Nahrungsmittelkonzern: Chinesischer TV-Sender erhebt Bestechungsvorwürfe gegen Danone

Milumil und Aptamil: Absatz nach Milchpulver-Skandal in China gestiegen Zur Großansicht
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Milumil und Aptamil: Absatz nach Milchpulver-Skandal in China gestiegen

Der Babymilch-Sparte von Danone droht neuer Ärger mit den chinesischen Behörden. Einem TV-Bericht zufolge soll der Konzern Mitarbeiter einer Klinik bestochen haben, damit sie dessen Milchpulver empfehlen.

Shanghai - Harte Vorwürfe gegen Danone: Der französische Lebensmittelkonzern soll in einem chinesischen Krankenhaus Mitarbeiter bestochen haben, damit sie Säuglinge vor allem mit dessen Milchpulver füttern und das Produkt bei den Eltern anpreisen. Bis zu 37.000 Dollar im Monat soll an Beschäftigte der Klinik in Tianjin geflossen sein, berichtet der staatliche TV-Sender China Central Television (CCTV).

CCTV berief sich auf einen früheren Vertriebsmanager von Danone, der seine Anschuldigungen mit einer detaillierten Liste von Überweisungen belegt haben soll. Die Danone-Tochter Dumex äußerte sich laut der Nachrichtenagentur Reuters "extrem schockiert" über den Bericht und kündigte eine sofortige Untersuchung an. "Dumex Baby Food hält sich strikt an chinesische Gesetze und Bestimmungen", hieß es in der Erklärung. Danone Deutschland war am Abend für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.

Nach dem Skandal um Melamin im Milchpulver, bei dem 2008 mindestens sechs Babys ums Leben kamen und mehr als 300.000 erkrankten, ist Säuglingsnahrung zu einem sensiblen Thema in China geworden. Danach war vor allem die Nachfrage nach den Trockenmilchprodukten des Marktführers Milupa sprunghaft angestiegen. Besonders gefragt seien laut des zum Danone-Unternehmen gehörende Konzerns die Produkte Milumil und Aptamil.

"Starke Performance" in China

Jetzt steht der Konzern jedoch in China in der Kritik - und das nicht zum ersten Mal: Erst im August wurde das Unternehmen - wie auch weitere Firmen - wegen Preisabsprachen und Wettbewerbsverstößen im chinesischen Babymilch-Markt zu einer Rekordbuße verdonnert.

Die chinesischen Behörden gehen unter der neuen Führung verstärkt gegen Korruption in mehreren Branchen vor. Betroffen ist vor allem der Pharmasektor mit zahlreichen internationalen Anbietern. Bestechung ist im chinesischen Gesundheitssystem weit verbreitet. Mediziner in staatlichen Krankenhäusern werden vergleichsweise schlecht bezahlt.

China ist für die Babymilch-Sparte von Danone zu einem wichtigen Markt geworden, die dort im vergangenen Jahr rund ein Fünftel seines Gewinns eingefahren hat. In seinem Jahresbericht strich Danone eine "starke Performance" in China heraus, die vor allem der Tochterfirma Dumex zu verdanken sei.

vks/Reuters

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insgesamt 8 Beiträge
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1. würde mich nicht wunden.....
CHANGE-WECHSEL 16.09.2013
Würde mich nicht wundern, wenn Danone die Klinik bestechen tut. Denn so machen Sie es auch seit Jahrzehnten in Deutschland und anderen europäischen Staaten. Schon vor 50 Jahren wurde den Müttern nach dem Krankenhausaufenthalt ein Danone-Päckchen mit nach Hause gegeben.
2. Auch andere Firmen aktiv
raber 16.09.2013
Bayer Pharma wird ja auch gerade von den chinesischen Behörden untersucht. Da soll schon vor einigen Monaten ein leitender Mitarbeiter deshalb mit dem goldenen Handschlag belohnt worden sein statt die Straftat bei den Behörden anzuzeigen so wie Compliance es eigentlich verlangt.
3.
SchneiderG 16.09.2013
Man sollte vorsichtig sein mit übereilten Anschuldigungen. Bei uns in der Firma (in China) hat ein chinesischer Verkaufs-Mitarbeiter auch Bestechungen durchgeführt, die klar entgegen der Firmenpolicy war. Er benutze seine Bonus-Zahlungen zur Bestechung und hat durch den höheren Verkauf wieder einen noch höheren Bonus erhalten. Für ihn war das lukrativ, unser Bonus-System leider fehlerhaft. Wir haben es aber noch vor den Behörden herausgefunden und ihn postwendend entlassen.
4. Differenziert betrachten
cam 16.09.2013
zu CHANGE-WECHSEL: Das ist ziemlicher Quatsch. Milupa gehört erst seit 6 Jahren zur Danone Gruppe, deshalb kann es mit der jahrzentelangen Bestechung schon mal gar nicht sein. Zu den Still-Gewohnheiten lässt sich sagen, dass diese sich im Lauf der Zeit gewandelt haben. Ja, gerade in den 80ern wurde durch Werbung gezielt versucht Absätze von Formula-Nahrungen zu erhöhen indem versucht wurde Mütter vom Stillen abzuhalten. Dies ist jedoch bereits seit 1994 in Deutschland streng verboten. Was in China passiert ist, klingt tatsächlich als sei gegen Wettbewerbsrichtlinien verstoßen worden, hat aber mit dem Vertrieb im deutschen Markt nichts zu tun.
5. Sind wir wirklich...
artusdanielhoerfeld 16.09.2013
...auf chinesische Regierungsstellen angewiesen, um zu erfahren, wie korrupt unsere Großkonzerne agieren? Müssen wir es ihnen überlassen, sie in ihre Schranken zu weisen? Gibt es bei uns nichts vergleichbares? Wenn das alles so weiter geht, dann wandere ich nach China aus. So weit ist es gekommen.
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