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Mögliche Zukäufe: Conti setzt auf Digitalisierung und selbstfahrende Autos

Der Continental-Vorstandsvorsitzende Elmar Degenhart und der Finanzvorstand Wolfgang Schäfer (l-r) Zur Großansicht
DPA

Der Continental-Vorstandsvorsitzende Elmar Degenhart und der Finanzvorstand Wolfgang Schäfer (l-r)

Der Zulieferer Continental lotet mögliche Zukäufe in den Zukunftsfeldern Software und Sensoren aus. Der Wandel macht sich auch im Auftritt des Vorstands bemerkbar.

Continental will das Geschäft mit der Digitalisierung und selbstfahrenden Autos ausbauen. "Wir wollen in diesem Jahr die Chancen erschließen, die sich uns durch neue, digitale Mobilitätskonzepte eröffnen", kündigte Vorstandschef Elmar Degenhart bei der Präsentation der Bilanz 2015 an.

Elektronik, Sensorik und Software trügen bereits heute fast zwei Drittel zum Umsatz der Autosparte bei. Dieser Anteil solle weiter ausgebaut werden. Er könne sich Zukäufe vor allem bei Software und Sensoren vorstellen. Die Möglichkeiten dazu seien mittlerweile recht überschaubar, schränkte Degenhart ein.

Finanzvorstand Wolfgang Schäfer sagte, der Konzern könne für Zukäufe zwischen zwei und drei Milliarden Euro ausgegeben. Derzeit würden jedoch keine konkreten Gespräche mit Unternehmen geführt.

Conti ist in den vergangenen Jahren zu einem Technologieunternehmen mit 13.000 Software-Entwicklern herangewachsen. Die Elektronik übernimmt in den Autos immer mehr Aufgaben, davon profitiert auch der Zulieferer aus Hannover.

Auftritt ohne Binder

Das zeigte sich auch am Auftritt der Führungsspitze bei der Bilanzpressekonferenz. Zur Vorlage der Jahreszahlen verzichteten Konzernchef Elmar Degenhart und Finanzvorstand Wolfgang Schäfer erstmals auf Krawatten. "Wir passen uns den Gegebenheiten der Industrie an", sagte Degenhart.

Gleichzeitig hält die Traditionsfirma an ihrem Reifengeschäft fest, weil dies ein stabiler Gewinnbringer ist. Das Gummigeschäft, zu dem auch die Kautschuk-Tochter ContiTech gehört, trägt 40 Prozent zum Konzernumsatz von zuletzt knapp 40 Milliarden Euro bei.

Im vergangenen Jahr baute Conti diese Sparte durch die Übernahme des amerikanischen Kautschuk- und Kunststoffspezialisten Veyance für 1,4 Milliarden Euro aus. Dadurch will der nach Bosch weltweit zweitgrößte Zulieferer unabhängiger von Schwankungen im Automobilgeschäft werden. Später verleibten sich die Niedersachsen auch Softwarespezialisten Elektrobit Automotive in Erlangen sowie die auf Sensoren spezialisierte US-Firma ASC ein.

Die Netto-Finanzschulden kletterten um etwas mehr als 700 Millionen Euro auf 3,5 Milliarden Euro. Zum Jahresende verfügte das Unternehmen über ein Liquiditätspolster von 5,2 Milliarden Euro, davon 1,6 Milliarden an flüssigen Mitteln und 3,6 Milliarden an Kreditlinien.

Kräftiger Gewinnsprung

Den Gewinn steigerte der Konzern dank hoher Nachfrage seiner Kundschaft aus der Automobilindustrie in Europa und den USA im vergangenen Jahr kräftig. Der Nettogewinn kletterte um 14,8 Prozent auf 2,7 Milliarden Euro. Die Dividende wird um 50 Cent auf 3,75 Euro je Aktie erhöht. An der Börse kam dies gut an: Die Conti-Aktie gewann mehr als drei Prozent an Wert und führte die Gewinnerliste im Dax an.

Im laufenden Jahr will Conti den Umsatz organisch um fünf Prozent auf 41 Milliarden Euro steigern und die Rendite über 10,5 Prozent halten. Im abgelaufenen Jahr waren 11,8 Prozent vom Erlös als operativer Gewinn übriggeblieben. Die Analysten der Baader Bank trauen Conti eine Rendite von 11,5 Prozent zu, da der Konzern von seinen Geschäften in der Automobilindustrie profitiere sowie über ein starkes Reifengeschäft und Wachstumspotenzial in Asien verfüge.

brt/Reuters/dpa

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