Robuste Konjunktur Chinas Wirtschaftswachstum sinkt - auf 6,8 Prozent

Chinas Wirtschaft brummt weiter - doch zum Auftakt des Kongresses der kommunistischen Partei wächst unter Experten die Enttäuschung: Staatschef Xi Jinping hat keine Strategie für Reformen präsentiert.

AFP

Die Wirtschaft in China hat sich im dritten Quartal robust entwickelt - vor allem dank sprudelnder Kredite. Von Juli bis September legte das Wachstum der zweitgrößten Volkswirtschaft um 6,8 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum zu und stieg damit 0,1 Prozentpunkte langsamer als in der ersten Jahreshälfte. Die Zahl liegt aber noch immer deutlich über dem Jahresziel der Regierung, die "rund 6,5 Prozent" anstrebt.

Ökonomen führten das kräftige Wachstum auf die anhaltend hohe Kreditvergabe zurück, durch die der Bausektor einen Boom erlebe und viele Staatsbetriebe künstlich am Leben gehalten würden. Durch immer höhere Unternehmensschulden würden Probleme jedoch nicht gelöst, sondern nur verschoben.

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Wandel in China: Nur langsam weg von der alten Industrie

Zum Auftakt des chinesischen Parteikongresses, einem nur alle fünf Jahre stattfindenden politischen Schlüsseltreffen, gab es derweil kaum Anzeichen, dass die Stützungsmaßnahmen bald zurückgefahren werden. Statt neuer Rezepte für die Wirtschaft, wiederholte Staats- und Parteichef Xi Jinping schon früher von der Regierung ausgegebene, aber noch immer nicht umgesetzte Reformversprechen.

Stabilität statt Wandel

"Chinas offene Tür wird nicht geschlossen, sondern nur noch weiter geöffnet", hatte Xi Jinping zur Eröffnung des Parteitages am Mittwoch gesagt. Die Regierung wolle Regeln und Praktiken "ausradieren", die fairen Wettbewerb behindern. Der Markt müsse eine "entscheidende Rolle" spielen. Im gleichen Satz hob der Präsident aber hervor, dass der Staat seine Rolle besser spielen müsse.

"Die Regierung hat sich entschieden, dass ihr ein stabiles Wachstum derzeit wichtiger ist, als die Entschuldung voranzutreiben", sagte Christopher Balding von der HSBC Business School in Shenzhen. China habe zwar versprochen, Maßnahmen gegen die hohen Schulden zu ergreifen. "Die realen Taten belegen aber etwas ganz anderes."

Schon vor dem Parteikongress hatte China zuletzt eine ganze Reihe positiver Wirtschaftsdaten vorgelegt. Auch der Internationale Währungsfonds (IWF) hob vergangene Woche zum zweiten Mal in diesem Jahr seine Wachstumsprognose für die zweitgrößte Volkswirtschaft um 0,1 Prozentpunkte auf 6,8 Prozent an.

Mahnung des IWF

Allerdings warnte der IWF in seinem Bericht, dass China das stärker als erwartete Wachstum nach wie vor durch höhere Schulden erkaufe. Dies könne in Zukunft zu "einem starken Abschwung" führen. Der IWF forderte Peking auf, die Kreditvergabe zu zügeln.

Wegen der steigenden Schulden hatte die US-Ratingagentur S&P vergangenen Monat die Bonitätsnote des Landes um eine Stufe auf "A+" herabgesetzt. Das lang anhaltende starke Kreditwachstum in China habe die wirtschaftlichen und finanziellen Risiken erhöht, teilte S&P mit. Zwar habe das hohe Tempo des Kreditwachstums auch das Wirtschaftswachstum und die Vermögenspreise erhöht. Die Finanzstabilität habe aber gelitten. China warf der Ratingagentur vor, die Wirtschaft des Landes nicht richtig zu verstehen.

beb/dpa

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smartphone 19.10.2017
1. wg Wachstum
Ich las mal eine sehr interessante Ausarbeitung die das erforderliche bzw systemische Wirtschaftswachstum beleuchtete . Das heißt wieviel WW überhaupt generiert werden muß, um den StatusQuo zu halten. Denn zB Produktivfortschritte fressen ja reale Wachstumspunkte weg. Hinzu kommen Aspekte, wie der Landesindex erstellt wird. Das heißt , das reale NULLwachstum ,bzw Stagnation wird dann erreicht ,wenn China ein WW von 7% hat , die USA 5% und bold Germany liegt hier bei 2% . Bei uns also 2% Wann hatten wir das letzte mal einen Wert von zB 2,5% -somit ist klar erkennbar, das es nicht Deutschland gut geht, sondern einigen wenigen auf Kosten der breiten Masse........Dies wird konsequent verschwiegen, denn im Gegensatz zu zb China haben wir hier kein effektives Lohnwachstum,sondern massive Reale Rückgänge...Beispiel Ein MInt-Eingangssjob müßte bei ca 90000 Euro liegen ...für viele Firmen ist ein Drittel schon zuviel - am Besten 8€ Tagessatz-Praktikant....
FinWir.de 19.10.2017
2. Die offiziellen Zahlen
Man kann bei der chinesischen Zahlengüte nicht von der in Deutschland ausgehen. Die Statistiken sind auch immer ein politisches Zeichen an die Chinesen selbst, dass es ihnen immer besser geht und sie Aufstiegschancen haben. Wenn man sich die objektiven Zahlen wie Energieverbrauch und Rohstoffimporte anschaut, dann wächst China bedeutend schwächer.
klugscheißer2011 19.10.2017
3. Wie grausam
Was? Chinas Wirtschaft wächst nur noch um 6,8 Prozent? Wie grausam! Da muss ja im Land des Drachens geradezu Untergangsstimmung herrschen. wie hoch ist nochmal gleich das Wachstum hierzulande? 2 oder doch 3 Prozent? 6,8 Prozent das bleibt selbst für Exportweltmeister Deutschland reine Utopie. Was also soll dieser Beitrag von SP.on? Aber klar, der Parteitag einer kommunistischen Partei ist natürlich immer kritikwürdig. Da ist auch eine um 6,8 Prozent wachsende Wirtschaft ein Makel. Ansonsten ist das sogenannte Wachstum ohnehin eine abstrakte Zahl, die aber im Westen wie eine Heilige gesehen wird.
HeisseLuft 19.10.2017
4. ?
Zitat von smartphoneIch las mal eine sehr interessante Ausarbeitung die das erforderliche bzw systemische Wirtschaftswachstum beleuchtete . Das heißt wieviel WW überhaupt generiert werden muß, um den StatusQuo zu halten. Denn zB Produktivfortschritte fressen ja reale Wachstumspunkte weg. Hinzu kommen Aspekte, wie der Landesindex erstellt wird. Das heißt , das reale NULLwachstum ,bzw Stagnation wird dann erreicht ,wenn China ein WW von 7% hat , die USA 5% und bold Germany liegt hier bei 2% . Bei uns also 2% Wann hatten wir das letzte mal einen Wert von zB 2,5% -somit ist klar erkennbar, das es nicht Deutschland gut geht, sondern einigen wenigen auf Kosten der breiten Masse........Dies wird konsequent verschwiegen, denn im Gegensatz zu zb China haben wir hier kein effektives Lohnwachstum,sondern massive Reale Rückgänge...Beispiel Ein MInt-Eingangssjob müßte bei ca 90000 Euro liegen ...für viele Firmen ist ein Drittel schon zuviel - am Besten 8€ Tagessatz-Praktikant....
"Das heißt , das reale NULLwachstum ,bzw Stagnation wird dann erreicht ,wenn China ein WW von 7% hat , die USA 5% und bold Germany liegt hier bei 2% . Bei uns also 2%" Ja - und? Ist doch gut für uns, und eher schlecht für China. Ihre weiteren Schlussfolgerungen kann ich da nicht ganz nachvollziehen. Wenn China seine - eher althergebrachte und arbeitsintensive - Industrie modernisiert, muss es bei dem erwartbaren hohen Produktivitätsfortschritt eine Menge Wachstum generieren. Sonst droht entsprechend hohe Arbeitslosigkeit. Bei einer modernen, in weiten Teilen gut automatisierten Volkswirtschaft können Sie nicht mehr so leicht hohe Produktivitätsfortschritte erzielen, also werden Sie das voraussichtlich auch nicht, also brauchen Sie auch kein Riesenwachstum um die Arbeitslosigkeit niedrig zu halten. Was daran aus deutscher Sicht nun schlecht sein soll bleibt wohl Ihr kleines Geheimnis?
Beat Adler 19.10.2017
5. Wachstum wird von der KP vorgegeben, befohlen und erreicht! Immer!
Zitat von klugscheißer2011Was? Chinas Wirtschaft wächst nur noch um 6,8 Prozent? Wie grausam! Da muss ja im Land des Drachens geradezu Untergangsstimmung herrschen. wie hoch ist nochmal gleich das Wachstum hierzulande? 2 oder doch 3 Prozent? 6,8 Prozent das bleibt selbst für Exportweltmeister Deutschland reine Utopie. Was also soll dieser Beitrag von SP.on? Aber klar, der Parteitag einer kommunistischen Partei ist natürlich immer kritikwürdig. Da ist auch eine um 6,8 Prozent wachsende Wirtschaft ein Makel. Ansonsten ist das sogenannte Wachstum ohnehin eine abstrakte Zahl, die aber im Westen wie eine Heilige gesehen wird.
Wachstum wird von der KP vorgegeben, befohlen und erreicht! Immer! Weltbank und Waehrungsfond wollen mit der Fuehrung der alleinseligmachenden, kommunistischen Einheitspartei in Beijing keinen Aerger und uebernehmen einfach die verbreiteten Zahlen. Nur glaubwuerdig sind sie seit 2015 nicht mehr. Damals landetet die chinesische Volkswirtschaft hart und "waechst" seitdem plus minus Null. Das Halten des 2015 BIP Chinas ist bereits eine grosse Leistung. Die offiiellen Wachstumsangaben sind an die heimische Bevoelkerung gerichtet und haben mit der Realitaert nichts zu tun. Es genuegt die Kennzahlen der chinesischen Volkswirtschaft, welche von Ausserhalb gegenegerechnet werden koennen, zu analysieren. mfG Beat
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