IWF-Chefin Lagarde vor Gericht "Ich habe nicht die Absicht zu schweigen"

Sie ist eine der mächtigsten Frauen der Welt - nun steht Christine Lagarde vor Gericht. Die IWF-Chefin will ihre Unschuld beweisen. Aber ihr Anwalt bremst.

Christine Lagarde
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Christine Lagarde


IWF-Chefin Christine Lagarde hat sich vor Gericht gegen den Vorwurf der Fahrlässigkeit in ihrer Zeit als französische Finanzministerin verteidigt. "Ich möchte Ihnen endlich beweisen, dass ich in keiner Weise der Nachlässigkeit schuldig bin", sagte die 60-Jährige zum Prozessauftakt. Sie sei schockiert vom aggressiven Ton, in dem die Vorwürfe gegen sie vorgebracht worden seien.

Lagarde hatte 2007 als französische Finanzministerin einem Schiedsverfahren zugestimmt, das dem Geschäftsmann Bernard Tapie mehr als 400 Millionen Euro zusprach. Inzwischen ermittelt die Justiz wegen Betrugsverdachts gegen mehrere Beteiligte. Lagarde wird vorgeworfen, fahrlässig gehandelt und damit die Veruntreuung öffentlicher Gelder ermöglicht zu haben.

"Ich habe nicht die Absicht zu schweigen", sagte Lagarde. Ihr Anwalt Patrick Maisonneuve beantragte allerdings, den Prozess auszusetzen. Er argumentierte, dass erst laufende Betrugsermittlungen gegen mehrere andere Beteiligte abgewartet werden müssten. Vorher sei nicht klar, ob tatsächlich öffentliche Mittel veruntreut wurden.

Sieben Verhandlungstage bis zum 20. Dezember

Er habe Lagarde erst von diesem Antrag überzeugen müssen, sagte Maisonneuve. "Sie wünschte, Punkt für Punkt auf die Fragen zu antworten." Das Gericht zog sich anschließend zurück, um über den Antrag zu beraten.

Bei einer Verurteilung drohen Lagarde bis zu ein Jahr Haft und 15.000 Euro Geldstrafe. Eine Verurteilung würde auch die Frage aufwerfen, ob sie an der Spitze des Internationalen Währungsfonds bleiben kann. Nach Angaben aus IWF-Kreisen gibt es keine Vorschrift, nach der Lagarde im Fall einer Verurteilung zwingend ihr Amt aufgeben müsste. Ihre Glaubwürdigkeit wäre aber erschüttert. "Im unwahrscheinlichen Fall eines Schuldspruchs müsste der Exekutivrat entscheiden, was zu tun ist", hieß es in Washington.

Lagarde hatte die Vorwürfe stets zurückgewiesen. In einem Interview mit dem Sender France 2 sagte sie, sie habe Tapie nicht bevorzugt. "Fahrlässigkeit ist ein Delikt ohne Vorsatz", sagte Lagarde. "Ich denke, ich habe versucht, meine ganze Arbeit zu machen, so gut wie möglich, in den Grenzen dessen, was ich wusste."

Für den Prozess sind sieben Verhandlungstage bis zum 20. Dezember angesetzt. Verhandelt wird vor dem Gerichtshof der Republik, einem Spezialgericht, das nur für Rechtsverstöße von Ministern im Rahmen ihres Amts zuständig ist. Es besteht aus drei Berufsrichtern und zwölf Parlamentariern.

msc/dpa

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