Pannen beim Facebook-Börsengang Citigroup zu Millionenstrafe verdonnert

Kurz nach dem Börsengang stürzte der Aktienkurs von Facebook ab. Ein Grund: Beteiligte Banken hatten die Geschäftsprognosen gesenkt und die vertraulichen Informationen an gute Kunden weitergegeben. Die Citigroup muss deshalb jetzt eine Millionenstrafe zahlen und entlässt einen ihrer Staranalysten.

Citigroup-Filiale New York: Millionenstrafe wegen illegaler Weitergabe von Informationen
REUTERS

Citigroup-Filiale New York: Millionenstrafe wegen illegaler Weitergabe von Informationen


Boston/San Francisco - Der Facebook-Börsengang sorgt auch fünf Monate nach der Erstnotierung für Aufregung: Mit der Citigroup ist jetzt die erste Konsortialbank zu einer Strafzahlung verurteilt worden. Wegen der unrechtmäßigen Weitergabe vertraulicher Umsatzprognosen und Einschätzungen von Geschäftsrisiken vor dem Handelsstart muss die US-Großbank zwei Millionen Dollar zahlen, teilte die Finanzaufsicht des Bundesstaats Massachusetts mit.

Den beteiligten Instituten, den sogenannten Konsortialbanken, die den 16-Milliarden-Dollar-Facebook-Börsengang begleiteten, war es bis 40 Tage nach der Erstnotiz verboten gewesen, schriftlich über das weltgrößte soziale Online-Netzwerk zu berichten. Die Behörde untersucht auch das Verhalten der US-Großbanken Morgan Stanley, Goldman Sachs und JPMorgan.

Die Citigroup akzeptierte die Strafe und entließ wegen des Vorfalls ihren obersten Internetanalysten Mark Mahaney und einen seiner Mitarbeiter. Die Nachricht sorgte für Aufruhr im Silicon Valley, denn Mahaney ist in der Branche extrem beliebt, respektiert und gilt als absoluter Top-Analyst. Der Chef-Experte hat der Bank zufolge seinen Untergebenen nicht ausreichend überwacht, der Analysen an das Technik-Blog TechCrunch weitergab.

Der auch von technischen Pannen begleitete Facebook-Börsengang im Mai hat die Aufsichtsbehörden auf den Plan gerufen und ist Gegenstand mehrerer Klagen. Dabei steht auch die umstrittene Senkung von Geschäftsprognosen durch Banken kurz vor der Erstnotiz im Mittelpunkt, die nur an einen ausgewählten Kundenkreis gegangen sein sollen. Die Facebook-Aktie war nach dem mit großer Euphorie erwarteten Börsengang schon bald wegen aufkommender Zweifel an den Geschäftsaussichten abgestürzt.

nck/Reuters

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insgesamt 13 Beiträge
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Seite 1
goodspirit 27.10.2012
1. 2 Millonen Dollar...
und zwei Mitarbeiter entlassen. Solche drakonischen Strafen! werden sicher in Zukunft ähnliche Vorfälle verhindern.
Niamey 27.10.2012
2. Verstehe ich das richtig?
Zitat von sysopREUTERSKurz nach dem Börsengang stürzte der Aktienkurs von Facebook ab. Ein Grund: Beteiligte Banken hatten die Geschäftsprognosen gesenkt und die vertraulichen Informationen an gute Kunden weitergegeben. Die Citigroup muss deshalb jetzt eine Millionenstrafe zahlen und entlässt einen ihrer Staranalysten. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/citigroup-zahlt-zwei-millionen-wegen-pannen-beim-facebook-boersengang-a-863739.html
Im Umkehrschluss bedeutet das, dass FB und die beteiligten Banken den potentiellen Aktienkäufer zu betrūgen indem sie auf den aktuellen Zahlen des Konzerns basierende Geschäftsprognosen verheimlicht haben! Bald sind FB Aktien eh nur noch Pennystcks.
glennwolf 27.10.2012
3. Facebook
Zitat von sysopREUTERSKurz nach dem Börsengang stürzte der Aktienkurs von Facebook ab. Ein Grund: Beteiligte Banken hatten die Geschäftsprognosen gesenkt und die vertraulichen Informationen an gute Kunden weitergegeben. Die Citigroup muss deshalb jetzt eine Millionenstrafe zahlen und entlässt einen ihrer Staranalysten. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/citigroup-zahlt-zwei-millionen-wegen-pannen-beim-facebook-boersengang-a-863739.html
Warum werden diese Banken bestraft? Weil sie die vertrauliche Information über den Facebook-Tinnef nur an gute Kunden weitergegeben haben?
glennwolf 27.10.2012
4. Genau
Zitat von NiameyIm Umkehrschluss bedeutet das, dass FB und die beteiligten Banken den potentiellen Aktienkäufer zu betrūgen indem sie auf den aktuellen Zahlen des Konzerns basierende Geschäftsprognosen verheimlicht haben! Bald sind FB Aktien eh nur noch Pennystcks.
Warum wird Facebook nicht gleichermaßen zu einer Geldstrafe verdonnert wegen Betrug und Falschinformation?
zerberus und co. 27.10.2012
5. Journalistische Etikettenschwindel
Zitat von goodspiritund zwei Mitarbeiter entlassen. Solche drakonischen Strafen! werden sicher in Zukunft ähnliche Vorfälle verhindern.
... »Citigroup zu Millionenstrafe *verdonnert«* Klar doch! Der Donnerhall war um die ganze Welt zu hören und Citigroup wird jetzt Probleme haben, sich diese Summe am Kapitalmarkt zu besorgen! Wenn man ein Artikelchen schreiben will, das mit seiner wirklichen Botschaft im Zweifel niemand interessiert und so dürftig recherchiert ist, dass die eigentlich interessanten Vorgänge nicht zum Vorschein kommen, hängt man eben eine »donnernde« Überschrift drüber. Dieser journalistische Etikettenschwindel ist allerdings bei SPON schon längst an der Tagesordnung. Hauptsache Anzahl und Tacktgeschwindigkeit der Hits stimmen - kommt ja ohnehin in ein paar Minuten der nächste und die letzten 2 sind vergessen.
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