Geheimkonten US-Steuerstreit kostet Credit Suisse 2,5 Milliarden Dollar

Die US-Behörden lassen die Schweizer Bank Credit Suisse wegen Beihilfe zur Steuerhinterziehung bluten. Das Kreditinstitut muss einem Bericht zufolge knapp 2,5 Milliarden Dollar Strafe zahlen und seine Schuld eingestehen. Eine gute Nachricht gibt es für die Bank aber auch.

Credit Suisse: Schweizer Großbank kommen Geheimkonten teuer zu stehen
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Credit Suisse: Schweizer Großbank kommen Geheimkonten teuer zu stehen


Washington/Zürich - Der Steuerstreit mit den USA kommt die Schweizer Großbank Credit Suisse wohl noch teurer zu stehen als bislang gedacht. Das Kreditinstitut müsse knapp 2,5 Milliarden Dollar an die US-Behörden zahlen, berichtet das "Wall Street Journal" (WSJ) am Donnerstag unter Berufung auf mit der Angelegenheit vertraute Personen. Anfang Mai war noch über eine Strafe von bis zu 1,6 Milliarden Dollar spekuliert worden.

Bereits in der nächsten Woche könnte die Vereinbarung mit den USA bekannt gegeben werden, hieß es in dem Bericht weiter. Demnach werde sich die Bank im Rahmen der Einigung auch zur Beihilfe zu Steuerhinterziehungen schuldig bekennen. Anders als von einigen Vertretern der Finanzbranche befürchtet, soll dies aber nicht mit dem Verlust der Geschäftslizenz in den USA einhergehen. Das wäre eine gute Nachricht für Credit Suisse.

Credit Suisse steht im Verdacht, US-Bürgern bei der Steuerflucht geholfen zu haben. Laut einem Bericht des US-Senats führte die zweitgrößte Schweizer Bank Geheimkonten von Tausenden US-Kunden, auf denen mehrere Milliarden Dollar geparkt waren. Bankchef Brady Dougan hatte bei einer Anhörung im US-Kongress Ende Februar von einem "Fehlverhalten" einiger Angestellter gesprochen, eine Verwicklung des Managements aber zurückgewiesen.

In dem Steuerstreit zeigt die US-Regierung klare Kante: Erst vor wenigen Tagen hatte US-Justizminister Eric Holderein hartes Vorgehen gegen kriminelle Machenschaften im Bankensektor angekündigt. Keine Person und keine Firma, die der amerikanischen Wirtschaft schade, stehe über dem Gesetz, erklärte Holder Anfang Mai in einer Videobotschaft. Das gelte auch für große Unternehmen. Niemand sei zu groß fürs Gefängnis, "Too big to jail" gebe es nicht, betonte der Minister in Abwandlung des aus den Regulierungsdebatten bekannten Begriffs des "Too big to fail" ("zu groß, um pleitezugehen").

Sollte die Strafe gegen Credit Suisse tatsächlich knapp 2,5 Milliarden Euro betragen, wäre sie drei Mal so hoch wie die 780 Millionen Dollar, die UBS 2009 in einem ähnlichen Verfahren zahlte. Erst Anfang April hatte Credit Suisse die Rückstellungen für die Steuer-Auseinandersetzung in den USA um 425 Millionen Franken (484 Mio Dollar) erhöht. Davor hatte sie 196,5 Millionen Dollar für das Ermittlungsende durch die US-Wertpapieraufsichtsbehörde SEC bezahlt.

Die Ermittlungen gegen Credit Suisse und rund ein Dutzend weiterer Schweizer Geldhäuser wegen Beihilfe zur Steuerflucht waren im Jahr 2011 aufgenommen worden.

jbe/Reuters/dpa



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drake2tausend 16.05.2014
1. Gott lobe Amerika
Endlich mal wieder was Gutes, was man jenseits des Atlantiks politisch unternimmt. Ein Schäuble würde sich das niemals trauen - das wäre gegen das Interesse der eigenen Partei.
CONTRAST 16.05.2014
2. Hier im Forum sind doch Juristen!?
Zitat von sysopREUTERSDie US-Behörden lassen die Schweizer Bank Credit Suisse wegen Beihilfe zur Steuerhinterziehung bluten. Das Kreditinstitut muss einem Bericht zufolge knapp 2,5 Milliarden Dollar Strafe zahlen und seine Schuld eingestehen. Eine gute Nachricht gibt es für die Bank aber auch. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/bericht-us-steuerstreit-kostet-credit-suisse-2-5-milliarden-dollar-a-969730.html
Mit welcher Berechtigung können die USA so hohe Strafen aussprechen? Warum Schuld eingestehen? Wieso hat die Kontrolle der US Behörden im Fall Leman Bank Desaster total versagt? Warum hat die EU oder die EZB nicht die USA auf Schadenersatz verklagt, bzw. eine Strafe von mindestens 10 Milliarden EURO ausgesprochen???
muttisbester 16.05.2014
3. ...Deutschland bekam ein Zehntel
Jaja, die Deutschen Behörden sind halt blöd, oder korrupt genug, um sich mit mini Strafen abspeisen zu lassen. Na wenigstens schmeißen die Schweizer jetzt die Steuerhinterzieher raus. Wobei sie den Amis wiederum direkt noch Namen und Daten liefern. Ach ja, Korruption findet ja zum Glück immer nur woanders statt...
datcynex 16.05.2014
4. 2,5 Mrd. $
In Amerika werden noch vernünftige Strafen verhängt... Die Steuerhinterzieher entziehen sich der gesellschaftlichen Verpflichtung und da nun endlich das Bankgeheimnis gefallen ist, können die hiesigen Finanzminister auf mehr Steuereinnahmen hoffen :D
Altesocke 16.05.2014
5. LoL
"von einem "Fehlverhalten" einiger Angestellter gesprochen, eine Verwicklung des Managements aber zurückgewiesen." Ist halt schwer, gute Angestellte zu finden. Aber glaubt wirklich jemand daran, dass das Managment nicht weiss, was vorgeht? Wurde das denn nun entlassen? Wegen Unfaehigkeit? Wurden die Boni zurueckgefordert? Von den Managern, meine ich? Wessen (Angestellten)Koepfe sind denn gerollt?
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