Crashtest Renault gerät in Bedrängnis

Ebenso wie PSA ist auch Renault bedrängt von schrumpfenden Märkten, renitenten Gewerkschaften und querschießenden Politikern. Trotzdem sind die Voraussetzungen günstiger. Denn Renault hat durch Kooperationen und Beteiligungen weltweit viele Eisen im Feuer - hinzu kommt die E-Mobil-Expertise.

Jürgen Pander

Portfolio: Die Renault-Palette reicht vom Kleinwagen bis hin zur oberen Mittelklasse-Limousine. Nach oben hin rundet die Nobelmarke der Konzerntochter Nissan die Palette mit dem Infiniti M und FX das Programm ab. Eine Sonderrolle spielt der Espace, der als Urvater der Vans gilt. Der Kleinwagen Clio ist die tragende Säule der Renault-Palette. Als größter Erfolg der vergangenen Jahre gilt jedoch die Konzern-Tochter Dacia, die funktionale Autos zum Discountpreis bereithält. Die Bindung der Kunden an die Marke ist jedoch ausgesprochen schwach.

Technologie: Die herkömmlichen Autos aus dem Renault-Konzern warten allesamt mit technischer Hausmannskost auf. Lediglich Infiniti steuert Hybridtechnik bei. Punkte als technologischer Vorreiter sammelt der Konzern mit dem Elektroantrieb. Der Kleinwagen Zoe und das Minimalmobil Twizy wecken dabei die meiste Aufmerksamkeit. Gemeinsam mit dem Elektrospezialisten Better Place wollte Renault ein Wechselsystem für die Batterien von E-Mobilen etablieren. Das Geschäft gestaltet sich jedoch weit schwieriger als gedacht. Abzuwarten bleibt auch, wie sich die Zusammenarbeit mit Mercedes entwickelt.

Absatzmärkte: Wohl kaum ein europäischer Autokonzern ist so stark auf den heimischen Markt angewiesen wie Renault. Mehr als 60 Prozent der Produktion werden in den EU-Staaten verkauft. Lediglich Dacia bleibt relativ unbehelligt von der einbrechenden EU-Nachfrage. In China haben die Franzosen mit rund 30.000 verkauften Autos wenigstens einen Fuß in der Tür. Bis 2016 soll dort eine Fabrik entstehen, um stärker vom Wachstum in diesem wichtigen Markt profitieren zu können. Die Beteiligung an Lada-Hersteller Avtovaz soll den Weg auf den russischen Markt ebnen. Nissan deckt die Märkte in Fernost ab.

Profitabilität: Die Allianz mit Nissan soll Experten zufolge von 2016 an jährliche Einsparungen von vier Milliarden Euro erbringen, die engere Kooperation soll 3000 Jobs überflüssig machen. Auf Entlassungen will man nach Möglichkeit verzichten. 1000 Mitarbeiter im Werk Sandouville müssen sich allerdings auf Kündigungen einstellen. Dabei wird es jedoch nicht bleiben können, wenn die Nachfrage weiter zurückgeht. Denn die Fabriken sind mit nur 75 Prozent Auslastung weit von der Rentabilitätsschwelle entfernt. Die brach liegenden Anlagen kosten Renault laut UBS jährlich 1,3 Milliarden Euro. Insgesamt ist die Marge mit 2,5 Prozent gefährlich niedrig.

Betriebsfrieden: Renault-Chef Carlos Ghosn hat mit selbstbewussten Gewerkschaften zu kämpfen, wenn er Sparmaßnahmen im Konzern durchsetzen will. Die unrentablen Werke in Frankreich genießen politischen Schutz. Die Verlagerung in die produktiveren Fabriken in Spanien, Nordafrika und Osteuropa dürfte deshalb kaum zu realisieren sein.

DPA

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