Hamburg - Es wird ernst für die ehemaligen Top-Manager von Conergy
: Ex-Vorstands- und Aufsichtsratschef Dieter Ammer und fünf früheren Spitzenkräften des Solarunternehmens droht ein Prozess, weil sie mit falschen Firmeninformationen den Kurs der Aktie hochgetrieben haben sollen. Die Hamburger Staatsanwaltschaft hat Anklage wegen Verdachts der Marktmanipulation, der
Bilanzfälschung sowie des verbotenen Insiderhandels erhoben, teilte Oberstaatsanwalt Wilhelm Möllers mit.
Nach Überzeugung der Anklagebehörde sollen die Beschuldigten die Krise des Unternehmens verschleiert und mit dem Verkauf eigener Aktien rund 42 Millionen Euro erlöst haben. Der einstige Börsenstar Conergy kämpft seit Jahren mit roten Zahlen. In den Jahren 2007 bis 2009 machte das Solarunternehmen wegen Missmanagements hohe Verluste.
Die Vorwürfe beziehen sich auf die Zeit von Dezember 2006 bis April 2007. Die Staatsanwaltschaft wirft vier ehemaligen Vorständen vor, im Januar 2007 gemeinsam eine falsche Ad-hoc-Mitteilung mit börsenrelevanten Informationen herausgegeben zu haben. Darin hätten sie erklärt, der Überschuss für das Geschäftsjahr 2006 liege über dem des Vorjahres, aber unter den Erwartungen. Nach Darstellung der Anklagebehörde wurde jedoch kein Überschuss erwirtschaftet - der angegebene Jahresüberschuss von 30 bis 32 Millionen Euro sei auf unzulässige Bilanzierungen zurückzuführen.
Ermittlungen auch gegen Wirtschaftsprüfer
Mit den Angaben hätten die Ex-Vorstände versucht, das Vertrauen der Zulieferer und Kreditgeber nicht zu erschüttern, erklärte Möllers. "Sonst wäre der Aktienkurs negativ beeinflusst worden, und eine angestrebte Kapitalerhöhung wäre nicht zustande gekommen."
Auch das Konzernergebnis von knapp 46 Millionen Euro im Geschäftsbericht für das Jahr 2006 hält die Staatsanwaltschaft für falsch. Sie geht davon aus, dass es auf bewussten Bilanzierungsfehlern beruht - sonst hätte ein Verlust von etwa zwei Millionen Euro ausgewiesen werden müssen. Der damalige Aufsichtsratschef Ammer soll den Abschluss bestätigt haben. Auch gegen die Wirtschaftsprüfer, die die Bilanz testierten, läuft bei der Staatsanwaltschaft ein Ermittlungsverfahren.
Zudem wirft die Anklagebehörde den vier nun beschuldigten Ex-Vorständen vor, die bereits im März 2007 vom Aufsichtsrat beschlossene Demission des Finanzvorstands Heiko Piossek verspätet veröffentlicht zu haben. Sie sollen beschlossen haben, die Entscheidung bis Mai 2007 geheimzuhalten, veröffentlicht wurde die Information erst im Oktober 2007.
Allen sechs Beschuldigten wirft die Staatsanwaltschaft verbotenen Insiderhandel vor. Angesichts der "fortschreitenden negativen Entwicklung" von Conergy sollen sie selbst gehaltene Unternehmensaktien für insgesamt rund 42 Millionen Euro brutto verkauft haben. Vor einem Kurssturz hätten sie noch möglichst hohe Erlöse erzielen wollen, sagte Möllers.
Nun muss das Landgericht über die Zulässigkeit der 151 Seiten umfassenden Anklage entscheiden. Die Staatsanwaltschaft rechnet nicht damit, dass der Prozess noch in diesem Jahr beginnt.
fdi/dpa-AFX/dapd
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