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05. Juni 2010, 10:37 Uhr

Comeback der Blechbüchse

Discounter setzen auf die Dose

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Die Bierdose ist zurück: Die Discounter Penny und Netto stellen pünktlich zur Fußball-WM wieder Büchsen in die Regale. Umweltschützer sind alarmiert, die Grünen sehen einen "Anschlag auf das Mehrwegsystem".

Hamburg - "Dosenbier macht schlau": Der Spaßsong von "Illegal 2001" erfreute sich in den neunziger Jahren großer Beliebtheit, weit über die Punkszene hinaus. Ähnlich war es auch mit der Büchse selbst, pro Jahr setzte der Handel rund acht Milliarden Stück ab.

Dann kam Jürgen Trittin. Der grüne Umweltminister führte 2003 ein Pfand auf Einweggetränke ein. Die Supermarktketten nahmen die Dosen fast vollständig aus dem Sortiment, weil sie sich plötzlich nicht mehr zu lohnen schienen. Dementsprechend wenige wurde von da an verkauft. Im vergangenen Jahr waren es nur noch knapp 750 Millionen Stück.

Doch nun setzen Discounter auf ein Comeback der Blechbüchse. Nach Penny gibt es ab Montag auch bei Netto wieder Getränkedosen. Zunächst nur Bier der Eigenmarke "Schloss Pils", weitere Angebote sind aber geplant, heißt es bei Netto. Die Dose sei "einfach eine runde Sache" und habe eine große Fangemeinde.

Naturschützer nennen den Schritt enttäuschend. Die Dose ist "mit Abstand die umweltschädlichste Verpackung", sagt Gerd Rosenkranz von der Deutschen Umwelthilfe. Er wundere sich über den neuen Anlauf der Discounter. "Beim Bier hat das Dosenpfand dazu geführt, dass die Verbraucher auf Glasflaschen umsteigen, warum sollen sie ihr Kaufverhalten wieder ändern?" 80 Prozent des Absatzes ist hier Mehrweg. Kaum ein Biertrinker mag die bunten Plastikflaschen der Discounter.

Diese rechtfertigen ihre Entscheidung mit der angeblichen gestiegenen Nachfrage und Vorteilen bei der Logistik, die Dosen sind leicht stapelbar, stabil und kompakt. Doch ein entscheidender Grund dürfte der Preis sein. Laut "Lebensmittel Zeitung" müssen die Unternehmen im Einkauf für eine Dose vier bis fünf Cent weniger zahlen als für eine Pet-Flasche. Zudem hätten die Dosenhersteller in den vergangenen Monaten ihre Lobbytätigkeiten verschärft.

Eine Sprecherin von Netto wollte diese Angaben nicht kommentieren. Sie wies jedoch darauf hin, dass die Dosen im Vergleich zu früher deutlich dünner geworden seien und "eine hohe Recycling-Quote haben". Zudem habe Netto im Gegensatz zur Konkurrenz ein umfangreiches Mehrwegsortiment.

Netto ist nach Aldi und Lidl der drittgrößte Discounter in Deutschland. Die beiden Schwergewichte der Branche wollten auf Anfrage von SPIEGEL ONLINE nicht dazu Stellung nahmen, ob sie künftig ebenfalls wieder Dosen anbieten.

Vor einer Woche hatte bereits der Rewe-Discounter Penny diesen Schritt angekündigt. Zunächst nur in Nordrhein-Westfalen, eine Ausweitung sei aber geplant, heißt es. Zudem setzt Penny neben Bier auch wieder Cola, Fanta und Sprite in Dosen ab.

Auch Edeka bereitet laut "Lebensmittel Zeitung" die Wiedereinführung von Getränkedosen vor. Manfred Neumann, Vorstandschef der Bünting-Gruppe, die für den Einkauf bei Kaiser's zuständig sind, bestätigte der "LZ" ebenfalls, dass Tests mit Cola und anderen Erfrischungsgetränken bereits angelaufen seien, Dosenbier werde in Kürze folgen. "Auf Dauer setzen sich die Kunden durch", sagte Neumann.

Für die Grünen-Abgeordnete Dorothea Steiner sind die Entscheidungen der Handelsketten ein "Anschlag auf das Mehrwegsystem". Trotz Dosenpfands sei der Anteil von Mehrwegverpackungen zuletzt gesunken, "weil die Discounter das System systematisch unterlaufen und Verbraucher täuschen", sagt Steiner.

Viele Kunden denken laut Umfragen, dass sie automatisch eine Mehrwegflasche kaufen, wenn sie Pfand dafür bezahlen. Dabei sind viele Pet-Flaschen weiterhin umweltschädliche Einwegprodukte. Steiner wirft Rewe vor, mit der Entscheidung beim konzerneigenen Discounter Penny die eigene Nachhaltigkeitskampagne zu unterlaufen.

Rewe hat erst vor wenigen Wochen sein Label "Pro Planet" gestartet, das durchaus für positive Resonanz sorgte. "Doch mit den Bierdosen macht der Konzern das nun alles wieder kaputt", sagt Steiner.

Mit Material von AFP

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