Jobabbau Commerzbank rechnet Abfindungen von Mitarbeitern schön

Die Commerzbank greift bei ihrem Jobabbau offenbar zu seltsamen Methoden. Laut "Handelsblatt" plustert sie Abfindungen von Mitarbeitern auf, indem sie zu erwartende Arbeitslosengeldzahlungen mit einrechnet.

Zentrale der Commerzbank
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Zentrale der Commerzbank


Die Commerzbank macht Mitarbeitern den Vorruhestand offenbar mit merkwürdigen Methoden schmackhaft. Bei ihrem Abfindungsprogramm "56+" rechnet sie nach Angaben des "Handelsblatts" ihre Abfindungsangebote künstlich groß.

In einem Fall sei einem Mitarbeiter eine Abfindung von 507.000 Euro in Aussicht gestellt worden, berichtet die Zeitung unter Berufung auf interne Dokumente. Doch rund 58.000 Euro, also gut zehn Prozent der gesamten Abfindung, seien in Wahrheit Zahlungen der Bundesagentur für Arbeit.

"Von der Abfindungssumme wird der Betrag der Leistungen, die Herr X. von der Agentur für Arbeit aus der Arbeitslosenversicherung nach den individuellen Bedingungen für einen größtmöglichen Bezugszeitraum vom Arbeitslosengeld I erhalten kann, abgezogen", heißt es demnach in der Auflösungsvereinbarung für den Vertrag des entsprechenden Mitarbeiters.

Der Anwalt Christoph Abeln, der den Commerzbank-Mitarbeiter vertritt, kritisiert dieses Vorgehen. "Die Commerzbank ist das erste Institut, bei dem ich erlebe, dass die Arbeitslosenversicherung einen Teil der Abfindungszahlung darstellen soll", kritisiert er.

"Legal, aber nicht legitim"

Das Geldhaus selbst verteidigt das Programm, das seit November 2017 läuft. "Es wurde vor seiner Einführung der Bundesagentur für Arbeit vorgestellt und für rechtskonform befunden", sagte ein Commerzbank-Sprecher.

Anwalt Abeln findet das Vorgehen der Bank dennoch problematisch. "Das mag legal sein, aber es ist nicht legitim", sagt er. Auch mehrere andere Anwälte, die mit dem Fall nicht befasst sind, bezeichneten das Vorgehen der Commerzbank gegenüber dem "Handelsblatt" als seltsam.

Die Commerzbank hat im Herbst 2016 im Rahmen ihrer Strategie "Commerzbank 4.0" angekündigt, 9600 Vollzeitstellen zu streichen - einen Teil davon über Vorruhestandsregelungen. Ende vergangenen Jahres hatte die Bank noch 41.800 Vollzeitstellen.

ssu

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insgesamt 41 Beiträge
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Seite 1
marinero7 23.03.2018
1. Normal
Was ist daran ungewöhnlich? So wurde bei allen mir bekannten Sozialplänen in den letzten 30 Jahren in der Stahlindustrie gerechnet.
VGoj 23.03.2018
2. Wisst ihr noch?
Nachdem die Commerzbank im Zuge der Finanzkriese von uns allen gerettet werden musste, überfluteten sie, primär die Privatsender, mit der Botschaft: „ ...wir gaben verstanden...!“ Eingebettet war die Botschaft in mit schwulstiger Musik untermalten Bildern einer joggenden Blondine. Ab dem Zeitpunkt wisste ich, dass die nichts verstanden haben - keine 1000€ „Begrüssungsgeld“ hätten mich dazu verleitet, bei dem Verin ein Konto zu eröffnen. Und nun das...die Bilanz wieder auf Kosten der Allgemeinheit schönrecjnen! „Wir haben ‚auch’ verstanden“
alex77lubu 23.03.2018
3. Da sind sie nicht die ersten...
Millionen von Aufstockern zeigen doch, dass die Unternehmen sich hierzulande auf Kosten der Allgemeinheit sprich Sozialkassen aus der Verantwortung ziehen, faire Löhne und Gehälter zu bezahlen. Und Jens Spahn ätzt auch noch gegen die Bezieher der Transfereinkommen. Geht's noch? Vielleicht mal die Unternehmer in die Pflicht nehmen?
niewieda 23.03.2018
4. Trotzdem nicht ganz schlecht
Selbst das Angebot von 449000 € seitens der Bank wäre ja nicht ganz unwenig, oder?
nesmo 23.03.2018
5. Merkwürdig ist alles andere
Eine Abfindung von 508 TE für einen Mitarbeiter sind fünf Jahresgehälter bei TE 100 Jahresgehalt, das ist ziemlich viel, oder geht es um einen leitenden Mitarbeiter der TE 250 verdiente? Abfindungen sind frei verhandelbar, da kann man alle Vorteile die der Mitarbeiter erlangt mit einrechnen. Seit vielen Jahren werden Arbeitssengelder, die bis zur Rente noch abgegriffen werden können, miteingerechnet. Erstaunlich ist nur die Höhe des Arbeitslosengeldes von TE 58, da wegen einer Sperrfrist bei feiwilligem Ausscheiden maximal 18 Monate Arbeitslosengeld bezahlt werden. 58/18 = 3.022 Euro Arbeitlosengeld monatlich sind kaum möglich.
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