Kundenwunsch versus Umweltschutz Coca-Cola setzt auf Wegwerf-Flaschen

Coca-Cola füllt seine Getränke vermehrt in Einwegflaschen ab. Deutschland-Chef Ulrik Nehammer rechtfertigt den Kurswechsel mit dem Hinweis auf die Ökobilanz - und die Kundenwünsche.

Cola-Produktion: Anteil von Mehrwegflaschen weiter gesunken
REUTERS

Cola-Produktion: Anteil von Mehrwegflaschen weiter gesunken


Der Getränkekonzern Coca-Cola verteidigt seine teilweise Abwendung von Mehrwegflaschen. Dass künftig 0,5- und 1,5-Liter-Flaschen nur noch als Einwegverpackung angeboten werden, "spiegelt die Wirklichkeit im Markt wider", sagte der Vorstandschef von Coca-Cola in Deutschland, Ulrik Nehammer, der "Welt". Mehr als drei Viertel der alkoholfreien Erfrischungsgetränke würden hierzulande in Einwegpfandflaschen verkauft. Obwohl Coca-Cola "regelmäßig" für seine Angebote in Mehrwegverpackungen werbe, habe sich der Einweganteil bei dem Unternehmen binnen zehn Jahren verdreifacht.

Wegen der wachsenden Zahl von Single-Haushalten, vor allem in Großstädten, ließen sich Mehrwegkisten mit zehn 1,5-Liter-Flaschen immer schlechter verkaufen, erklärte Nehammer den Kurswechsel. Die 0,5-Liter-Flasche wiederum werde besonders gern unterwegs gekauft und dann oft anderswo zurückgegeben, sodass leere Flaschen und Kisten im großen Stil hin und her gebracht werden müssten. "Das Resultat sind jedes Jahr Hunderttausende von unproduktiv verfahrenen Kilometern. Das ist weder wirtschaftlich sinnvoll noch gut für die Umwelt", argumentierte Nehammer.

Der Unternehmenschef betonte zugleich, die Ökobilanzen von Einwegpfand- und Mehrwegflaschen hätten sich "in den letzten Jahren stark angenähert". Schließlich würden die mit Pfand versehenen Einwegflaschen "nahezu vollständig durch das Pfandsystem erfasst und recycelt".

Nach Angaben des Bundesumweltministeriums ist der Anteil von Mehrwegflaschen und ökologisch vorteilhaften Einwegflaschen in Deutschland weiter gesunken. Deswegen wird auch über eine klarere Kennzeichnung diskutiert. Nehammer mahnte, eine solche Vorschrift müsse "wohl überlegt sein", denn eine neue Kennzeichnung bedeute "viel Aufwand und Bürokratie". "Die Politik sollte daher sicher sein, dass der Aufwand gerechtfertigt ist und sich das gewünschte Ergebnis auch tatsächlich erreichen lässt."

mik/AFP



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