Spekulation mit Nahrung: Commerzbank stoppt Zockerei mit Lebensmitteln

Ihre Wetten auf Agrarpreise haben deutsche Banken in Verruf gebracht - nun zieht die Commerzbank offenbar Konsequenzen: Laut der Verbraucherorganisation Foodwatch steigt die Commerzbank aus dem Spekulationsgeschäft mit Nahrungsmitteln aus.

Weizenfeld: Riskante Spekulationen mit Nahrungsmitteln Zur Großansicht
dapd

Weizenfeld: Riskante Spekulationen mit Nahrungsmitteln

Berlin - Die Commerzbank stoppt ihre Wetten mit Nahrungsmitteln. Die zweitgrößte deutsche Bank habe vorsorglich alle Agrarprodukte aus dem Rohstoff-Fonds ComStage ETF CB Commodity EW Index TR herausgenommen, teilte die Verbraucherorganisation Foodwatch am Donnerstag in Berlin mit. Gleichzeitig habe die Commerzbank bestätigt, keine neuen börsennotierten Anlageprodukte auf Basis von Grundnahrungsmitteln mehr aufzulegen.

Die Banken stehen wegen ihrer Spekulationsgeschäfte mit Lebensmitteln in der Kritik. Großspekulanten und Kleinanleger treiben die Preise für Lebensmittel in die Höhe, verschärfen den Hunger in der Welt, stürzen Millionen Menschen in Armut und manchmal sogar in den Tod.

Foodwatch-Geschäftsführer Thilo Bode begrüßte die Entscheidung der Commerzbank, an diesen Geschäften nicht mehr teilzunehmen. "Am Handeln der Commerzbank sollten sich andere Häuser ein Beispiel nehmen", sagte er. "Allen voran die Deutsche Bank."

Die Deutsche Bank hatte angekündigt, ihre Geschäfte mit Agrarpreisen zu überprüfen. Die neue Führung der Bank habe der Ankündigung des ehemaligen Vorstandsvorsitzenden Josef Ackermann aber bislang zu wenig Taten folgen lassen.

Die Commerzbank rechnet angesichts der ungelösten Schuldenkrise in Europa und der schwächeren Wirtschaftslage in Deutschland mit einem sich weiter eintrübenden Geschäft. Das Konzernergebnis werde unter dem der ersten Jahreshälfte liegen, sagte Finanzvorstand Stephan Engels am Donnerstag in Frankfurt. Die Gefahr wachse, dass Kredite wieder stärker ausfallen.

ssu/dapd/dpa-AFX

Diesen Artikel...
  • Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.
  • Auf anderen Social Networks teilen

Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 57 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1. Bravo
franks meinung 09.08.2012
Das nenne ich mal eine gute Nachricht!
2. Löblich
dishmaster 09.08.2012
Zitat von sysopIhre Wetten auf Agrarpreise haben deutsche Banken in Verruf gebracht - nun zieht die Commerzbank offenbar Konsequenzen: Laut der Verbraucherorganisation Foodwatch steigt die Commerzbank aus dem Spekulationsgeschäft mit Nahrungsmitteln aus. Commerzbank stoppt Spekulation mit Lebensmitteln - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,849032,00.html)
Eine löbliche Entscheidung. Nur leider habe ich keine Begründung für diesen Schritt gesehen. Waren es wirklich ethische Bdenken? Das kann ich nicht glauben. Der Handel mit Nahrungsmitteln kann schon groteske Blüten treiben. So warb der Finanzdienstleister MLP vor etwa einem Jahr unverhohlen mit den großen Renditechancen von Nahrungsmittelzertifikaten, da ein drastischer Anstieg der Lebensmittelpreise zu erwarten sei. Zudem sei der Rohstoffmarkt insbesondere in Japan besonders lukrativ, da dort ein großer Teil des heimischen Markts nach der Tsunami/Fukushima-Katastrophe zusammenbrach und Rohstoffe importiert werden müssten, um den Neuaufbau voranzutreiben.
3. Gute Nachricht
Egonolsen 09.08.2012
... aber wo bleibt das Gewissen bei den anderen Rohstoffen die unter menschenunwürdigen Bedingungen, auch mit der Inkaufnahme vom Tod der Menschen die sie fördern, aus dem Boden geholt werden. Ganz zu schweigen von den Umweltschäden und den krankmachenden Lebensbedingungen in diesen Regionen. Ein Tropfen auf den heißen Stein. Und immer noch werden fast doppelt so viele Lebensmittel produziert wie wir verzehren können, weltweit. Das ganze System ist doch in einer Schräglage. Aber so lange es einen Markt gibt, so lange wird mit allem gehandelt. Machen wir es nicht tgl. mit dem Griff zu Billigprodukten beim Discounter?
4. optional
Broko 09.08.2012
Überhaupt ein Unding, dass Lebensmittel oder Rohstoffe überhaupt für derlei Zockereien freigegeben werden - an die Moral der Handelnden zu appelieren, bringt überhaupt nicht, dazu sind die beteiligten Person einfach moralisch zu verkommen.- Hier gäbe es ein weites Betätigungsfeld für Politiker, die ansonsten gerne schon mal den Krümmungsgrad von Bananen zumn Gegenstand ihrer Erölrterungen machen. Allerdings fürchte ich, dass wir auch bei Figuren ein ähnliches Charakterprofil vorfinden werden...
5. optional
Broko 09.08.2012
Überhaupt ein Unding, dass Lebensmittel oder Rohstoffe überhaupt für derlei Zockereien freigegeben werden - an die Moral der Handelnden zu appellieren, bringt überhaupt nichts, dazu sind die beteiligten Person einfach moralisch zu verkommen.- hier gäbe es ein weites Betätigungsfeld für Politiker, die ansonsten gerne schon mal den Krümmungsgrad von Bananen zum Gegenstand ihrer Erörterungen machen. Allerdings fürchte ich, dass wir auch bei diesen Figuren ein ähnliches Charakterprofil vorfinden werden...
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Wirtschaft
Twitter | RSS
alles aus der Rubrik Unternehmen & Märkte
RSS
alles zum Thema Commerzbank
RSS

© SPIEGEL ONLINE 2012
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH



  • Drucken Senden
  • Nutzungsrechte Feedback
  • Kommentieren | 57 Kommentare
Fotostrecke
Foodwatch-Report: Wie die Spekulanten die Preise treiben