Angst vor Yuan-Abwertung Chinas Börsen brechen erneut ein

Neue Turbulenzen erschüttern Chinas Aktienmärkte. Spekulationen über einen langsamen Rückzug staatlicher Hilfe haben die Kurse erneut gedrückt - so stark wie seit drei Wochen nicht mehr.

Kurstafel in Hangzhou am 18. August: Verluste
REUTERS/China Daily

Kurstafel in Hangzhou am 18. August: Verluste


Sorgen um eine weitere Abwertung der chinesischen Währung und schlechte Konjunkturaussichten setzen Chinas Aktienmarkt unter Druck. Außerdem kursieren Spekulationen, dass die Regierung in Peking die Hilfsmaßnahmen zur Stützung der Kurse allmählich zurücknehmen könnte.

Der wichtige Shanghai Composite Index verlor am Dienstag rund 6,1 Prozent auf 3748 Punkte, nachdem er seit Anfang August rund neun Prozent zugelegt hatte. Der Component Index in Shenzhen fiel um rund 6,6 Prozent auf 12.683 Punkte, während der ChiNext für Technologiewerte, der dem Nasdaq in den USA ähnelt, rund 6 Prozent auf 2504 Punkte verlor. Das zog auch andere asiatische Aktienmärkte mit herunter.

Der aktuelle Kursrutsch folgte nach Äußerungen der Wertpapieraufsicht, zwar langfristig den Markt stützen zu wollen, aber künftig nur noch zu intervenieren, wenn ungewöhnliche Fluktuationen oder andere schwere Risiken auftauchen.

Hoffnungen auf weitere Lockerung der Geldpolitik schwinden

Zu schaffen machte den Investoren vor allem, dass die Landeswährung Yuan zum Dollar zeitweise erneut an Wert verlor. Die chinesische Zentralbank hatte vergangenen Dienstag einen neuen Mechanismus zur Festlegung des Yuan-Kurses eingeführt - seither orientiert sich der Referenzkurs am Schlusskurs des Vortages. Als Folge sackte der Yuan zeitweise auf den niedrigsten Stand seit vier Jahren. An den internationalen Märkten schürte dies die Angst vor einem Abwertungswettlauf, welcher der Konjunktur weltweit zusetzen könnte.

Durch den Kursverfall werden Exporte nach China teurer, chinesische Waren auf dem Weltmarkt dagegen billiger.

Die chinesische Regierung hatte zuletzt massiv gegen den Absturz der Börsen angekämpft, um zu verhindern, dass diese Turbulenzen auf die Wirtschaft in China übergreifen. Mit radikalen Eingriffen gelang es, die Kurse zu stabilisieren. Die Zentralbank senkte die Zinsen auf ein Rekordtief.

Beim Kampf gegen den Crash fährt die Führung in Peking eine Doppelstrategie: Zum einen will sie den Ausverkauf mit Verboten stoppen. Zum anderen legt sie ein milliardenschweres Konjunkturprogramm auf. Diese Bemühungen zeigen aber nur durchwachsenen Erfolg. Nach dem Eindruck der Händler schwinden nun die Hoffnungen auf eine weitere Lockerung der Geldpolitik.

bos/dpa/Reuters

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insgesamt 42 Beiträge
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Seite 1
tomxxx 18.08.2015
1. China ist der ...
letzte Dominostein der Gelddrucker. Die Story vom ungebremsten Wachstum war zu schön, als dass die menschliche Gier widerstehen konnte (wieder mal). Die ganzen Erfolge der letzten Jahre waren Potemkinsche Dörfer, China ist der Pleite näher als sich die Analysten es zur Zeit noch vorstellen können. Lehman war 1 Tag vorm Crash auch unantastbar!
Pollowitzer 18.08.2015
2. Alles raushauen
Die Chinesen könnten mal ein paar Stapel ihrer reichlich vorhandenen Dollaranleihen auf den Markt werfen - das dürfte einiges gerade Rücken. Wenn man allerdings mal betrachtet wieviel der Euro gegenüber dem Dollar in diesem Jahr eingebüßt hat, dann ist das Absacken der Chinesen lächerlich. Da wird wohl absichtlich Wind gemacht.
kuac 18.08.2015
3.
Zitat von tomxxxletzte Dominostein der Gelddrucker. Die Story vom ungebremsten Wachstum war zu schön, als dass die menschliche Gier widerstehen konnte (wieder mal). Die ganzen Erfolge der letzten Jahre waren Potemkinsche Dörfer, China ist der Pleite näher als sich die Analysten es zur Zeit noch vorstellen können. Lehman war 1 Tag vorm Crash auch unantastbar!
Die Devisenreserve von China hatte in 2014 einen Wert von 3,82 Billionen Dollar - umgerechnet 2,8 Billionen Euro. Ausserdem, die USA schuldet China 2 Billionen Dollar. Das alles wird für eine Weile reichen.
johannesmapro 18.08.2015
4.
Seit der Tulpenspekulation, sieht Spekulation immer gleich aus, das Ende ist immer der Kater nach dem Goldrauch. Die letzten 20 Jahre hatten wir das so oft, das ich gar nicht mehr verstehen kann, warum jeder erstaunt ist, wenn die Blasen platzen. Schlimm wird es nur, wenn das ganze auf die Dax und Immobilienblase in Deutschland durchschlägt, denn dann kann die Krise keiner mehr stoppen. Abgewertet ist alles, die Zinsen sind auf 0, dann kann die Regierung nur noch 1.000 € Scheine verteilen.
infonetz 18.08.2015
5.
Durch den Kursverfall werden Exporte nach China teurer, chinesische Waren auf dem Weltmarkt dagegen billiger. Wäre ich Investor würde ich mein Kapital abziehen (Aktien verkaufen) weil die Gewinne entsprechend sinken. Es war aber auch klar das der Tag kommt wo China zuviel Geld hat.
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