Crashtest: Opel-Werker zittern vor dem Diktat aus Detroit

Aller Treueschwüre aus der GM-Zentrale in Detroit zum Trotz: Für Opel bedeutet die schwere Absatzkrise in Europa akute Existenzgefahr. Die Verluste summieren sich jedes Jahr zu Milliardenbeträgen - und es ist kein Konzept in Sicht, das die Misere beenden könnte.

Opel: Ein Klein-SUV als Hoffnungsträger Fotos

Portfolio: Astra, Corsa, Zafira und Insignia - unter den wichtigsten Segmenten ist Opel mit ehrlichen und ordentlich gestalteten Modellen vertreten. Große Erwartungen knüpfen sich an den neuen Kleinwagen Adam und den SUV namens Mokka. Die Flotte gilt als die beste, die die Rüsselsheimer je gebaut haben.

Technologie: Mit dem Ampera - einer Limousine mit Elektroantrieb und einem Benzinmotor zur Verlängerung der Reichweite - hoffte Opel, sein Image als Hersteller von Brot-und-Butter-Autos abstreifen zu können. Fraglich bleibt allerdings, ob Opel so lange überlebt, bis die anspruchsvolle Antriebstechnologie von den Käufern akzeptiert wird. Auch mit der Brennstoffzelle, die den Strom für den E-Motor aus Wasserstoff gewinnt, sind die Rüsselsheimer den meisten Konkurrenten in Europa voraus. Die Entwicklung müssen sie allerdings im Alleingang voranbringen. Die Allianz mit BMW ist gescheitert, die mit PSA steht kurz vor den Aus.

Absatzmärkte: Die GM-Bosse in Detroit zwängen die Konzern-Tochter in ein enges Korsett: Im Wesentlichen müssen die Rüsselsheimer mit den wegbrechenden Märkten in Europa zurechtkommen. Lediglich in Russland ist die Marke noch vertreten. Selbst eine radikale Abkehr von dieser Strategie würde die akuten Probleme kurzfristig nicht lösen, weil Opel außerhalb Europas nahezu unbekannt ist. Die Aussichten sind entsprechend düster. Einziger Lichtblick: Die Plattformen der in China und Brasilien erfolgreichen GM-Modelle Celta (Chevrolet) und Excelle (Buick) liefern die Rüsselsheimer.

Profitabilität: Seit Jahren schleppt Opel große Überkapazitäten mit sich herum. Die sieben europäischen Werke sind für den Bau von 1,6 Millionen Fahrzeugen ausgelegt, verkauft werden in diesem Jahr etwa 1,1 Millionen Fahrzeuge. Damit wird Opel auch 2012 wieder tiefrote Zahlen ausweisen. Die GM-Führung setzt eher auf eine weitere Schrumpfung, als über eine bessere Auslastung nachzudenken, wie das Beispiel Mokka belegt. Der Mini-SUV wird in Korea produziert und nicht wie ursprünglich vorgesehen in Europa. Auch die Hoffnungen auf Synergien durch eine Allianz mit dem PSA-Konzern drohen sich zu zerschlagen.

Betriebsklima: Seit Jahren durchlebt die Opel-Belegschaft Wechselbäder. Die Bereitschaft zum Kompromiss ist weitgehend aufgebraucht. Der damalige Interimschef Stephen Girsky trug im Sommer nicht eben zur Stimmungsaufhellung bei, als er der Belegschaft eine Verlierermentalität attestierte. Erst dieser Tage sah sich GM-Chef Dan Akerson nach immer wieder aufkommenden Gerüchten um einen möglichen Verkauf von Opel genötigt, einen Treuschwur zu leisten. "Manche Analysten haben [...] empfohlen, Opel zu verkaufen oder das Europageschäft einfach ganz aufzugeben. Nichts liegt mir ferner als das".

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