.2015
4.
Na so ein Glück, dass die USA ihre Linie treuer Vasallen von der Ostsee bei zum Golf von Aden inzwischen fast geschlossen haben. Seidenstraße...wäre ja noch schöner.
demokratiehierundheute 29.03.2015
5. Investitionen in China
Zitat von bazingabazingaChinesen kaufen griechische Unternehmen und einen wichtigen europäischen Hafen in Piräus. Fracht zu günstigen Konditionen nach Europa bringen. In die andere Richtung, nach China nicht möglich. Kein Europäer darf die Mehrheit eines chinesischen Unternehmens besitzen (chin. Recht). Schon gar nicht eines chinesischen Hafens.
Natürlich können europäische Firmen in China die Mehrheit eine Firma besitzen, in den meisten Fällen sind heute Firmen im Alleinbesitz ihrer europäischen Firmen, sogenannte WFOE (Wholy Foreign Owned Enterprises). Nur in einigen wenigen Branchen ist das (noch) nicht möglich. Ob es sinnvoll ist, einen Hafen zu privatisieren, ist natürlich eine andere Frage ...
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