Absatzkrise in Europa: Überlebenskampf der Autobauer
Europas Autoindustrie erlebt eine historische Krise. Verkäufe und Umsätze rutschen ab, eine schnelle Erholung ist nicht in Sicht, Zigtausende Arbeitsplätze stehen auf dem Spiel. VW, Mercedes, Renault und Co. - wer geht unter?
Wer noch Belege für die historische Malaise der Autobranche in Europa suchte, der brauchte in dieser Woche nur nach Amsterdam zu schauen: Wegen der Wirtschaftskrise ist die dortige Messe AutoRai am Mittwoch abgesagt worden - es war das erste Mal seit dem Zweiten Weltkrieg. "Durch die Wirtschaftskrise stehen Importeure und Zulieferer der Autoindustrie unter starkem Druck", sagte der Direktor der Veranstalter, Olaf de Bruijn. Vor zwei Jahren kamen noch 270.000 Menschen zur AutoRai, es gibt die traditionsreiche Fahrzeugausstellung seit 1895.
Die Absatzkrise der Autoindustrie, sie ist keine kurze Durstrecke, wie sich mancher gerne einredete - sie ist zur historischen Bewährungsprobe für eine Schlüsselindustrie geworden, die rund zwei Millionen Menschen in Europa Arbeit gibt. Dauert die Malaise an, dürfte manchen Konzernen die Luft ausgehen.
In diesem Report untersuchen wir, welche europäischen Hersteller gut dastehen - und welche schlechte Überlebenschancen haben.
Verkaufszahlen aus diesem Jahr verdeutlichen die Dimension des Problems: In den ersten neun Monaten 2012 wurden in Europa nur noch 10,7 Millionen neue Pkw ausgeliefert. Nach Schätzungen von Marktbeobachtern werden es bis zum Jahresende allenfalls 12,5 Millionen sein - so wenige wie seit 20 Jahren nicht mehr. Allein in Spanien sind die Verkäufe in den vergangenen fünf Jahren um fast 50 Prozent zurückgegangen. "Der europäischen Autoindustrie stehen mindestens drei schwere Jahre bevor", prophezeit Ferdinand Dudenhöffer, Leiter des CAR-Centers an der Universität Duisburg-Essen. Für das kommende Jahr befürchtet er sogar noch einen weiteren spürbaren Rückgang. Kaum mehr als 11,6 Millionen Autos, so seine Schätzung, werden 2013 neu zugelassen.
Felix Kuhnert, Autoexperte der Unternehmensberatung PwC, glaubt sogar, dass die Autoindustrie erst 2018 wieder an alte Zeiten anknüpfen kann. Bereits jetzt arbeiteten 15 Automobilwerke mit einer Auslastung von weniger als 50 Prozent. Mit Gewinn lässt sich eine Autofabrik dagegen erst betreiben, wenn sie eine Auslastung von rund 85 Prozent erreicht. Die Frage ist also nicht mehr, ob Werke schließen müssen - sondern wann.
Welchen der europäischen Autokonzerne erwischt es als ersten? Volumenhersteller wie Fiat, Renault oder Opel, deren Absatzmärkte in Südeuropa nahezu weggebrochen sind? Oder Premiumhersteller wie BMW oder Mercedes, die für ihre Geschäfte zunehmend auf die Nachfrage in Asien und den USA angewiesen sind.
SPIEGEL ONLINE unterzieht die großen acht Konzerne in Europa einem Crashtest - wo liegen ihre Stärken und Schwächen? Wie sind ihre Aussichten? Wie in einem richtigen Crashtest gibt es maximal fünf Sterne zu erringen.
- Volkswagen - Krösus aus Wolfsburg
- Mercedes profitiert von Premiumrendite
- BMW hat sicheres Standbein in den USA
- Weltkonzern Renault gerät in Bedrängnis
- Ohne Alimente aus den USA ist Ford in Not
- Konzerntochter Chrysler hält Fiat über Wasser
- PSA ohne erkennbare Krisenstrategie
- Opel-Werker zittern vor dem Spardiktat aus Detroit
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- Donnerstag, 29.11.2012 – 13:12 Uhr
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