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Commerzbank mit Milliardengewinn: Die bessere deutsche Bank

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Commerzbank-Zentrale in Frankfurt: Comeback nach der Krise Zur Großansicht
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Commerzbank-Zentrale in Frankfurt: Comeback nach der Krise

Die deutsche Finanzwelt steht kopf: Während die Deutsche Bank als größtes Geldhaus des Landes horrende Verluste schreibt, arbeitet sich die Commerzbank aus der Krise - und überrascht mit einem Milliardengewinn.

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Es gibt dieses Toilettenfoto aus der 49. Etage des Commerzbank-Turms. Hoch oben über dem Frankfurter Finanzviertel können die hohen Herren der Bank urinieren - und dabei auf die Konkurrenz herabschauen.

Zumindest zum Herabschauen gab es für die Commerzbank-Chefs allerdings jahrelang keinen Grund. In der Finanzkrise 2008 stand die zweitgrößte Bank des Landes kurz vor der Pleite - und musste mit insgesamt 18 Milliarden Euro an Steuergeldern gerettet werden. Die "Staatsbank" war das Gespött der Branche. Jahrelang mussten sich ihre Vorstände mit einem Jahresgehalt von 500.000 Euro begnügen. Für Banker in dieser Position ist das ein Kleckerbetrag, den auch die schönste Toilettenaussicht nicht aufwiegen kann.

Toilette in der Commerzbank-Zentrale: Herabschauen auf die Konkurrenz Zur Großansicht
DPA

Toilette in der Commerzbank-Zentrale: Herabschauen auf die Konkurrenz

Mittlerweile sieht die Lage wieder ganz anders aus: An diesem Freitag präsentierte die Commerzbank einen Gewinn von 1,06 Milliarden Euro. So viel wie seit Jahren nicht mehr. Auch eine Dividende für die Aktionäre soll es in diesem Frühjahr wieder geben - zum ersten Mal seit acht Jahren.

Entsprechend gelöst wirkte Commerzbank-Chef Martin Blessing bei seiner letzten Jahrespressekonferenz. Er hatte im vergangenen Herbst angekündigt, seinen im Oktober auslaufenden Vertrag nicht zu verlängern. "Wir hatten gute und weniger gute Momente", resümierte Blessing am Freitag.

Für seinen Abschied hätte er sich wohl kaum einen besseren Zeitpunkt aussuchen können. Noch vor drei Jahren stand Blessing kurz vor dem Rauswurf. So groß war der Unmut im Aufsichtsrat über die enttäuschend langsamen Fortschritte bei der Sanierung. Mittlerweile ist die Stimmung umgeschlagen: Liebend gerne hätte man den Vertrag des Vorstandschefs verlängert. Doch nun will er nicht mehr.

Die Commerzbank-Aktie steigt um 17 Prozent

Die Zahlen der Commerzbank Chart zeigen glänzen auch deshalb so hell, weil die der Konkurrenz so düster erscheinen. Die eigentliche Nummer eins des Landes, die Deutsche Bank Chart zeigen, musste kürzlich einen Verlust von 6,8 Milliarden Euro verkünden - das größte Minus in der 145-jährigen Geschichte. Die Investoren laufen dem einst so stolzen Kreditinstitut in Scharen davon. Zuletzt musste Vorstandschef John Cryan sogar versichern, dass die Bank ihre Schulden zurückzahlen kann.

Im Vergleich dazu steht die Commerzbank geradezu rosig da - auch wenn bei ihr noch längst nicht alles rund läuft: An die Renditeziele, die sie sich vor drei Jahren für das Jahr 2016 gesetzt hat, wird sie nicht rankommen, das machte Blessing am Freitag deutlich. Und an der Börse ist sie nach jahrelanger Krise immer noch weniger als halb so viel wert wie die Deutsche Bank.

Auch der Aktienkurs der Commerzbank war zuletzt deutlich eingebrochen, weil die Investoren den europäischen Banken generell wenig Vertrauen schenkten. Die guten Geschäftszahlen sorgten am Freitag allerdings für ein Comeback der Commerzbank-Papiere: Sie legten zeitweise um gut 17 Prozent zu.

In der Tat hat die Commerzbank in den vergangenen zwei, drei Jahren einiges richtig gemacht. Von den einst hochtrabenden Zielen, die mit der Übernahme der Dresdner Bank im Jahr 2008 einhergegangen waren, haben sich Blessing und seine Mitstreiter mittlerweile endgültig verabschiedet. Stattdessen konzentriert sich der Konzern mittlerweile auf das Geschäft mit mittelständischen Firmenkunden und Privatkunden.

  • Die aktuellen Zahlen zeigen, wie erfolgreich gerade die Privatkundensparte im vergangenen Jahr war. Immerhin lieferte sie mehr als ein Drittel des operativen Gewinns. Vor allem das Geschäft mit Immobilien- und Konsumentenkrediten legte kräftig zu. Insgesamt konnte die Bank nach eigenen Angaben seit Ende 2012 netto mehr als 800.000 Kunden gewinnen.
  • Auch die Risiken aus Schiffskrediten und anderen Problempapieren, die der Konzern in einer sogenannten Bad Bank gebündelt hatte, wurden seit 2012 von 160 auf 63 Milliarden Euro zurückgefahren.
  • Beruhigend auf die Investoren dürfte auch wirken, dass die Bank ihren einst sehr dünnen Eigenkapitalpuffer inzwischen etwas gestärkt hat und so künftige Krisen besser abfedern kann.

Blessing geht also mit dem beruhigenden Gefühl der Genugtuung - zumal er weiß, dass es für seinen Nachfolger in den kommenden Jahren nicht einfacher werden dürfte. Zur Konkurrenz von der Deutschen Bank verlor Blessing kein Wort. Diesen Sieg genießt er offenbar lieber still.

Zusammengefasst: Die Commerzbank hat mit 1,06 Milliarden Euro einen überraschend hohen Gewinn für 2015 verkündet - und steht damit deutlich besser da als die Deutsche Bank. Das liegt auch daran, dass sie ihre Ansprüche in den vergangenen Jahren heruntergeschraubt hat.

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1. Jawoll
gnarze 12.02.2016
18 Mia. staatliche Hilfen, um damit u.a. Kundenakquise in Form von kostenlosen Konten betreiben zu dürfen.
2.
pauschaltourist 12.02.2016
Sind die im Artikel genannten 18 Milliarden Staatshilfe denn eigentlich zurückgezahlt worden oder wird die Aktionärsdividente als relevanter eingestuft?
3. Genau
fleischwurstfachvorleger 12.02.2016
Zitat von gnarze18 Mia. staatliche Hilfen, um damit u.a. Kundenakquise in Form von kostenlosen Konten betreiben zu dürfen.
..und einer Zufriedenheitsgarantie, die nicht das Papier wert ist, auf dem sie gedruckt ist. Ich war Neukunde bei der comdirekt und nachweislich unzufrieden. So unzufrieden, dass ich nach 9 Monaten das Konto wieder gekündigt habe. Die Zufriedenheitsprämoe bekam ich allerdings nicht, da man mindestens 12 Monate bei der Bank hätte ausharren müssen.
4.
MatthiasPetersbach 12.02.2016
Aha….Erfolg durch Mittelstand und Privatkunden - und Abkehr von illusionistischen Renditezielen. Wer hätte es gedacht?
5. Sanierungsfall
Solid 12.02.2016
Werden von den satten Gewinnen auch die Spenden des Steuerzahlers an die Commerzbank im Rahmen der Rettung/Sanierung ausgeglichen?
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