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China: Tausende Kohlekumpel protestieren wegen ausbleibender Löhne

Seit Monaten haben sie keinen Lohn bekommen, nun gehen Tausende Kohlearbeiter im Norden Chinas auf die Straße. Besonders erzürnt die Kumpel ein Gouverneur, der die Lohnschuld schlicht leugnete.

Longmay-Kohlemine in chinesischer Provinz Heilongjiang (Oktober 2015) Zur Großansicht
REUTERS

Longmay-Kohlemine in chinesischer Provinz Heilongjiang (Oktober 2015)

Sie tragen Schilder mit der Aufschrift "Wir wollen leben, wir wollen essen": Im Norden Chinas sind seit dem Wochenende Tausende Bergarbeiter auf die Straße gegangen, um gegen das staatliche Kohleunternehmen Longmay zu protestieren, das ihnen mehrere Monate Lohn schuldet. Überdies sind die Löhne von 1000 auf 800 Yuan (umgerechnet 123 Dollar) im Monat gesenkt worden.

Dutzende Polizeiwagen säumen die Straßen der Stadt Shuangyashan in der Provinz Heilongjiang, Demonstranten beschweren sich über Gewalt seitens der Behörden, wie Videoaufnahmen der Proteste zeigen. Ein Augenzeuge sagte, der Verkehr im Zentrum von Shuangyashan sei zum Erliegen gekommen. "Einige Menschen wurden verletzt."

Auch am Montag setzten die Arbeiter die Proteste den Videoaufnahmen zufolge fort. "Meine Familie hat nichts mehr zu essen", ruft eine ältere Frau einem Mann zu, der offensichtlich ein Regierungsbeamter ist. "Wie sollen wir überleben?" Konkreter Anlass für die Proteste waren laut Augenzeugen die Aussagen des Provinzgouverneurs Lu Hao. Der soll schlicht bestritten haben, dass die Löhne ausgeblieben seien.

Strukturproblem Chinas

Auf der Website der Provinzregierung hieß es aber am Samstag im Gegensatz zu den kolportierten Aussagen des Gouverneurs, die Bezahlung der Beschäftigten habe sich verzögert. Grund seien "über Jahre angehäufte Probleme". Daher hätten "nicht wenige Arbeiter Schwierigkeiten".

Demnach ist die desolate Finanzlage von Longmay Folge von Missmanagement. Die Firma beschäftige "dreimal so viele Arbeitskräfte wie im nationalen Durchschnitt für die Produktion von 10.000 Tonnen Kohle". Ergebnis seien hohe Verluste, heißt es auf der Website der Provinzregierung. Die Firma bemühe sich "tatkräftig" um Reformen. Ende vergangenen Jahres waren 21 Bergleute von Longmay beim Brand in einer Mine getötet worden.

Die Proteste der Kohlekumpel sind aber nicht nur ein regionales Problem oder allein auf Missmanagement zurückzuführen - sondern Ausdruck eines enormen Strukturproblems der Volkswirtschaft: Chinas Kohleindustrie produziert viel zu viel, ebenso die Stahlindustrie. Ende Februar hatte die Regierung wegen der enormen Überkapazitäten die Streichung von insgesamt 1,8 Millionen Arbeitsplätzen in der Kohle- und Stahlindustrie angekündigt. Weil das Wirtschaftswachstum der Volksrepublik sich abgeschwächt hat, sinkt der Kohleverbrauch. Nach offiziellen Angaben ging er 2014 um 2,9 Prozent zurück und 2015 um 3,7 Prozent.

fdi/AFP

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