Börsensturz in China Der Partei entgleitet der Kapitalismus

An Chinas Börsen stürzen die Kurse so stark ab wie seit Jahren nicht. Warum bekommt die sonst so starke Führung in Peking die Lage nicht in den Griff? Und wird der Absturz Deutschland treffen? Der Überblick.

Von manager-magazin.de-Redakteur Christoph Rottwilm


Was ist an Chinas Börsen passiert?

Abwärts: In China sind die Aktienkurse erneut massiv eingebrochen
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Abwärts: In China sind die Aktienkurse erneut massiv eingebrochen

Am Montag verzeichnete der chinesische Aktienmarkt das größte Tagesminus seit Februar 2007. Die Kurse an den Handelsplätzen in Shanghai und Shenzhen brachen jeweils um mehr als acht Prozent ein. Der auch für westliche Investoren leicht zugängliche Aktienmarkt in Hongkong hielt sich mit einem Minus von etwas mehr als drei Prozent noch vergleichsweise gut.

Hintergrund ist die Börsenentwicklung der vergangenen Monate. Im vergangenen Sommer hatten die chinesischen Festlandbörsen Shanghai und Shenzhen zu einer Rally angesetzt. Bis Mitte dieses Jahres ging es um etwa 150 Prozent aufwärts. Dann kam der von vielen bereits befürchtete Einbruch: Im Juni rutschten die Kurse binnen kurzer Zeit um mehr als 30 Prozent ins Minus. Chinas Aktienmarkt verlor dadurch in wenigen Tagen bis zu vier Billionen Dollar an Wert.

Die chinesische Regierung reagierte auf den Ausverkauf mit massiven Eingriffen und Stützungsmaßnahmen. So wurden Handelsverbote für Aktien ausgesprochen, die Liquidität im Handel erhöht und Konjunkturspritzen beschlossen.

Auf diese Weise gelang es, den Kursrutsch zunächst zu stoppen. In den vergangenen Tagen hatten die Aktien in Shanghai um 16 Prozent zugelegt - bis Montag der Ausverkauf erneut einsetzte.

Was sind die Gründe für den jüngsten Kursrutsch?

Schlechte Aussichten: Anleger befürchten, dass sich Chinas Wachstum weiter abschwächt
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Schlechte Aussichten: Anleger befürchten, dass sich Chinas Wachstum weiter abschwächt

Als unmittelbarer Auslöser für den Kurseinbruch gilt die zunehmende Sorge unter Investoren, die chinesische Wirtschaft könnte weiter an Schwung verlieren. Ohnehin lässt Chinas Wachstum seit einiger Zeit nach. Am Montag wurde dann bekannt, dass die Gewinne von Industrieunternehmen in der Volksrepublik im Juni leicht zurückgegangen sind. Zuvor hatte ein Index bereits angezeigt, dass Chinas Industrie zuletzt so stark geschrumpft ist wie lange nicht mehr.

Eine weitere Belastung ist Experten zufolge die kommende Zinserhöhung in den USA. Angesichts der guten Konjunkturerholung dort dürfte die Notenbank Fed die Zinsen in nächster Zeit erstmals seit Langem heraufsetzen. Das macht Investments im Dollar-Raum attraktiver - und sorgt für Geldabflüsse unter anderem an den Börsen Chinas.

Davon abgesehen hatten Beobachter von vornherein bezweifelt, dass es der Regierung in Peking gelingen könnte, die überhitzten Aktienmärkte in Shanghai und Shenzhen auf Dauer vor der erforderlichen Bereinigung zu bewahren. Durch die staatlichen Eingriffe, so die Meinung vieler, lassen sich Aktienverkäufe auf lange Sicht kaum stoppen.

Viele Investoren befürchten, Peking könnte die Stützungsmaßnahmen allmählich zurückfahren. Deshalb versuchen sie, lieber früher als später aus dem Markt auszusteigen. Dabei spielt offenbar auch eine Rolle, dass der Internationale Währungsfonds (IWF) die chinesische Regierung gedrängt haben soll, ihre Marktbeeinflussung zu beenden, wie die Nachrichtenagentur Bloomberg berichtet.

Warum bekommt Peking die Börse nicht in den Griff?

Chinesischer Präsident Xi Jinping: Massive Eingriffe in den Aktienmarkt
AP

Chinesischer Präsident Xi Jinping: Massive Eingriffe in den Aktienmarkt

Als die Kurse im Juni das erste Mal massiv einbrachen, stemmte sich die Regierung in Peking mit zahlreichen Maßnahmen dagegen. Die Führung will offenbar um jeden Preis verhindern, dass der Traum vieler Landsleute vom Reichtum durch das Aktiengeschäft platzt. Vor allem aber geht es den Funktionären um die eigene Glaubwürdigkeit: Sollten sich die Wirtschaft oder die Märkte erstmals in eine Richtung entwickeln, die von Peking nicht gewollt ist?

Das Problem ist jedoch, dass es sich beim Aktienmarkt um das Herzstück des Kapitalismus handelt. Dort müssen die Kräfte des Marktes aus Angebot und Nachfrage so frei wie möglich wirken. Nur so ist gewährleistet, dass die Bewertungen der Unternehmen an der Börse auf lange Sicht am ehesten den tatsächlichen Werten entsprechen. Weil sich Firmen an der Börse mit Kapital versorgen, ist das eine wichtige Voraussetzung für eine funktionierende Wirtschaft.

Schon häufig ist es am Aktienmarkt zu Übertreibungen gekommen. Spekulationsblasen, die dabei entstehen, platzen irgendwann und die Kurse kommen auf ein realistisches Niveau zurück. Solange die Kurse dieses realistische Niveau nicht erreicht haben, bleibt Verkaufsdruck bestehen. Und dieser Verkaufsdruck lässt sich durch Regulierung und staatliche Eingriffe nicht auflösen. Deshalb lassen sich die Kursverluste auf Dauer nur verzögern, aber nicht verhindern.

Wen treffen die Verluste in China?

Leidtragende: Chinesische Privatleute beim Aktieninvestment
REUTERS

Leidtragende: Chinesische Privatleute beim Aktieninvestment

Die Verluste gehen zum Großteil auf das Konto chinesischer Privatleute. Vom Taxifahrer bis zum Bankangestellten hatten die Chinesen in den vergangenen Monaten den Aktienmarkt als Anlagemöglichkeit und Spielfeld für teils riskante Investments entdeckt, Kredithebel oft inklusive.

Allerdings machen sich die Turbulenzen in China auch an den Börsen in Europa und den USA bemerkbar. In Europa etwa eröffneten die Märkte mit Blick nach Fernost am Montag ebenfalls im Minus. Die Anleger wissen: In der globalisierten Welt ist China inzwischen ein wichtiger Player. Ruckelt es am dortigen Aktienmarkt und schwächelt die chinesische Wirtschaft, so hat das weltweit Auswirkungen.

Was droht der deutschen Wirtschaft und dem Rest der Welt?

Audi-Montage in China: Volkswagen drohen Milliardeneinbußen
DPA

Audi-Montage in China: Volkswagen drohen Milliardeneinbußen

Nach seinem rasanten Aufstieg der vergangenen Jahre konkurriert China bereits heute mit den USA um den Rang als weltgrößte Volkswirtschaft. Das Land ist nicht nur günstiger Produktionsstandort, sondern gilt zahlreichen Branchen und Unternehmen ebenso bereits als wichtiger Absatzmarkt - auch aus Deutschland. Hiesige Autohersteller beispielsweise verkaufen bereits einen Großteil ihrer Jahresproduktion in der Volksrepublik.

Entsprechend empfindlich kann eine Eintrübung der Konjunktur Chinas auch die deutsche Wirtschaft sowie jene anderer Länder treffen. Die Verkettung mit dem Aktienmarkt könnte beispielsweise so aussehen: Angesichts der Kursverluste sinkt das Vermögen vieler Chinesen, die sich daher womöglich beim Konsum einschränken. Das wiederum schlüge direkt auf die Verkaufszahlen von Firmen wie Volkswagen, Daimleroder BMW durch.

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insgesamt 127 Beiträge
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Seite 1
Septic 27.07.2015
1. Panikmache
8% ist viel aber sowas gabs beim DAX auch schon. Kein Grund solche reisserischen Überschriften zu verfassen. Oder ist Deutschland auch der Kapitalismus entglitten weil die Telekom Aktie ein Flop war und die IT Blase platzte?
Dr.W.Drews 27.07.2015
2. Warum bekommt die sonst so starke Führung in Peking die Lage nicht in den Griff?
Die Antwort ist ganz einfach. Weil sich ökonomische Realitäten nicht zensieren lassen.
C. Goldbeck 27.07.2015
3.
Das ist keine Überraschung. Jetzt platzt als nächstes mit großer Wahrscheinlichkeit auch die Immobilienblase.
Solid 27.07.2015
4.
"Die Verluste gehen zum Großteil auf das Konto chinesischer Privatleute." Die chinesischen Privatleute sind nicht für die Verluste verantwortlich, sondern für die überzogenen Kurssteigerungen. Für die Verluste sind die Verkäufe durch die institutionellen Anleger verantwortlich. Was aber richtig ist: Die finanziellen Verluste durch den Kursverlust landen tatsächlich als fettes Minus auf den Konten der Privatanleger.
omop 27.07.2015
5. FED-Zinsentscheidung wird immer überhöht..
ist vom Markt bereits lange eingepreist...ausserdem ist die geplante marginale Zinserhöhung so gering (vermutlich 0,25%?), dass sie mittelfristig im Rauschen untergeht und keine wesentlichen Effekte haben wird. Erst wenn der Zins wieder deutlich über 1,5-2% liegen sollte, könnte es ernsthafte Probleme geben. Diesen Anstieg durch die FED werden wir aber m.E. für sehr lange Zeit nicht sehen, es sei denn die USA versprechen sich davon handfeste Vorteile.
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