Konzerne in China Wirtschaft besorgt über Einfluss von KP-Zellen in westlichen Betrieben

Peking preist gern die Vorzüge von Transparenz und Freihandel - sofern es um fremde Märkte geht: Im Land selbst hingegen nehmen Parteizellen der KP Einfluss auf die Entscheidungen westlicher Konzerne.

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Ob bei Telefonaten mit Bundeskanzlerin Angela Merkel, beim Weltwirtschaftsforum in Davos oder bei Treffen der G20-Nationen: Chinas Präsident Xi Jinping betont stets, wie wichtig China der "freie Handel" sei, und "freie Märkte", Peking stehe zu seinem "Nein zu Protektionismus".

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Heft 46/2017
*AUFWACHEN! Warum China schon jetzt Weltmacht Nr. 1 ist - ein Weckruf für den Westen

Peking schien diese Forderungen allerdings schon immer vor allen Dingen nach außen zu richten (mehr zum Thema: Phrasenmeister Xi). Auf dem chinesischen Markt gelten für westliche Firmen nämlich ganz andere Regeln: China selbst schirmt komplette Branchen seiner Wirtschaft ab, erhebt hohe Zölle auf zahlreiche Produkte und lässt ausländische Investoren oft nur ins Land, wenn sie ein Gemeinschaftsunternehmen (Joint Venture) mit einem chinesischen Partner eingehen.

Und: Offenbar bemüht sich die Kommunistische Partei (KP) gezielt, den Einfluss der Politik auf die Privatwirtschaft auszuweiten - auch auf westliche Firmen, die im Land aktiv sind. Wie das "Handelsblatt" berichtet, beobachten westliche Wirtschaftsvertreter mit Sorge, dass Parteizellen der KP in den Betrieben versuchen, Einfluss auf Management-Entscheidungen zu nehmen. "Die Entwicklung bereitet uns große Sorge", zitiert die Zeitung Mats Harborn, China-Chef des schwedischen Lkw-Herstellers Scania und Präsident der Europäischen Handelskammer.

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Wie China schon heute die Welt beherrscht

Nach chinesischem Gesetz können Unternehmen verpflichtet werden, Parteizellen einzurichten. Deren Mitglieder werden üblicherweise von den Firmen selbst bezahlt, leiten ihre Berichte aber an die Führung der Partei weiter. Inzwischen gebe es allerdings auch Fälle, in denen die Parteizellen ein Mitspracherecht bei Unternehmensentscheidungen einfordern würden.

Der Flugzeugbauer Airbus hat bestätigt, auf Drängen der Provinzregierung in Heilongjiang im Nordosten des Landes eine Parteizelle in einer örtlichen Fabrik eingerichtet zu haben. Der Einfluss des Gremiums sei aber "auf eine beratende Funktion" begrenzt, so der Konzern.

Der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) sieht die Entwicklung kritischer. "Die Stärkung der KP in allen Bereichen der Gesellschaft hat unmittelbare Effekte auf ausländische Unternehmen in China", sagte BDI-Chef Dieter Kempf dem "Handelsblatt". Es müsse "internationalen Investoren vorbehalten bleiben, das letzte Wort über Geschäfts- und Investitionsentscheidungen zu haben - nicht der Partei".

Scania-Chef und Kammer-Präsident Harborn geht sogar noch ein Stück weiter. Er warnt, die Ausweitung der Macht der Parteizellen "könnte weitreichende Konsequenzen für die Fähigkeit der Joint Ventures haben, unabhängige Entscheidungen zu treffen".

beb



insgesamt 55 Beiträge
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Seite 1
FinWir.de 16.11.2017
1. Vielleicht sollte man Zölle an Demokratieprinzipien koppeln
Je demokratischer ein Land ist und Bürger- und Menschenrechte gewährt, desto niedriger sind die Zölle, bzw. werden überhaupt keine erhoben. So könnte man den Ländern, die tatsächlich in Richtung Demokratie sich entwickeln, finanzielle und wirtschaftliche Anreize bieten. Die Länder, die die entgegengesetzte Richtung einschlagen steigen wirtschaftlich ab, weil ihnen Märkte wegbrechen.
wintersommer 16.11.2017
2. Sehr klug
Erst muss der Status Quo erreicht werden und dann kann sich die chinesische Wirtschaft öffnen wenn sie es vorher tun dann werden sie von den westlichen Gelddruckern übernommen Punkt und das kann keiner wollen im China
skeptiker97 16.11.2017
3. Arglos
Es ist doch klar, dass in einem kommunistischen Land die kommunistische Partei ihren Herrschaftsanspruch überall umsetzt, vor allem in der Wirtschaft. Wir "Ossis" kennen das noch aus der DDR, wo es in jedem Betrieb eine Betriebsparteiorganisation mit einem Parteisekretär an der Spitze gab. Dieser hatte bei allen wesentlichen Entscheidungen, vor allem in Personalangelegenheiten, das letzte Wort. So wird die angestrebte Unterwanderung mit "geeignetem" Personal abgesichert. Entsprechende Warnungen von uns Mitarbeitern an der gegenwärtigen Arbeitsstelle, bei der grössere Verlagerungen nach China vorgenommen wurden, hat das Management (aus dem Westen) ignoriert, wahrscheinlich, weil man sich so etwas nicht vorstellen konnte. Aber warum soll es so etwas in Chins, das in der Durchsetzung solcher Dinge meist noch rigoroser als die DDR war, nicht geben. Nun scheint so langsam die Erkenntnis zu reifen, dass es doch so ist.
uwepax 16.11.2017
4. Der Parteisekretär
Der Parteisekretär war immer der zweite Mann in jedem Betrieb der ehemaligen kommunistischen Staaten. In China ist es heute noch so, der rote Staatsimperialismus wird seine Interessen mit aller Kraft durchsetzen. Der Westen hat fleißig geholfen. Ohne Ideendiebstahl wäre China immer noch ein Land voller Näher. Es ist naiv zu glauben, die KP baut ihre Parteigruppen nur in rein chinesischen Firmen. Für die Kommunisten dort ist BMW Peking eine chinesischen Firma. China wird die neue Weltmacht. Wirtschaftlich, militärisch und in Afrika auch politisch. Ich weigere mich auch China kommunistisch zu bezeichnen. Obwohl der erlebte Kommunismus war immer aggressiv, der sowjetische sogar imperialistisch, die sogenannte Völkergemeinschaft war und ist ein Völkergefängnis. Die Chinesen haben gelernt sie wissen was in Rumänien passierte, die wissen genau wie die SU zerfiel und wie die ehemaligen Brudervölker nach Freiheit gierten. Das werden die zu verhindern wissen. Dazu gehört eben die PG im Betrieb, der politische Stellvertreter eines militärischen Kommandeur, genau so wie die scheinbare Öffnung nach Westen. Das ist Taktik, Tarnung und Täuschung zur Erhaltung und Erweiterung der Macht
Pfaffenwinkel 16.11.2017
5. China ist ein kommunistisches Land
Dort gelten nun mal andere Regeln wie im Westen. Wer in China investiert, weiß das doch vorher, oder?
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