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Ärger über kurze Toiletten-Zeiten: Chinesische Arbeiter nahmen Manager als Geiseln

In Shanghai haben rund tausend chinesische Arbeiter ihre Chefs als Geiseln genommen. Die Manager, zehn Japaner und acht Chinesen, sollen zuvor Strafen für jeden Beschäftigten eingeführt haben, der länger als zwei Minuten auf der Toilette bleibt. Nach anderthalb Tagen konnte die Polizei die Männer befreien.

Fabrik von Shinmei Electric in Shanghai: Streit über verschärfte Disziplinregeln Zur Großansicht
AP/Kyodo News

Fabrik von Shinmei Electric in Shanghai: Streit über verschärfte Disziplinregeln

Peking - Anderthalb Tage dauerte die Geiselnahme, dann beendete die Polizei von Shanghai den Aufstand. In einer Fabrik der Shanghai Shinmei Electric Company haben am Wochenende etwa tausend Mitarbeiter ihre Chefs als Geiseln genommen. Wie erst jetzt bekannt wurde, hatte die Belegschaft 18 Manager in ihre Gewalt gebracht. Darunter seien zehn Japaner und acht Chinesen gewesen, teilte das Unternehmen mit. Alle hätten die Geiselnahme unverletzt überstanden.

Auslöser des Aufstands waren offenbar verschärfte Arbeitsregeln. Laut übereinstimmenden Berichten der Nachrichtenagentur AP und der "South China Morning Post" entbrannte sich der Konflikt an Strafen, die Shinmei Electric eingeführt hatte. So sollten die Beschäftigten acht Dollar Strafe zahlen, wenn sie zu spät zur Arbeit erscheinen oder länger als zwei Minuten auf der Toilette verbringen. "Wir verdienen weniger als 2000 Yuan (rund 320 Dollar) und sollen dann so hohe Strafen zahlen", klagte ein Mitarbeiter laut der chinesischen Zeitung.

Insgesamt sollen die neuen Vorschriften des Unternehmens 49 umstrittene Punkte beinhalten. Eine Arbeiterin sagte der "South China Morning Post", beim Eingreifen der Polizei seien mehrere ihrer Kollegen verletzt worden.

Das Unternehmen wollte die Angaben nicht bestätigen, teilte aber mit, der Auslöser seien offenbar die Arbeitsbedingungen und die Vorschriften der örtlichen Manager gewesen. Es gebe nun Gespräche mit der Belegschaft, wie der Streit gelöst werden könne. Laut "South China Morning Post" stellte das Unternehmen den Arbeitern auch eine Gehaltserhöhung in Aussicht und entschuldigte sich für die Verhaltensregeln.

cte/AP

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insgesamt 104 Beiträge
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1. .
fotowilly 22.01.2013
Schön zu lesen, dass sich auch in China die einfachen Menschen wehren. Einer allein ist schwach. Tausende und Millionen sind stark.
2. Unglaublich
chagall1985 22.01.2013
Wenn man sowas liesst ist das wie Geschichtsuntericht! lach Darf man Nie vergessen was Kapitalismus bedeutet ohne Gewerkschaften und Arbeitnehmerrechte. Aber auch verständlich :-) Die großen Bedürfnisse hat man natürlich planbar vor und nach der Arbeit zu erledigen und Durchfall führt zum Produktivitätsverlust. Der Arbeitgeber hat den Durchfall ja nicht, warum sollte der dafür zahlen?
3. Großartig
rodelaax 22.01.2013
Von ähnlichen Regeln, hier in Deutschland habe ich schon gehört. Nur bei uns muckt niemand auf, wenn er so oder noch schlimmer, im Beruf behandelt wird. Es wird langsam Zeit, dass wir uns gegen die ständig fortschreitende Prekarisierung der Arbeit wehren. In jedem anderen Land der Welt, gehen die Menschen wegen so etwas auf die Straße.
4. Bitte...
Petra Carotin 22.01.2013
...mehr davon! Und das nicht nur in China.
5. Dann lieber gleich....
fxe1200 22.01.2013
...den Niedriglohn, oder den Ein-Euro-Job. Dann kann ich auch laenger auf der Toilette bleiben.
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