Jahresbilanz mit Mini-Gewinn: Commerzbank-Chef Blessing spart auch bei sich
Die Commerzbank hat im vergangenen Jahr nur noch einen Gesamtgewinn von knapp sechs Millionen Euro erzielt - vor allem das Privatkundengeschäft brach ein. Angesichts der schlechten Zahlen verzichtete Vorstandschef Blessing auf seinen Bonus - und sprach von einem langen Weg beim Umbau der Bank.
Frankfurt am Main - Die Commerzbank hat ihre Jahreszahlen für das vergangene Geschäftsjahr vorgelegt. Das Ergebnis ist enttäuschend, auch wenn die Zahlen nicht überraschen: Der Gesamtgewinn sank auf sechs Millionen Euro. Vor allem das Geschäft mit den elf Millionen Privatkunde läuft weiterhin schlecht: Der operative Gewinn in dem Segment fiel im vierten Quartal um rund die Hälfte auf 245 Millionen Euro, teilte die seit der Finanzkrise teilverstaatlichte Bank am Freitag in Frankfurt mit.
Trotz des geringen Gewinns soll der Bankenrettungsfonds Soffin für das Jahr 2012 erstmals die fälligen Zinsen auf seine Stille Einlage erhalten, rund 150 Millionen Euro. Eine Dividende für die Aktionäre gibt es dagegen nicht.
Zudem braucht die Commerzbank offenbar keine langfristigen Finanzspritzen der Europäischen Zentralbank (EZB) mehr. Die zweitgrößte deutsche Bank kündigte an, sie werde auch die restlichen rund sechs Milliarden Euro aus dem vor einem Jahr aufgelegten Langfrist-Tender Ende Februar und damit zum frühestmöglichen Zeitpunkt zurückgeben. Das Geld hatte sie für ihre Töchter in Italien und Spanien aufgenommen, um sich für ein Auseinanderbrechen der Euro-Zone zu wappnen. Bereits Ende Januar hatte sie zehn Milliarden Euro aus der ersten Finanzspritze der EZB zurückgegeben.
Der Konzernumbau wird die Bank zudem noch lange beschäftigen: "Wir haben 2012 die Voraussetzungen geschaffen, um die Bank neu auszurichten. Erste Maßnahmen greifen, aber klar ist: Der Weg ist lang", sagte Vorstandschef Martin Blessing. Dem Sparkurs sollen konzernweit bis zu 6000 Arbeitsplätze zum Opfer fallen, vor allem in den Filialen.
Wegen des fast auf Null gesunkenen Gewinns kürzt die Bank auch die Prämien: Die Boni für 2012 würden um 17 Prozent reduziert, bei den Investmentbankern sogar um 20 Prozent. Blessing habe seinen Bonus ganz ausgeschlagen, teilte Aufsichtsratschef Klaus-Peter Müller mit. Der Vorstandschef kann allerdings mit einem deutlich höheren Fixgehalt rechnen, weil es seit 2012 nicht mehr auf eine halbe Million Euro gedeckelt ist.
Bis 2016 hat Blessing sich für den Umbau Zeit genommen und für das laufende Jahr erneut maue Zahlen angekündigt: 2013 würden die Erträge erst einmal von den niedrigen Zinsen und dem weiteren Abbau des Immobilien- und Schiffskreditgeschäfts belastet, hieß es in einer Präsentation für Analysten. Zugleich seien erneut leicht steigende Rückstellungen für faule Kredite zu erwarten. Die Risikovorsorge war 2012 um 1,7 Milliarden Euro aufgestockt worden, ein Jahr zuvor waren es erst 1,4 Milliarden.
Abschreibungen in Höhe von fast 1,4 Milliarden Euro gingen 2012 allein auf das Konto der vor der Abwicklung anstehenden Immobilien- und Schiffsfinanzierungs-Sparte, die alleine 1,5 Milliarden Euro Verlust verbuchte. Sie macht mit 151 Milliarden Euro noch immer fast ein Viertel der Bilanzsumme der zweitgrößten deutschen Bank aus. Vorstandschef Blessing hat der Bank eine Schrumpfkur verschrieben. Mit den erhofften zwei Milliarden Euro Ertragssteigerungen sollen die dringend nötigen Investitionen etwa in die IT finanziert werden. Das Rückgrat der Commerzbank
bleibt das Geschäft mit dem Mittelstand, das 2012 1,65 Milliarden Euro abwarf.
Wegen der gesunkenen Bilanzrisiken braucht die Commerzbank weniger Eigenkapital, um die Risiken abzufedern. Dadurch erhöhte sie die harte Kernkapitalquote auf zwölf Prozent. Auch 2013 werde die Quote "komfortabel über neun Prozent" bleiben, sagte Finanzvorstand Stephan Engels. Nach dem von 2018 an voll geltenden -Basel III-Standard läge die Quote allerdings erst bei 7,6 Prozent und damit nur knapp über der von den Aufsehern geforderten Mindestausstattung.
nck/Reuters/dpa
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