Korruptionsverdacht Chinesische Justiz ermittelt gegen westliche Pharmakonzerne

Wegen möglicher Schmiergeldzahlungen ermitteln chinesische Beamte gegen internationale Pharmafirmen. Nach Glaxo-Smith-Kline haben sie nun auch Novo Nordisk und die französische Sanofi im Visier.

Im Visier chinesischer Beamten: Der französische Pharmakonzern Sanofi
AFP

Im Visier chinesischer Beamten: Der französische Pharmakonzern Sanofi


Peking - Ein Bericht der chinesischen Zeitung "21st Century Business Herald" brachte die Ermittlungen in Gang: Das Wirtschaftsmagazin aus der südchinesischen Metropole Guangzhou berichtete in der vergangenen Woche, der französische Pharmakonzern Sanofi habe bis Ende 2007 insgesamt 503 Ärzte in 79 Krankenhäusern in Peking, Shanghai, Guangzhou und Hangzhou bestochen. Rund 207.000 Euro Schmiergeld sollen geflossen sein.

Erst vor zwei Wochen war bekannt geworden, dass die chinesischen Behörden gegen den britischen Pharmakonzern Glaxo-Smith-Kline ermitteln. Der Vorwurf ist ähnlich: Korruption.

Ermittelt wird auch gegen GSK und Novo Nordisk

Bei Sanofi will man nicht viel zu den Vorfällen sagen. Der Konzern fühle sich einem ethischen und korrekten Handeln verpflichtet, auch in China gelten die gleichen Regeln, sagt Sprecher Laurence Bollack. Anwendungsbeobachtungen, die laut "21st Century Business Herald" durch die Behörden kritisiert werden, seien in der Branche ganz normal. Es handelt sich dabei um kleinere Zahlungen, die Ärzte dann erhalten, wenn sie ein neues Medikament in seiner Anwendung testen. Ansonsten sei es noch zu früh, Ereignisse zu kommentieren, die im Jahr 2007 geschehen seien.

Neben Sanofi und GSK steht anscheinend auch der Pharmakonzern Novo Nordisk unter der Beobachtung der chinesischen Justiz. Der weltgrößte Insulin-Hersteller aus Dänemark bestätigte, die Behörden hätten Anfang August dessen Werk in Tianjin aufgesucht und um Informationen über geschäftliche Aktivitäten in China gebeten.

Ob das Vorgehen mit den jüngsten Vorwürfen gegen die anderen Pharmakonzerne zusammenhänge, wisse man nicht. Bislang gebe es keinerlei Vorwürfe gegen Novo.

GSK hat Manager entlassen

Glaxo-Smith-Kline hat mittlerweile den Chef seiner China-Sparte ausgetauscht. Glaxo soll mit Hilfe von Reisebüros und Beratungsfirmen Ärzte und Behördenvertreter geschmiert haben, um die Verkaufszahlen anzukurbeln und Medikamentenpreise hochzutreiben. Vier chinesische Spitzenmanager von GSK wurden verhaftet.

Laut den chinesischen Ermittlern sollen die Mitarbeiter des Unternehmens seit 2007 knapp eine halbe Milliarde Dollar an Reisebüros überwiesen haben, um Schmiergeldzahlungen etwa an Ärzte zu erleichtern. Der Konzern bedauert die Vorfälle. Man sei zutiefst beunruhigt und enttäuscht aufgrund der schweren Vorwürfe und des ethischen Fehlverhaltens einzelner Unternehmensmitarbeiter und einiger Dienstleister in China.

Chinas Pharmamarkt bald der zweitgrößte

Der Konzern kündigte an, in "vollem Umfang" mit den chinesischen Behörden zusammenarbeiten zu wollen.

Ein gutes Verhältnis zu China ist für westliche Pharmakonzerne viel wert: Bis 2016, so schätzen Experten, wird der chinesische Pharmamarkt der zweitgrößte der Welt sein, direkt nach den USA.

Die Branchenanalysten von Wells Fargo Securities zitierten die Einschätzung eines Wissenschaftlers, als Folge des Vorgehens der Behörden könnte das Umsatzwachstum der Pharma-Multis in China von 20 auf 10 Prozent sinken, weil schärfere Preiskontrollen erwartet würden.

nik/reuters



insgesamt 8 Beiträge
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thawn 13.08.2013
1. Endlich
Man kann ja über die Chinesische Regierung sagen was man will, aber endlich stehen die Pharmakonzerne mal einer Regierung gegenüber, die das Zeug hat den Machenschaften Einhalt zu gebieten. In China steht doch auf Bestechung die Todesstrafe, da wird einigen Managern wohl gehörig die Muffe gehen...
Reg Schuh 13.08.2013
2.
Vielleicht braucht es tatsächlich nationale Ressentiments, um gegen die Kriminialität im Großen einzuschreiten. Putin konnte in Sachen Edward Snowden genüßlich den USA ihre mangelhafte Rechtsstaatlichkeit vorhalten, China ermittelt nun gegen (ausländlische) Großkonzerne.. Und hier steckt ein größerer Markt dahinter. Wenn in Südamerika Schweizer, anders-europäische oder nordamerikanische Konzerne (weit drastischerer Dinge als Bestechung!) beschuldigt wurden, ist das bisher oft im Nichts verhallt.
spon-facebook-10000582474 13.08.2013
3. Bestechung ?
EUR 206.000 verteilt auf 503 Ärzte, da hat im Schnitt jeder lausige EUR 409,54 bekommen! Und da reden die von Bestechung ? Ist doch lächerlich !
wdiwdi 13.08.2013
4. Andere Interpretation
Das könnte, bei der allgemein nicht gerade seltenen Korruption in China, durchaus primär eine politische Warnung an GSK sein, ihr Engagement in China nicht aufzugeben. Klingt paradox, aber der Hintergrund ist folgender: GSK feuerte vor zwei Monaten die (chinesische) Führungsmannschaft ihres Forschungslabors in Shanghai nach bewiesener schwerer Datenmanipulation und zahlreichen weiteren Unregelmäßigkeiten. Dieses Labor ist ein poliisch sehr sichtbares Leuchtfeuer - eine der weltgrößten Pharmafirmen etabliert ein großes Forschungslabor (also die Wurzel der Wertschöpfung einer Pharmafirma, quasi die Kronjuwelen) in China, und gibt diesem auch gleich die Führung bei einem wichtigen Projekt. Politisch-propagandistisch wurde das als "China ist in der wirtschaftlich und wissenschaftlich ersten Liga angekommen" breit ausgeschlachtet. Dann kam der Datenfälschungs-Skandal, und GSK soll ersthaft darüber nachdenken, die Konsequenzen zu ziehen und das Labor nach wenigen Jahren wieder dicht zu machen. Das wäre ein enormer Gesichtsverlust für die Chinesen. Es wird gemunkelt, bleibt das Labor, wird sich die Bestechungsaffäre auch gegen einen symbolischen Obulus lösen lassen. Interessanter Industrie-Insider-Blog: In the Pipeline: (http://pipeline.corante.com/) (scrollen, da gibt es ca. ein halbes dutzend Artikel zu diesem Komplex, mit zum Teil sehr interessanten Kommentaren).
miauwww 13.08.2013
5. Hoffentlich
kommen die Behoerden in China nun auch mal in die Gaenge, was Foxconn und die ganze IT-Industrie angeht!!
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