Wirtschaft


Crashtest: Konzerntochter Chrysler hält Fiat über Wasser

Die Sanierungspläne der Fiat-Führung erfahren häufiger ein Facelift als die Modellpalette - eine zukunftsträchtige Idee war aber noch nicht dabei. Ohne die Gewinne der US-Konzerntochter stünden die Italiener auf beinahe aussichtslosem Posten. Die einzige Stärke: Marken mit klangvollen Namen.

Fiat: Konzern der klangvollen Namen
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TMN

Portfolio: Auf den ersten Blick verfügt Fiat/Chrysler über eine breite Modellpalette - Fiat, Lancia, Alfa Romeo, Ferrari, Jeep und Chrysler bieten alles vom kleinen Stadtwiesel bis hin zum Luxussportwagen. In Europa liefert jedoch nur der Fiat 500 nennenswerte Umsätze. Legendäre Marken wie Alfa Romeo und Lancia sind nur noch Schatten ihrer selbst. Dagegen erfreuen sich die Modelle unter dem Dach der Schwestermarke Chrysler in den USA großer Beliebtheit.

Technologie: Ein schicker Zweizylinder sollte im Fiat 500 für besondere Genügsamkeit sorgen, kann die gesetzten Erwartungen aber nicht ganz erfüllen. Ansonsten fällt den Ingenieuren des Fiat-Konzerns herzlich wenig zu den Fragen der Zukunft ein. Mit großer Ungeduld warten die Alfa-Fans auf den seit längerem angekündigten Sportwagen 4C. Der soll 2013 die Wiedergeburt Alfas auf dem US-Markt einleiten. Mit mehr als einer Kleinserie rechnet aber niemand im Konzern. Hybridtechnik oder Brennstoffzelle werden die Italiener bei Zulieferern einkaufen müssen.

Absatzmärkte: Dank Chrysler hat Fiat ein profitables Standbein auf den US-Markt. Nach den dramatischen Absatzrückgängen in Europa erwirtschaftet die US-Tochter Chrysler mit den Verkäufen in ihrer Heimat 45 Prozent des Konzernumsatzes. Auch Südamerika trägt mit 22 Prozent einen großen Teil dazu bei. In den Wachstumsmärkten Asien und China sind die Italoamerikaner dagegen praktisch nicht vertreten.

Profitabilität: Der Konzern lebt von seiner US-Tochter. Kaum drei Jahre nach der Übernahme überweisen die Amerikaner so viel Geld nach Turin, dass es sogar für schwarze Zahlen reicht. In den ersten neun Monaten erwirtschaftete die Fiat-Chrysler-Gruppe einen Nettogewinn von gut einer Milliarde Euro. Ohne Chrysler wäre ein Verlust von 800 Millionen Euro angefallen. Jetzt gilt es, das ungesunde Ungleichgewicht im Konzern auszugleichen - möglicherweise durch die Schließung von ein oder zwei Werken in Italien.

Betriebsklima: Auch wenn Konzernchef Sergio Marchionne immer wieder hochfliegende Pläne verkündet - die anhaltende Nachfrageschwäche kratzt inzwischen auch an seiner Glaubwürdigkeit. Auf die Stimmung drückt die Kurzarbeit in Turin und in den drei süditalienischen Standorten Cassino, Melfi und Pomigliano. Auch die Angestellten in den zentralen Entwicklungs- und Verwaltungsabteilungen in Turin verharren in Untätigkeit. Ein Teil der Misere geht aber auch auf das Konto der unnachgiebigen Gewerkschaften, die sich jeder Betriebsvereinbarung widersetzen.

Fiat: Viele Konzepte, kaum zukunftsträchtige IdeenZur Großansicht
DPA

Fiat: Viele Konzepte, kaum zukunftsträchtige Ideen

Crashtest-Urteil von SPIEGEL ONLINE:

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  • Donnerstag, 29.11.2012 – 13:10 Uhr
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