Jamón Ibérico Spanier befürchten höhere Schinken-Kosten

In China steigt die Nachfrage nach Ibérico-Schinken. So sehr, dass im Ursprungsland Spanien nun vor Engpässen und gestiegenen Preisen gewarnt wird.

Iberischer Schinken (Archivbild)
AFP

Iberischer Schinken (Archivbild)


Noch vor einem Jahrzehnt sei es eine extrem frustrierende Angelegenheit gewesen, in China auf die Suche nach Jamón Ibérico zu gehen: Der Schinken aus Spanien gilt als Delikatesse, und war in der Volksrepublik nicht zuletzt wegen Importregulierungen lange nicht zu bekommen, so berichtet es die spanische Tageszeitung "El País". Doch die Zeiten haben sich geändert - und die Nachfrage nach dem Schinken ist in China zunehmend gestiegen. So sehr, dass in Spanien nun vor Engpässen und deutlichen Preiserhöhungen gewarnt wird.

Der Ibérico-Schinken habe in China inzwischen seinen "angestammten Platz im Markt gefunden, neben Kaviar und Trüffel", zitiert die Zeitung den Export-Chef des spanischen Unternehmens Cinco Jotas, René Lemée, das als eines der ersten mit dem Schinken-Export nach China begonnen habe. Als beste Variante - und bei Chinesen besonders beliebt - gilt der sogenannte Jamón Ibérico de Bellota, der iberische Eichelschinken: Er stammt von freilaufenden, iberischen Schweinen, die in den letzten Monaten ihres Lebens eine strenge Diät befolgen, sie fressen dann vor allem Früchte der Steineiche (mehr dazu lesen Sie hier).

Iberische Schweine bei Salamanca
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Iberische Schweine bei Salamanca

Nach der Schlachtung müssen die Keulen monatelang reifen. Die Herstellung dieses luftgetrockneten Schinkens ist aufwendig - und damit teuer. "Die Preise in Spanien werden definitiv steigen", sagte Roberto Batres gegenüber "El País". Er ist Chef des Unternehmens Shanghái de Delaiberia Gold, das Schinken, Wein und Olivenöl nach China exportiert. "Die Firmen, die mit China handeln, haben nicht genug Jamón Ibérico de Bellota, um die chinesische Nachfrage zu bedienen."

Laut Batres gibt es in China bereits eine Schule, in der Teilnehmern beigebracht wird, wie der Schinken richtig zu schneiden ist (in Spanien eine Kunst für sich). Zudem gebe es einen professionellen Verband. "Das sind Zeichen dafür, wie sehr das Produkt bereits in den heimischen Markt vorgedrungen ist."

Laut "Guardian" könnte der Preis für den Ibérico-Schinken nun um bis zu zehn Prozent steigen. Eine 7,5-Kilo-Keule kostet demnach aktuell zwischen 150 und 600 Euro.

Zwei chinesische Unternehmen haben laut "El País" bereits damit begonnen, rohes, tiefgefrorenes iberisches Schweinefleisch zu importieren und es im Land selbst zu pökeln. Dieser Ibérico-Schinken sei allerdings "extrem salzig", zitiert die Zeitung Batres.

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hoppelkaktus 27.11.2017
1. Das lässt gute Ideen zu!
Na, das ist doch mal eine gute Nachricht, auch für den Exportgladiator Deutschland! Sollten die Verkaufszahlen für motorisierte deutsche Vehikel in China demnächst einbrechen, nämlich wegen der mangelnden Innovationsfähigkeit unserer autobauenden Industrie in Sachen E-Antrieb, dann könnten wir die zu erwartende schwere Delle in unserer Außenhandelsbilanz immerhin ein wenig ausbügeln, indem wir reichlich köstlichen Schwarzwälder Schinken feinster Güte nach China liefern. Wenn diese Leute im Reich der Mitte inzwischen so vernarrt sind in das Zeug, dass die Spanier deshalb in Engpässe geraten - da müssten wir doch blöde sein, so eine unerwartete neue Exportchance einfach liegen zu lassen. Und je Tonne ausgeliefertem Schinken sollte der deutsche Verkäufer, als freundliches Dankeschön, eine gratis Schwarzwälder Kuckucksuhr drauflegen. Und ich prophezeie: China wird uns mehr denn je lieben.
Beijinger 27.11.2017
2. Interessant und dazu meine Feststellung
nach nunmehr 22 jahren in China lebend. Chinesen moegen auf der einen Seite grundsaetzlich keine salzigen Speisen und der spanische Schinken ist naturbedingt eben mehr oder weniger salzig. Aber was ihn in China so begehrt macht, ist der Preis und das knappe Angebot. Aehnlich wie teure Weine, ich erlebe immer noch, dass Chinesen der extrem teure Rotwein zu bitter schmeckt und sie ihn dahr mit Sprite (Xuebi) oder Eiswuerfeln "strecken". Oder teuerster Hennessy XO Cognac & Whiskey wird mit Cola verduennt und ab geht's mit vielen "gan bei". Da dreht sich mir jedes Mal der Magen um. Aber auch hier ist der Preis und die Herkunft (moeglichst aus Frankreich) der Massstab, um seine Freunde zu beeindrucken. Und die Nachfrage bestimmt eben den Preis, und dass jetzt vermeintlich "clevere" Chinesen auf diesen Jambon-Nachfrage-Boom aufspringen und Tiefkuehlfleisch aus Spanien importieren, um den Schinken selbst zu poekeln, na ja, laeuft nach dem Motto hier: "There is no copyright in China, there is the right to copy".
widower+2 27.11.2017
3. Schade!
Ich wollte mir eigentlich wieder einen kaufen. Wie fast jedes Jahr. Vielleicht kommt die Warnung ja noch rechtzeitig und ich bekomme noch einen für einen vernünftigen Preis. Für mich ist der Jamóm Ibérico de Bellota das Beste, was ich je gegessen habe. Eine absolute Delikatesse!
Hamberliner 27.11.2017
4. Re: Das lässt gute Ideen zu!
Zitat von hoppelkaktusNa, das ist doch mal eine gute Nachricht, auch für den Exportgladiator Deutschland! Sollten die Verkaufszahlen für motorisierte deutsche Vehikel in China demnächst einbrechen, nämlich wegen der mangelnden Innovationsfähigkeit unserer autobauenden Industrie in Sachen E-Antrieb, dann könnten wir die zu erwartende schwere Delle in unserer Außenhandelsbilanz immerhin ein wenig ausbügeln, indem wir reichlich köstlichen Schwarzwälder Schinken feinster Güte nach China liefern. Wenn diese Leute im Reich der Mitte inzwischen so vernarrt sind in das Zeug, dass die Spanier deshalb in Engpässe geraten - da müssten wir doch blöde sein, so eine unerwartete neue Exportchance einfach liegen zu lassen. Und je Tonne ausgeliefertem Schinken sollte der deutsche Verkäufer, als freundliches Dankeschön, eine gratis Schwarzwälder Kuckucksuhr drauflegen. Und ich prophezeie: China wird uns mehr denn je lieben.
Aua! Jabugo liegt nicht im Schwarzwald. Die Rede ist hier nicht von irgendwelchem drittklassigen Schinken, sondern eben Jamón Ibérico. Dazwischen liegen Welten. Man kann natürlich spekulieren, dass chinesische Gaumen völlig merkbefreit sind, und denen irgendwas als Jamón Ibérico unterjubeln. Das wär aber illegal, Spanien würde dagegen klagen. Ausweg: man schreibt das Plagiat falsch, etwa "Janom Iperigo" oder so. Nach Horror-Erlebnissen mit Chinesen in der katalanischen Gastronomie - Bocadillo aus amerikanischem Schaumgummi wie Hamburger, in der Mikrowelle erhitzt - glaube ich nicht, dass Chinesen den Schwindel bemerken würden. Hoffentlich passiert dasselbe nicht mit dem weltbesten Olivenöl aus dem Penedès.
widower+2 27.11.2017
5. @hoppelkaktus
Wenn Sie Jamón Ibérico durch Schwarzwälder Schinken ersetzen möchten, könnten Sie auch gleich versuchen, den chinesischen Markt für Luxuslimousinen mit Bobbycars zu erobern.
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