Frankfurt - Drei Jahre lang musste sich Martin Blessing mit einem Gehalt zufrieden geben, dass in der Branche als geradezu lächerlich gering gilt: 500.000 Euro bekam der Commerzbank-Chef - seine Bezüge waren gedeckelt, weil seine Bank Ende 2008 mit Staatshilfe vor dem Zusammenbruch gerettet worden war.
Mittlerweile darf Blessing zwar wieder mehr verdienen, doch er scheint so viel Gefallen an den dürren Jahren gefunden zu haben, dass er sie am liebsten gleich der ganzen Branche verordnen will. "Es wäre angemessen, das übertrieben hohe Gehaltsniveau wieder dem der Industrie anzunähern", sagte Blessing am Mittwoch auf einer "Handelsblatt"-Konferenz in Frankfurt. Die zuletzt oft übliche Praxis, Boni auf Basis von Bewertungen künstlicher Finanzprodukte auszuzahlen, sei falsch.
Das Gehaltsthema bewegt seit Monaten die Finanzbranche. In Großbritannien rebellieren Aktionäre gegen die hohen Boni der Vorstände. Und auch in Deutschland tut sich etwas. Der neue Deutsche-Bank-Chef Anshu Jain hatte kürzlich einen Kulturwandel in den Banken gefordert und versprochen, die Gehaltsstrukturen zu überprüfen.
Blessing sieht die einzelnen Institute dabei allerdings in einem Dilemma: "Wer sich beim Thema Vergütung zuerst bewegt und zu stark bewegt, wird verlieren - und zwar die talentiertesten Mitarbeiter."
Kritik an den Anleihenkäufen der Notenbank
Überraschend deutlich stellte sich der Commerzbank-Chef in seiner Rede gegen die geplanten Staatsanleihenkäufe der Europäischen Zentralbank (EZB). Die Pläne verstießen gegen das Mandat der EZB, sagte Blessing. "Ich kann mir nicht vorstellen wie durch einen Rechtsbruch langfristig Vertrauen aufgebaut werden kann."
Die Notenbank bereitet derzeit ein neues Programm zum Kauf von Anleihen von Euro-Staaten wie Spanien und Italien vor, um so deren Zinslast zu drücken. Details werden an diesem Donnerstag erwartet. Blessing befürchtet, dass die Aktion falsche Anreize für die Regierungen der Krisenstaaten setzt. "Es besteht die Gefahr, dass weiterhin nur Zeit gekauft wird, und der Reformdruck gemindert wird", sagte der Banker. Er bekannte aber auch: "An einer Vergemeinschaftung von Schulden in Europa führt auf Dauer kein Weg vorbei."
stk/dpa/Reuters
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