Finanzreformen: Chinas Premier will Bankenmonopol brechen

Chinas Premierminister Wen will Ernst machen mit neuen Wirtschaftsreformen. Ausländer dürfen künftig mehr Kapital in seinem Land investieren als bisher, außerdem soll das Monopol der mächtigen staatlichen Banken geknackt werden. Das könnte das zuletzt schwächelnde Wachstum wieder ankurbeln.

Skyline von Shanghai: Chinas Regierung macht Ernst mit den Wirtschaftsreformen Zur Großansicht
REUTERS

Skyline von Shanghai: Chinas Regierung macht Ernst mit den Wirtschaftsreformen

Peking - Es sind ungewohnt deutliche Worte, die Chinas Premierminister Wen Jiabao am Dienstag sprach: "Lassen Sie mich ganz offen sein: Unsere Banken machen viel zu leicht Gewinne. Warum ist das so? Weil wenige Großbanken ein Monopol haben". So äußerte sich Wen laut National Radio auf einer Wirtschaftskonferenz.

Wenn mehr privates Kapital in die Wirtschaft fließen solle, müsse dieses Monopol geknackt werden, sagte Wen. In der vergangenen Woche hatte die Regierung ein Pilotprojekt für eine private Kreditwirtschaft in der Stadt Wenzhou im Südosten Chinas angekündigt. "Ich denke, die Elemente, die in Wenzhou erfolgreich sind, können sofort landesweit eingeführt werden", sagte Wen.

Limits für ausländische Investoren angehoben

Zeitgleich kündigte die chinesische Finanzaufsichtsbehörde an, deutlich mehr ausländisches Kapital ins Land zu lassen als bisher. Internationale Fondsmanager dürfen künftig insgesamt 80 Milliarden Dollar im chinesischen Binnenmarkt investieren, bisher galt ein Limit von insgesamt 30 Milliarden Dollar.

Tatsächlich scheint eine Neuordnung des chinesischen Finanzsystems dringend notwendig zu sein. Die öffentliche Meinung hat sich in den vergangenen Monaten gegen Chinas größte Banken gerichtet: Viele Bürger empfinden die vielen Gebühren der Institute als willkürlich.

Hohe Gewinne empören die Bürger

Die kommunistischen Kader nutzten die chinesischen Banken lange, um Staatsunternehmen zu subventionieren. Kleinere Privatbetriebe, die für den größten Teil der neu geschaffenen Arbeitsplätze verantwortlich sind, mussten sich Geld auf anderen Wegen leihen - zu hohen Zinsen. Für die vier großen Institute läuft das Geschäft dagegen blendend: Die größte Kreditgeberin, die Industrial & Commercial Bank of China (ICBC) hat im vergangenen Jahr mehr als 33 Milliarden Dollar verdient und gehört damit zu den weltweit profitabelsten Unternehmen.

Auch die Bank of China Chart zeigen, die China Construction Bank Chart zeigen und die Agriculture Bank of China konnten ähnlich hohe Gewinne erzielen. Weil die Regierung die Zinsen für Kredite und Guthaben festsetzt und den Banken eine Mindestmarge von 3,5 Prozent garantiert, ist das Geschäftsmodell der Institute absolut sicher.

Nachdem die zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt noch vor zwei Jahren um mehr als zehn Prozent wuchs, steuert China in diesem Jahr aber auf eine deutliche Abkühlung zu. Die Weltbank und die Regierung in Peking fordern deshalb grundlegende Reformen im Finanzsektor - sonst könne sich der Abschwung beschleunigen.

Experten empfehlen Umbau des Finanzsystems

Die Regierung in Peking hatte ihr Ziel für das Wirtschaftswachstum in diesem Jahr kürzlich auf 7,5 Prozent gesenkt. Zuletzt deutete sich an, dass das erste Quartal mit einem Plus von 8,4 Prozent das konjunkturell schwächste Vierteljahr seit drei Jahren werden könnte.

Seitdem hat im ganzen Land ein Umdenken eingesetzt. Viele Experten fordern eine Veränderung des derzeitigen Wachstumskonzepts - von Exporten und ausländischen Investments zu heimischer Nachfrage. Dafür aber müsste sich die Konsumkultur ändern. Auch das Finanzsystem, das die großen staatseigenen Banken begünstigt, müsste umgekrempelt werden. Fachleute und sogar regierungsnahe Reformer selbst kritisieren, der Staat nehme zu viel Einfluss auf das Finanzsystem und verhindere so ein ausgewogenes Wirtschaftswachstum.

Sollte es dem Land aber gelingen, die Bedingungen der Darlehensaufnahme zu verbessern, könnte damit das Wachstum angekurbelt werden, argumentieren Experten - ohne Reform dagegen drohe Chinas Wirtschaft die Krise.

nck/Reuters/dapd

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1.
pansen 04.04.2012
Zitat von sysopChinas Premierminister Wen will Ernst machen mit neuen Wirtschaftsreformen. Ausländer dürfen künftig mehr Kapital in seinem Land investieren als bisher, außerdem soll das Monopol der mächtigen staatlichen Banken geknackt werden. Das könnte das zuletzt schwächelnde Wachstum wieder ankurbeln. Finanzreformen: Chinas Premier will Bankenmonopol brechen - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - Wirtschaft (http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,825630,00.html)
Schon mal ein richtiger Schritt, aber noch zu langsam. China muss vor allen Dingen seine Devisen freigeben, sonst erleidet der RdW früher oder später ein ähnliches Schicksal wie Griechenland. Den Fokus auf die Binnenwirtschaft zu legen hilft da nur wenig, da dies in China wohl auch ein langwieriger Prozess werden dürfte, der zudem (wohl jetzt schon) Exportwirtschaften wie Deutschland schaden würde.
2. Fokus auf Binnenwirtschaft?
Direwolf 04.04.2012
Zitat von pansenSchon mal ein richtiger Schritt, aber noch zu langsam. China muss vor allen Dingen seine Devisen freigeben, sonst erleidet der RdW früher oder später ein ähnliches Schicksal wie Griechenland. Den Fokus auf die Binnenwirtschaft zu legen hilft da nur wenig, da dies in China wohl auch ein langwieriger Prozess werden dürfte, der zudem (wohl jetzt schon) Exportwirtschaften wie Deutschland schaden würde.
In China sind 70% (!) des BIP Investitionen, dabei ganz wesentlich Bauinvestitionen. Das kann nicht so bleiben, deshalb machen sich viele chinesische Volkswirte ziemliche Sorgen um die Weiterentwicklung. China kann zu einer "Industrienation" aufsteigen, wie zB Südkorea - oder in der middle income trap hängenbleiben wie zB Russland. Das ist noch offen, aber man macht sich in China berechtigte sorgen Will China fall into the 'middle income trap'? (http://www.chinadaily.com.cn/business/2011-04/09/content_12298314.htm)
3. Mit Zulassung
Tungay 04.04.2012
Zitat von sysopChinas Premierminister Wen will Ernst machen mit neuen Wirtschaftsreformen. Ausländer dürfen künftig mehr Kapital in seinem Land investieren als bisher, außerdem soll das Monopol der mächtigen staatlichen Banken geknackt werden. Das könnte das zuletzt schwächelnde Wachstum wieder ankurbeln. Finanzreformen: Chinas Premier will Bankenmonopol brechen - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - Wirtschaft (http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,825630,00.html)
Mit Zulassung angelsächsischer "Investoren", also Leuten die im Staatsauftrag mit massenhaft gedrucktem Geld ohne Wert, echte Werte aufkaufen, wird das Monopol nicht gebrochen sondern gestärkt. Scheinbar hat noch niemand wirklich begriffen, dass die FED die USA mit der Druckmaschine ernährt. Die drucken ein paar bunte Scheine und kaufen echte Firmen, Öl und andere Werte davon. Ich würde gern echte Rimimbis kaufen.
4. NEBEL oder SMOG/Abgase?
es-geht-auch-besser 04.04.2012
auf dem Bild zum Artikel sieht die Luft ja ungemein "klar und sauber aus" Ist das einfach nur Nebel? Oder sind die schon soweit total ihre Luft im Metropolgebiet verpestet zu haben. Wirtschaftswachstum auf kosten von Gesundheit und Natur? schlaue idee
5. Wer jetzt noch in China investiert,
jaglaubse 04.04.2012
dem könnte das gleich Schicksal blühen, wie jenen in der Subprime-Krise 2008.
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