Müllers Memo Zwischen Amerika und China droht der große Dollar-Streit 

Es ist der Stoff, aus dem der nächste große Finanzkrach sein könnte: Die US-Notenbank strafft ihren Kurs - und vernichtet damit gigantische Vermögenswerte weltweit. Beim amerikanisch-chinesischen Regierungstreffen liegt Streit in der Luft.

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US-Dollar und chinesischer Yuan: Amerika macht sich daran, seine Schulden abzuwerten
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US-Dollar und chinesischer Yuan: Amerika macht sich daran, seine Schulden abzuwerten


Peking war nicht amüsiert. Man könne sich nicht mehr sicher sein, dass die USA auch künftig zahlungsfähig blieben, urteilte die regierungsnahe Rating-Agentur Dadong. Schlussfolgerung: Amerika werde herabgestuft - auf die Note A-. Damit stehen die USA auf einer Stufe mit Südafrika und Panama. Ein vernichtendes Urteil für die größte Volkswirtschaft der Welt und deren immer noch global dominierende Währung, den Dollar.

Das war vorigen Herbst. Diese Woche treffen sich ab Mittwoch die US-Minister John Kerry (Außen) und Jacob Lew (Finanzen) in Peking mit ihren chinesischen Amtskollegen zum "strategischen Wirtschaftsdialog". Seit 2009 finden diese Treffen jährlich statt. Dieses Mal liegt Streit in der Luft.

Worum es geht? 1,4 Billionen Dollar haben China und Hongkong der US-Regierung geliehen, wie Statistiken des Washingtoner Finanzministeriums zeigen. Damit ist China der größte internationale Gläubiger der USA. Ein Drittel der gigantischen Pekinger Währungsreserven sind in US-Staatsanleihen angelegt. Ein Riesenhaufen Geld, dessen Werthaltigkeit in Zweifel steht.

Sechs Billionen Dollar sind reif für die Abschreibung

Denn Amerika macht sich daran, seine Schulden abzuwerten. Das geschieht nicht etwa durch einen Schuldenschnitt oder den einseitigen Stopp von Zinszahlungen, wie die Rating-Agentur Dadong befürchtet hatte, sondern durch die amerikanische Notenbank Fed. In den vergangenen Jahren hat die Fed mit ihren Sonderprogrammen ("Quantitative Easing") die Kurse für US-Staatsanleihen massiv in die Höhe getrieben. Nun legt sie den Rückwärtsgang ein ("Tapering"), was den gegenteiligen Effekt zeitigen dürfte: einen Kursverfall bei amerikanischen Anleihen.

Sagenhafte Summen sind damit reif für die Abschreibung: Insgesamt sechs Billionen Dollar hat sich die US-Bundesregierung bei anderen Ländern geliehen. Überwiegend politisch motivierte Kredite, getätigt von Notenbanken und Staatsfonds im Vertrauen auf die Solidität des Schuldners USA und des Dollars. Wenn Teile davon nun abgeschrieben werden müssen und viele Milliarden Dollar an Bewertungsverlusten entstehen, kann man das als unfreundlichen Akt ansehen. Darüber wird bei der Peking-Visite von Kerry und Lew zu sprechen sein.

Aber es steht noch viel mehr auf dem Spiel: die Stabilität der Weltwirtschaft und die Zukunft des Dollars als dominierende Weltwährung.

Peking ist längst dabei, sich vom Dollar zu emanzipieren

Als die US-Notenbank voriges Jahr ihren allmählichen Ausstieg aus dem Krisenmodus ankündigte, löste sie heftige Verwerfungen auf den Finanzmärkten der Schwellenländer aus. Die Aussicht auf höhere US-Zinsen begründete vielerorts eine Kapitalflucht, die nur mühsam zu stoppen war. Ein Vorgeschmack auf das, was im Herbst bevorsteht, wenn die Fed ihre Marktstützung einstellt. Womöglich wird die Straffung sogar rapider kommen als erwartet; das jedenfalls legen die guten Arbeitsmarktdaten nahe.

Inzwischen bemühen sich viele Notenbanken rund um den Globus, US-Staatsanleihen abzustoßen und ihre Reserven in andere Vermögenswerte umzuschichten, wie kürzlich eine Umfrage des Fachblatts "Central Banking" und der Bank HSBC ergab. Das heißt: Portfoliomanager werfen US-Anleihen auf den Markt und kaufen dafür andere Papiere, etwa Aktien.

Wenn die Fed ihr Quantitative-Easing-Programm beendet, könnten die Folgen deshalb dramatisch sein: weltweit steigende Zinsen, ein Crash der Anleihemärkte nach einer 30-jährigen Rally, und das in einer Zeit, da die Verschuldung in vielen Ländern sehr hoch ist. Es ist der Stoff, aus dem der nächste große Finanzkrach sein kann.

Die Stoßmich-Ziehdich der globalen Wirtschaft

China kommt in diesem Spiel eine Schlüsselrolle zu. Gut ein Jahrzehnt lang war das Land mit den USA in einer spannungsreichen Symbiose verbunden: "Chimerica" hat der Historiker Niall Ferguson das Zusammenwirken zwischen (dem produzierenden, geldverleihenden) China und (dem konsumierenden, schuldenmachenden) Amerika genannt. Eine Art Stoßmich-Ziehdich (frei nach Doktor Dolittle) der globalen Wirtschaft.

Seine nach wie vor überragende Bedeutung als Weltreservewährung hat der Dollar heute nicht zuletzt von Pekings Gnaden. Wenn China sich nun vom Dollar abwendet, könnte das die Weltfinanzströme massiv verschieben. Auffällig: Zwischen April 2013 und April 2014 blieb der Bestand an US-Anleihen quasi konstant, während Chinas Reserven kräftig stiegen. Man kann diese Zahlen so interpretieren, dass Peking längst dabei ist, sich vom Dollar zu emanzipieren. Was zu Bestrebungen passt, den Yuan als eigene Reservewährung neben Dollar und Euro zu etablieren.

Chimerica hat seine besten Zeiten längst hinter sich. Deutschland wiederum hat ein vitales Interesse daran, dass die globalen Rückwirkungen der - manchmal arg rücksichtslosen - amerikanischen Geld- und Finanzpolitik begrenzt bleiben. Angela Merkel, die ebenfalls am Montag in Peking Gespräche führt, wird auf gemessene Reaktionen drängen.

Die globale Finanzlage bleibt wackelig. Ein Land mit so großer Weltmarktorientierung wie Deutschland ist dabei besonders anfällig.

Die Wirtschaftstermine der Woche

MONTAG

PEKING - Xi und Li - Nach Premier Li trifft Angela Merkel auch Präsident Xi, unterzeichnet Verträge, hält Reden (bis Dienstag).

BRÜSSEL - Euro-Routine - Treffen der Finanzminister der Euro-Zone

WIESBADEN - Neue Zahlen - Deutsche Industrieproduktion im Mai

DIENSTAG

KARLSRUHE - Nachlässige Nachlässe - Vorm Bundesverfassungsgericht wird die Erbschaftsteuer verhandelt.

BONN - Der Markt und seine Feinde - Das Bundeskartellamt stellt seinen Jahresbericht vor.

PITTSBURGH - Gewinn-Saison - Der vom Deutschen Klaus Kleinfeld geführte Alcoa-Konzern stellt als erstes US-Unternehmen seine Quartalszahlen vor.

MITTWOCH

PEKING - Schlichtungen - Strategischer Wirtschaftsdialog zwischen China und den USA (bis Donnerstag) mit US-Außenminister Kerry und Finanzminister Lew

PEKING - Inflationstest - Chinas Statistiker veröffentlichen neue Zahlen zum Preisanstieg im Juni.

JAKARTA - Tiger a. D. - Präsidentenwahl in der Hoffnungsvolkswirtschaft Indonesien

HAMBURG - Schlussstrich? - Urteilsverkündung im Untreueprozess gegen ehemalige Vorstände der HSH Nordbank vor dem Hamburger Landgericht.

DONNERSTAG

LONDON - Führungsrolle? - Der Gouverneursrat der Bank of England tagt und berät, ob er voranpreschen und die Geldpolitik schneller straffen soll als die Fed.

PEKING - Konjunkturtest - China veröffentlicht Zahlen zum Außenhandel im Juni, ein wichtiger Indikator für die Weltwirtschaft.

FREITAG

FREIBURG/BREISGAU - Euro-Vision? - Bundesfinanzminister Schäuble redet über das Thema "Noch nicht über den Berg - Zur Krise in der Eurozone".

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insgesamt 133 Beiträge
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speedy 06.07.2014
1. Es ist soweit der Crash wird kommen!!!
Wenn ich China wäre würde ich den Dollar zum stürzen bringen.Die USA glauben immer noch sie wären die Weltherrschaftskrone und der Planet bittet nur noch um mitspielen zu dürfen.Seit 2007/2008 ist aber etwas passiert das durch die horenden Kriegskosten die Bush jun. seinem Volk aufgebürtet hat,im Namen der Lobbyisten von Waffen- und Rüstungsindustrie,eine Verschuldung in einer Höhe aufgelaufen die nicht mehr beherrschbar ist.Bezahlen werden es die Mittel- und Unterschicht in den USA und Europa und in Afrika,Asien und Südamerika mit hungertoten und Revolutionen.Tote werden den Globus nur so zupflastern.
kategorien 06.07.2014
2. Propaganda
Propaganda. Ich ahne die SPON-Kommentare. Vielleicht unternimmt Gysi eine weitere Reise... ;)
schwaebischehausfrau 06.07.2014
3. Das Wehklagen der
...tja so sind die Spekulanten (in letzter Zeit ja eher wohlwollend als "die Märkte" tituliert von Politikern, die ihre Politik ganz stark auch das Wohlwollen dieser "Märkte" ausrichten). Diese "Märkte" werden immer dreister und FORDERN von der Politik, dass sie die Massnhamen ergreift, die die Aktien- und Anleihenkurse weiter "aufbläst" bis zur nächsten Plage. Anstatt für das Wohl ihrer Bürger und Steuerzahler machen die Regierungen immer mehr Politik für "die Märkte". Und wenn dann die vorher künstlich nach oben gepushten Kurse um 20% abstürzen, dann wurde gleich "Vermögen vernichtet". Dabei sind die Kurse dann nur wieder auf dem gleichen Level wie 1 Jahr vorher. Und dass der vorherige drastische Kursanstieg vielleicht das eigentlich kritikwürdige (weil nicht durch substantielles Gewinn-Wachstum unterlegt) war, das interessiert niemanden. Als wäre es eine Katastrophe für die Menschheit, wenn der Dax in 2 Monaten wieder bei 8.000 Punkten wäre. Also exakt auf dem gleichen Level, wo er noch vor kurzer Zeit war...
mcvitus 06.07.2014
4. Wie von mir in diversen Foren auf Spon schon mehrmals geäußert:
Die Zeit eines globalen Schuldenschnitts rückt näher, anders ist das staatliche Finanzwirrwarr mit den unvorstellbaren Verschuldungen nicht mehr in den Griff zu bekommen. Das Jammern und Heulen wird groß sein, aber die Welt wird sich dennoch weiterdrehen!
Achmuth_I 06.07.2014
5. Wo ist das Problem?
Handelsbilanzüberschuß ist doch klasse. Prima ist auch dass diejenigen die abschreiben, froh sind, dass sie damit auch noch Arbeit gehabt haben.
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