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Einst reichster Mann Russlands: Was aus Chodorkowskis Milliardenvermögen wurde

Chodorkowski: Stationen des Ex-Oligarchen Fotos
REUTERS

Michail Chodorkowski war einst der reichste Mann Russlands. Sein Vermögen wurde auf acht Milliarden Dollar geschätzt. Nach seiner Freilassung aus dem Gefängnis ist unklar, wie viel davon geblieben ist.

Hamburg - Was interessiert materieller Schnickschnack einen Mann mit einem Milliardenvermögen, einem Milliardenimperium und besten Kontakten zur politischen Elite? "Yachten, Paläste und Brillanten" seien ihm gleichgültig, behauptete Michail Chodorkowski einmal. Eine Einstellung, die dem wohl bekanntesten politischen Ex-Häftling Russlands nun zugutekommen könnte. Chodorkowski ist frei. Von seinem einstigen Multi-Milliarden-Vermögen dürfte heute aber vergleichsweise wenig geblieben sein.

Zehn Jahre ist es her, dass das US-Magazin "Forbes" Chodorkowskis Vermögen auf rund acht Milliarden Dollar geschätzt und ihn damit zum reichsten Mann Russlands gekürt hatte. Das Tempo seines Aufstiegs war atemberaubend: 2001 hatte er in der Liste der reichsten Menschen der Welt noch auf Platz 194 gelegen, 2002 auf Rang 101. 2003 war er auf Rang 26 angekommen. Laut "Forbes" gehörte Chodorkowski in dem Jahr außerdem zum Club der einflussreichsten Milliardäre der Welt, weil er es angeblich schaffte, den "Ölpreis gegen den Willen der Opec niedrig zu halten".

Ausgerechnet auf dem Zenit seines finanziellen und politischen Einflusses wurde Chodorkowski im Oktober 2003 in seinem - für russische Oligarchen dann doch obligatorischen Privatjet - verhaftet und danach in einem Straflager jahrelang inhaftiert.

Dubiose Privatisierung

Zuvor galt Chodorkowskis Blitzaufstieg vom kommunistischen Jugendführer zum Ölmagnaten als Paradebeispiel für die Ära der wirtschaftlichen Anarchie nach dem Ende der Sowjetunion. Während er als Student noch Jobs als Hausmeister oder in einer Bäckerei angenommen hatte, gründete er bereits mit 26 Jahren die Bank Menatep.

Das Startkapital hatte sich der Jungunternehmer durch den Verkauf von Computern zusammengespart. Später nutzte er die Bank, um sich bei Jukos einzukaufen. Die Kontrolle über den Ölkonzern erlangte er im Zuge einer dubiosen Privatisierung, bei der Insider die Anteile des Unternehmens zu Schleuderpreisen erwarben. Es war die Zeit, als Russlands Wirtschaftsführer ihre Reichtümer auch jenseits der Legalität zusammenrafften.

In der Folgezeit sorgte Chodorkowski mit einer aggressiven Unternehmenspolitik für gigantische Wertsteigerungen und machte Jukos zum viertgrößten Öl- und Gasproduzenten der Welt. Ausländische Anteilseigner drängte er hinaus.

Verbliebenes Millionenvermögen?

In der Vergangenheit war darüber spekuliert worden, ob es Chodorkowski vor seiner Verhaftung gelungen sein könnte, Teile seines Vermögens mit Hilfe britischer Anwälte vor dem Zugriff der russischen Justiz zu sichern. Wie groß das Vermögen Chodorkowskis heute noch ist, ist unklar. Der Großteil des einstigen Jukos-Imperiums wurde an den staatlichen Energiekonzern Rosneft versteigert, Chodorkowski hat dort nichts mehr zu sagen. In russischen Medien kursiert immer mal wieder die vermutete Summe von 200 Millionen Euro. Bestätigt ist sie aber nicht.

Auf die Frage, ob er noch Milliardär sei, wird Chodorkowski auf seiner eigenen Internetseite mit folgender Antwort aus dem Jahr 2011 zitiert: "Lustige Frage. Fragen Sie die Staatsanwälte. Die wissen alles. Ich möchte es auch gern wissen."

Chodorkowskis Juristen stellten klar, dass er kein Milliardenvermögen mehr habe. Sein in New York lebender Sohn Pawel hatte dem Radiosender Echo Moskwy im vergangenen Oktober gesagt, dass von dem einstigen Vermögen "vergleichsweise geringe Mittel" übrig seien. Konkreter wurde er nicht.

yes/AFP/dpa

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1.
GoBenn 21.12.2013
Klingt sie eine Heldengeschichte, nur eine kleiner Nebensatz deutet was anderes an: "Die Kontrolle über den Ölkonzern erlangte er im Zuge einer dubiosen Privatisierung, bei der Insider die Anteile des Unternehmens zu Schleuderpreisen erwarben."
2. Wie weiss ist seine Weste?
peterlep 21.12.2013
Es wird immer so getan, als wäre ein völlig unbescholtener Bürger von der Strasse weg verhaftet worden. Wer in dieser Zeit Geschäfte gemacht hat, wäre wohl kaum soweit gekommen, ohne selber Dreck am Stecken zu haben. Eine etwas einseitige Berichterstattung. Wie immer bei Spon - die Guten gegen die Bösen - wie im Film hier.
3.
a.j.q. 21.12.2013
Dieses "wichtige Frage" ist gar kein Problem, denn wenn wir uns darauf einigen, daß 0,5% wenig sei, dann bleiben ihm bescheidene 40mio. Keine Angst die Damen und Herren Spindoktoren: Der Mann ist kein Hungerleider.
4. Und wenn es keine Milliarden mehr sind, ...
wolfi55 21.12.2013
so sind ihm sicher einige Milliönchen in der Schweiz und britischen Kanalinseln verblieben. Das einzige was sein kann, dass da einige zittern, die sich daran vergriffen haben. Ich würde fast wetten, dass es auch eine Villa in Baden-Baden gibt. Es gibt in Deutschland sicherlich viele Leute, die weniger Geld haben wie er. Und mal ehrlich, wenn er auch vielleicht für vorgeschobene Straftaten angeklagt wurde, die Strafe saß er mit Sicherheit nicht zu Unrecht ab. Es traf keinen Unschuldigen, der da im Straflager war. Mitleid war da schon immer fehl am Platz. Und jeder weiß, dass Russland ein Land mit eigenwilliger Rechtsauslegung ist.
5. Da wird sicher noch was auf geheimen Konten liegen.
henry-t 21.12.2013
Wer so einen Aufstieg hinlegt hat, wird sein Geld sicher nicht auf einem russischen Sparbuch gelagert haben. Genschman wird sich sicherlich auch nicht aus reiner Menschenliebe für die Begnadigung engagiert haben. Geld regiert die Welt, und Chodorkowski wird davon noch reichlich auf westlichen Banken gebunkert haben. Wäre er nach der Ausreise bettelarm, würde sich kein Mensch für ihn interessieren.
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