Kurz vor Merkel-Visite China wirft Deutschland Protektionismus vor

Der chinesische Botschafter in Berlin prangert die Wirtschaftspolitik der Bundesregierung an - kurz vor dem Besuch der Kanzlerin in der Volksrepublik. Gleichzeitig umgarnt er deutsche Mittelständler.

Kanzlerin Angela Merkel, Premier Li Keqiang (Archivbild)
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Kanzlerin Angela Merkel, Premier Li Keqiang (Archivbild)


Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) will am Mittwoch nach China aufbrechen. Dort soll sie Premier Li Keqiang treffen. Kurz davor hat nun der chinesische Botschafter in Deutschland die Wirtschaftspolitik der Bundesregierung angeprangert und diese zum Festhalten am Freihandel aufgefordert.

"China öffnet sich weiter, aber wir haben die Sorge, dass sich das bereits geöffnete Tor Deutschland wieder verschließt", sagte Shi Mingde der "Stuttgarter Zeitung". "China sieht eine protektionistische Tendenz in Deutschland."

Die Aussagen sind bemerkenswert, da es sonst meist deutsche Unternehmer und Politiker sind, die ihrerseits der chinesischen Seite Protektionismus vorwerfen. Noch immer werden ausländische Firmen in der Volksrepublik benachteiligt, zum Beispiel bei Investitionen.

Shi sagte nun jedoch, Deutschland habe seit der Übernahme des Roboterherstellers Kuka die Bestimmungen des Außenwirtschaftsgesetzes verschärft und versuche, diese auch auf EU-Ebene umzusetzen. Das Augsburger Unternehmen Kuka ist auf Roboter für die Industrie - insbesondere in der Autoproduktion - spezialisiert. Der chinesische Midea-Konzern hat es 2016 übernommen, was in Deutschland für Aufsehen sorgte.

China hofft auf Ausbau der Kooperation

Nach der Liberalisierung der chinesischen Finanz- und Autobranche habe China Bedenken, "ob Deutschland im Gegenzug seine Banken für chinesische Investoren öffnen oder auch in anderen Sektoren größere Beteiligungen chinesischer Investoren dulden würde", fügte Shi hinzu.

Wenn er die Aufregung betrachte, die allein die zehnprozentige Beteiligung des chinesischen Autobauers Geely an Daimler ausgelöst habe, "kommen mir da schon Zweifel".

Allerdings machten die strittigen Fälle im deutsch-chinesischen Wirtschaftsverhältnis nur drei Prozent des Handelsvolumens aus, sagte Shi. Die Beziehungen seien beispielhaft, und die Kooperation solle weiter ausgebaut werden. "Wir wollen die Kontakte etwa zur Automobilzulieferindustrie deutlich ausbauen und mehr Mittelständler etwa aus Baden-Württemberg nach China locken."

Die deutsch-chinesischen Handelsbeziehungen sind auch vor dem Hintergrund des jüngsten Konflikts zwischen China und den USA zu sehen. US-Präsident Donald Trump wirft der Volksrepublik "unfaire" Praktiken vor. Gerade erst haben Washington und Peking eine Vereinbarung getroffen, um den Konflikt beizulegen, ohne allerdings konkrete Schritte zu benennen.

dop/Reuters



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gaspare 21.05.2018
1. Kupfer für Gold
Die Chinesen lassen uns Robotterfirmen übernehmen wollen aber unsere Banken haben . Damit Sie besser unsere Wirtschaft und Politik kontrollieren können.
Ekatus Atimoss 21.05.2018
2. ich traue den Chinesen nicht...
...mit unfairen Praktiken Geld angehäuft und jetzt barrierefrei in Deutschland shoppen gehen? Da schwingt doch die unterschwellige Drohung mit, dass China "dicht" macht, wenn Deutschland nicht spurt. Da sehen doch sicher unsere Autobosse schon ihre Pfründe versiegen...
Überfünfzig, 21.05.2018
3. Die Behauptung des Botschafter...
...ist ja wohl eine Frechheit sonders gleichen. Wer erschwert den ausländischen Firmen den Zugang durch Zwangsmehrheitsbeteiligung chinesischer Staatsbürger bzw. Parteibonzen. Wer gibt billige Kredite aus dem Staatsfond für die Einkaufstouren chinesischer Firmen und nachfolgend den Knowhow-Klau bei westlichen Firmen? Wir erleben es jetzt seit vier Jahren, das die Chinesen aufgrund von unmöglichen Vorfinanzierungskosten uns die Kunden abspenstig machen, der Kunde aber weiter bei uns bewährte Schlüsselkomponenten kaufen möchte, die dann von den Chinesen eingebaut und technisch betreut werden sollen.
sven2016 21.05.2018
4.
China muss keine Mittelstandsunternehmen "locken". Das hat er bestimmt so auch nicht gesagt. Die Unternehmen kommen dann, wenn sie Bürgschaften und Kredite aus D für ihre Investitionen erhalten. Das ist oft bürokratisch extrem schwierig und langwierig.
joG 21.05.2018
5. Obwohl China eine der protektionistischsten.....
....Industrieländee der Welt ist, haben sie mit Deutschland ganz recht. Sie sind nur selektiv und erwähnen lediglich Beispiele, die sie direkt betreffen. Aber im Prinzip sagen das alle da draußen in der Welt vom hiesigen Geschäftsmodell. Auch Trump begint hier nicht einen Handelskrieg. Er stellt nur fest, das er den Krieg, den Länder wie unseres oder China gegen sein Land seit langem führen nicht mehr mitmacht.
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