Chinas Krise Exportweltmeister der schlechten Nachrichten

Chinas Börse bebt - und mit ihr der Rest der Welt. Warum stürzen die Kurse auch in Frankfurt ab, was sind die langfristigen Gefahren der Krise und lässt Peking jetzt einfach jeden Tag den Aktienhandel aussetzen? Die wichtigsten Fragen im Überblick.

Mann vor Kurstafeln in Taiwan: Sorge vor einem Währungskrieg
DPA

Mann vor Kurstafeln in Taiwan: Sorge vor einem Währungskrieg

Von


In China beginnt das neue Jahr erst am 8. Februar. Doch so mancher Funktionär und Wirtschaftsvertreter dürfte sich wünschen, schon jetzt ein neues Kapitel aufschlagen zu können. Denn seit Monaten verdichten sich die Anzeichen, dass das lange so erfolgsverwöhnte Land in eine ausgewachsene Krise rutscht. Der Exportweltmeister China scheint auch bei schlechten Wirtschaftsnachrichten die Führung zu übernehmen.

Schon zum zweiten Mal in dieser Woche wurde der Börsenhandel nach einem deutlichen Kurssturz vorzeitig beendet. Die Auswirkungen waren bis nach Frankfurt zu spüren, wo der Dax am Donnerstag zum Handelsstart unter die Marke von 10.000 Punkten fiel.

Was führte zum jüngsten Börsenbeben?

Auslöser war eine deutliche Abwertung der Landeswährung. Ein schwächerer Yuan nutzt der exportabhängigen Wirtschaft, weil ihre Waren fürs Ausland so günstiger werden. Doch für Investoren ist die Abwertung ein Zeichen, dass die chinesische Führung die wirtschaftlichen Probleme nicht auf anderem Wege in den Griff bekommt.

In der Vergangenheit hatte China unter anderem mit Konjunkturpaketen und einem staatlich beförderten Börsenboom versucht, die heimische Wirtschaft anzukurbeln. Doch alle Mühen änderten nichts daran, dass das über viele Jahre rekordverdächtige Wachstum schwächelt. Das zeigten zuletzt am Montag enttäuschende Zahlen aus der Industrie. Sie lösten jenen Kurssturz aus, wegen dem dann mithilfe einer neuen Regel der Börsenhandel gestoppt wurde.

Die chinesische Notenbank hatte anschließend versucht, die Märkte über den milliardenschweren Kauf von Wertpapieren zu stabilisieren. Doch das Arsenal der Zentralbanker wird knapper: Innerhalb eines Monats schrumpften ihre Währungsreserven laut neuen Zahlen um 108 Milliarden Dollar. Über das gesamte Vorjahr sanken sie sogar um eine halbe Billion auf jetzt noch 3,33 Billionen Dollar.

Warum sind auch Länder wie Deutschland betroffen?

Investoren brauchen Wachstum, sonst lohnt sich ihre Geldanlage nicht. Lange Zeit gab es für dieses Wachstum keinen besseren Garanten als die Chinesen. Egal, ob der Rest der Welt von der US-Finanzkrise oder der europäischen Schuldenkrise erschüttert wurde: China boomte immer weiter. Daran verdienten auch in Deutschland viele mit. Deutsche Maschinenbauer statteten die chinesische Industrie mit dem nötigen Gerät aus, deutsche Autohersteller lieferten der wachsenden Mittelschicht die passenden Statussymbole.

Nun ändert sich das. "Ein Markt, der lange durch starkes Wachstum und hohe Margen geprägt war, wird zu einem normalen Markt mit geringem und volatilem Wachstum sowie stark sinkenden Margen", schreibt etwa die Unternehmensberatung JSC Automotive in einer Analyse der chinesischen Autobranche.

Angesichts solcher Prognosen fürchten viele Unternehmen um ihre Gewinne. Deutsche Autokonzerne wie BMW Chart zeigen, Daimler Chart zeigen und Volkswagen Chart zeigen gehörten deshalb am Donnerstag zu den größten Verlierern im Dax Chart zeigen. Verstärkt wird die Nervosität an den weltweiten Märkten noch durch andere Faktoren wie den angeblichen Wasserstoffbombentest in Nordkorea oder den anhaltenden Verfall des Ölpreises.

Was sind die langfristigen Gefahren?

Eigentlich strebt die chinesische Führung einen Umbau ihres Wirtschaftsmodells an: Statt von der Industrie soll das Wachstum zunehmend durch Dienstleistungen angetrieben werden. Außerdem sollen die Chinesen selbst mehr konsumieren, statt vor allem Waren für den Rest der Welt zu produzieren.

Doch damit dieser Wandel gelingt, müssen die Funktionäre in Peking einen Teil ihrer immer noch sehr umfangreichen Macht aufgeben und die Märkte weiter liberalisieren. Zuletzt wurden Anleger stattdessen mit immer neuen Vorschriften verunsichert.

Einige Beispiele: Nachdem es bereits im Sommer 2015 zu schweren Börsenschwankungen gekommen war, wurden Hunderte Aktien vom Handel ausgesetzt, dazu wurde institutionellen Anlegern für sechs Monate der Verkauf von Papieren untersagt. Diese Frist sollte am kommenden Montag enden - nun könnte sie Gerüchten zufolge aber verlängert werden.

Sollte China mit den internen Reformen nicht vorankommen, dürfte es umso mehr auf seine traditionelle Stärke setzen: die Exporte. Analysten befürchten, die jüngste Abwertung des Yuan könnte der Auftakt zu einem Währungskrieg sein, mit dem sich China einen Vorteil gegenüber anderen Exportländern verschaffen will. Denn der Yuan ist nicht nur gegenüber dem Dollar gefallen, sondern auch gegenüber dem japanischen Yen Chart zeigen und dem Euro Chart zeigen.

Wird der Börsenhandel jetzt ständig unterbrochen?

Nein. Der Stoppmechanismus bei Börsenschwankungen wurde zwar erst Anfang der Woche eingeführt und bereits zweimal ausgelöst. Doch nach dem erneuten Beben am Donnerstag hat die chinesische Regierung ihn vorerst ausgesetzt. Ein Eingeständnis, dass die Regulierung nicht funktioniert hat.

Aus Sicht von Experten war die Schwelle für die Börsennotbremse vielleicht zu niedrig: Schwankte der Leitindex CSI 300 um fünf Prozent, mussten die Aktienhändler eine Viertelstunde pausieren. Betrug die Schwankung mehr als sieben Prozent, wurde der Handel für den Rest des Tages beendet. An der New York Stock Exchange kommt es in den meisten Fällen erst ab einer Schwankung von sieben Prozent zur viertelstündigen Unterbrechung und ab 20 Prozent zum kompletten Stopp.

Mit Material von Reuters und dpa

Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 24 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
sabrina1111 07.01.2016
1. China: Hype, Enttäuschung, Hype, Entäuschung, Hype...
Genau genommen, ist das ein selbstgemachter Absturz im Westen nach einem ebenso selbstgemachten Hype! China ist auch längst mehr als ein Schwellenland und da sind auch 5-6 Prozent eine feine Sache, wie doch alle Länder in Europa wissen sollten? Ich denke, es wird auch in 2016 gute Zahlen aus China geben - hoffentlich ohne weiteren Hype. Sieh auch: http://interculturecapital.de/china-prognosen-2016-turbulenzen-wachstumsziele-und-hoffnung
observer2014 07.01.2016
2. Des Pudels Kern
Ziat aus Artikel: " Eigentlich strebt die chinesische Führung einen Umbau ihres Wirtschaftsmodells an: Statt von der Industrie soll das Wachstum zunehmend durch Dienstleistungen angetrieben werden. Außerdem sollen die Chinesen selbst mehr konsumieren, statt vor allem Waren für den Rest der Welt zu produzieren." Ich würde mir wünschen, die deutsche Regierung würde das ebenso für Deutschland anstreben. Die Exportabnhängikeit der deutschen Wirtschaft fliegt den Deutschen bald um die Ohren. Dann ist der gewollte millionenfache Import von schlecht (ausge)gebildeten Arbeitskräften aus Syrien und den osteuropäischen Staaten der Tropfen, der das Fass endgültig zum Überlaufen bringt.
zursachet 07.01.2016
3. Klasse! Eine Welt aus Dienstleister..
Ich back Dir ein Brötchen, du reparierst mein Auto. Niemand produziert mehr.
DeutscherimAusland 07.01.2016
4. Nur mal als kleine Anmerkung,...
der Artikel mag ja korrekt sein, ABER der Untertitel unter Foto??? Noch ist Taiwan ein eigenstaendiger Staat und nicht durch China annektiert, also, wo ist der Zusammenhang??? Vielleicht sollte auch mal an den "Bildungs-Auftrag" gedacht werden, oder einfach nur "Asien" kompetente Volontaere die Artikel zusammenstellen! Das ist so wie "innere Mongolei" und "Mongolei", das erste ist China, das zweite ein souveraener Staat an der Grenze zu China!!!
parsimony 07.01.2016
5. @DeutscherimAusland
Die Bildunterschrift: "Mann vor Kurstafeln in Taiwan: Sorge vor einem Währungskrieg", ergibt für mich auch Sinn, wenn man Taiwan nicht als Teil von China denkt. Sorge vor einem Währungskrieg mit China halt.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2016
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.