Währungskrieg Hedgefonds rüsten zum Angriff auf den Yuan

Chinas Wirtschaft steckt in der Krise, Spekulanten wittern ihre Chance: Große Hedgefonds beginnen offenbar damit, im großen Stil gegen den Yuan zu wetten. Doch die Volksrepublik wehrt sich.

Fang die 100-Yuan-Note: Hedgefonds wollen den Yuan kleinkriegen
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Fang die 100-Yuan-Note: Hedgefonds wollen den Yuan kleinkriegen


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Kyle Bass muss sich ziemlich sicher sein: Sein Hedgefonds Hayman Capital Management habe den größten Teil seiner Investments aufgelöst, schreibt das "Wall Street Journal".

Aktienpakete, Rohstoffe, Rentenpapiere - alles habe der US-Fondsmanager verkauft, um eine gigantische Wette einzugehen. Rund 85 Prozent des gesamten Hedgefonds-Kapitals sind der Zeitung zufolge jetzt in Geschäfte investiert, die auf eine Abwertung der chinesischen Währung Yuan und des Hongkong-Dollars setzen - so genannte Short-Positionen.

Bass hat sich vor Jahren mit Wetten gegen den US-Immobilienmarkt einen Namen gemacht - und verdiente damals geschätzte 500 Millionen Dollar. Jetzt glaubt der Hedgefondsmanager aus Texas, dass der Yuan bis in den kommenden drei Jahren um bis zu 40 Prozent fallen wird: "Wenn wir über das Ausmaß sprechen wollen", zitiert die Zeitung Bass, "dann ist dies viel größer als die US-Subprime-Krise."

Offenbar sehen das eine ganze Reihe kapitalstarker Hedgefonds genauso. Dem Bericht zufolge besitzt auch Greenlight Capital, die 2008 erfolgreich auf den Absturz der US-Bank Lehman Brothers gewettet hatte, Short-Optionen, die sich bei einer Schwäche der chinesischen Währung auszahlen. Auch die milliardenschweren Fondsmanager Stanley Druckenmiller und David Tepper haben sich offenbar mit ihrem Privatkapital gegen den Yuan positioniert.

Hedgefonds-Manager Kyle Bass: Wetten auf eine Yuan-Abwertung
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Hedgefonds-Manager Kyle Bass: Wetten auf eine Yuan-Abwertung

Finanzinvestor George Soros attackiert China

Die Wetten sind so nachvollziehbar wie riskant. Der Yuan steht tatsächlich unter Druck: Die chinesische Wirtschaft wächst so langsam wie seit einem Vierteljahrhundert nicht mehr, die Kurse an den Börsen der Volkswirtschaft fahren Achterbahn und das Kapital fließt immer schneller ins Ausland ab. Hayman Capital begann seine Short-Positionen im vergangenen Jahr aufzubauen, nachdem der Hedgefonds das chinesische Bankensystem analysiert und die schnell steigende Verschuldung als Gefahr erkannte. Die chinesische Zentralbank werde die Banken des Landes bald mit vielen Milliarden rekapitalisieren müssen, so die Einschätzung.

Währungsspekulant Soros (Archivbild): "Eine harte Landung ist unausweichlich"
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Währungsspekulant Soros (Archivbild): "Eine harte Landung ist unausweichlich"

Neben den besorgniserregenden Daten dürften aber auch die Aussagen des legendären Investors George Soros für die Anti-Yuan-Stimmung gesorgt haben. Im September 1992 hatte der heute 85-Jährige gegen das britische Pfund gewettet - und mit seinem riskanten Spiel trotz heftiger Gegenwehr der englischen Notenbank ungefähr eine Milliarde Dollar verdient. Jetzt attackiert er China.

Wie schlecht Soros derzeit über die chinesische Wirtschaft spricht, ließ sich kürzlich beim Weltwirtschaftsforum in Davos beobachten. Dort empfing Soros zum Abendessen, um die Lage der Welt in düsteren Farben zu malen. Bei der Weltfinanzkrise 2008 seien die Subprime-Immobilienkredite der Ausgangspunkt gewesen, sagte Soros. "Diesmal ist China die Ursache." Die Unternehmen des Landes seien überschuldet, die Wirtschaft stecke in einer Deflation - also einer Spirale fallender Löhne und Preise - und China exportiere diese Probleme in die ganze Welt. "Das hier ist ernst", orakelte Soros. "Eine harte Landung ist unausweichlich."

Kommt die selbsterfüllende Prophezeiung?

Allerdings gibt es einen wesentlichen Unterschied zu Soros' Wette gegen das Pfund vor einem Vierteljahrhundert: Der Gegner ist stark und entschlossen. In der vergangenen Woche warnte das kommunistische Parteiblatt "Renmin Ribao" den Investor vor einem Krieg gegen den Yuan. Die Überschrift: "Kriegserklärung gegen die chinesische Währung? Ha, ha!"

Die chinesische Zentralbank verfügt über Devisenreserven von rund 3300 Milliarden Dollar - und sie dürfte sie einsetzen. Stößt sie Teile davon ab, schwächt das den Dollar und stärkt die heimische Währung. Allerdings hat sie dies bereits getan: In den vergangenen anderthalb Jahren sind die Reserven bereits um rund 700 Milliarden Dollar geschrumpft - und die Hedgefonds haben noch mehr Wetten gegen den Yuan abgeschlossen.

Vielleicht ist es eine Art Soros-Effekt, der die chinesische Regierung unter Druck setzt. Folgen nur genügend Finanzinvestoren dem legendären Investor, könnte das den Yuan zusätzlich unter Druck setzen - eine selbsterfüllende Prophezeiung.


Zusammengefasst: Chinas Wirtschaftsprobleme ziehen Spekulanten an. US-Hedgefonds wetten auf eine Abwertung der chinesischen Währung Yuan - vermutlich auch, weil Starinvestor George Soros vorangeht. Allerdings hat die chinesische Zentralbank derzeit noch ausreichend Devisenreserven für Stützungskäufe.

nck

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Seite 1
oidahund 01.02.2016
1.
Hedgesfonds brauchen viel Geld für so eine Aktion und zu dem psychologische Unterstützung. Mit China wurde ein sehr kapitalstarker Gegner ausgesucht. Um so mehr über Sorros und seine Kumpane berichtet wird, um so mehr Kapital stellt sich auf seine Seite um noch schnell etwas mitzunehmen. Damit verringert sich das Risiko für die Angreifer und gleichzeitig wird China relativ geschwächt. Durch die jetztige Berichterstattung haben Sorros und Co schon gewonnen. Die Deals wurden alle eingegangen bevor sie ihre Meinung herausposaunten. Also dürften Sorros etc. mit ihren Shortpositionen schon im plus sein. Sie können im Hintergrund, wenn sie wollen leise aussteigen und ihre Positionen schließen. Gewinn haben sie gemacht - und die letztendlich Dummen wären die die jetzt auf den Zug aufspringen. Wer glaubt, dass in dem Geschäft nicht mt unlauteren Mittel gespielt wird, der hat es nicht verstanden. Für mich sind solche Leute genau die Auswüchse, die ein an und für sich gutes System ad absurdum führen.
ackergold 01.02.2016
2.
Es handelt sich um kindisches Zahlengerangel alter Herren, mehr nicht. Auswirkungen auf die Menschheit wird es keine haben.
bronstin 01.02.2016
3.
Es bleibt abzuwarten, ob das staatskapitalistische chinesische Sytem wirklich gegen die Macht der Hedgefonds ankommen kann - ich habe so meine Zweifel. Möglicherweise müssen sie nichte alle Währungsreserven anzwacken, aber ob es klug ist, dagegen zuhalten? Hier rächen sich halt die verschleppten Systemreformen... und damit ist jetzt nicht Demokratie sondern sind vielmehr die kleinen und großen Kaiser der Provinzen gemeint. Ein zentralistisches System bei der Größe (wir reden nicht von Singapur) ist und bleibt einfach ineffizient - zumal es Privatinnitiative per ser schon unterdrücken muss, weil die vielleicht sonst auch mitpartizipieren wollen...
gestiefelterkater33 01.02.2016
4. So ist das
Ich sehe da sgenauso. Und wenn dann noch die Flüchtlingskrise mit betrachte wird, dann ist das ein global exorbitantes AUsmaß und Unzulänglichkeiten, die nur durch die falsche betriebene Spekualtionsblase der Bundesregierung hierüber bereinigt werden kann.
t dog 01.02.2016
5. Interessant
Ein Währungskrieg der Wall Street gegen die Volksrepublik. Diese Wetten sind ethisch nicht korrekt und sollten verboten werden. China könnte ein solches Verbot schnell mit Hilfe der US Regierung durchsetzen. China müsste nur den Geldverleih an die USA so lange aussetzen, bis diese die destruktiven Wetten verboten haben. China ist der größte Geldgeber für die US Staatskasse. Daraus resultiert eine direkte Abhängigkeit. Ich schätze, das diese Finanzgurus noch im Jahr 2016 ihren kompletten Wetteinsatz verlieren werden und der Yuan dadurch sogar noch gestärkt werden wird. Die Chinesen sind doch nicht auf den Kopf gefallen.
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