Essen - ThyssenKrupp hat einen Nachfolger für Gerhard Cromme gefunden: Der ehemalige Henkel-Chef Ulrich Lehner soll neuer Aufsichtsratschef des Stahlkonzerns werden. Das teilte das Unternehmen am Mittwochabend mit. Anteilseigner und Arbeitnehmervertreter einigten sich dem Konzern zufolge darauf, Lehner in einer Sondersitzung am 19. März zu wählen. Andere Mandate werde er dann niederlegen.
Der 66-jährige Lehner gehört dem ThyssenKrupp-Aufsichtsrat seit 2008 an. Zudem war er bislang Aufsichtsratschef der Deutschen Telekom
und Interimspräsident des Schweizer Pharmakonzerns Novartis
. Dort hatten zuletzt Pläne für eine Zahlung von knapp 60 Millionen Euro an den scheidenden Novartis-Präsidenten Daniel Vasella massive Kritik ausgelöst. Lehner hatte nach dem Proteststurm mehr Transparenz gelobt.
Der Aufsichtsrat unterstütze die vom Vorstand angestoßene Neuausrichtung des Unternehmens und den damit verbundenen Kulturwandel, hieß es weiter. ThyssenKrupp
kämpft mit Milliardenverlusten durch missratene Investitionen in Amerika und ist Vorwürfen wegen Kartellabsprachen und Korruption ausgesetzt.
Das Management arbeitet derzeit an einem Umbau des Essener Traditionskonzerns. Der Vorstand kündigte an, er wolle rund 2000 Stellen im kriselnden Stahlgeschäft abbauen und weitere 1800 zur Disposition stellen. Der Betriebsrat forderte am Mittwoch einen Verzicht auf betriebsbedingte Kündigungen. Dazu wollen die Arbeitnehmervertreter eine Vereinbarung mit dem Vorstand schließen.
Der langjährige Chefaufseher Cromme hatte in der vergangenen Woche nach massiver Kritik seinen Rücktritt für Ende März angekündigt. Er gibt auch seine Position als stellvertretender Vorsitzender der mächtigen Krupp-Stiftung auf, die 25,3 Prozent der Anteile an dem größten deutschen Stahlkonzern hält.
dab/Reuters/dpa
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