Untertürkheim Daimler-Betriebsrat distanziert sich von rechten Kollegen

Vier der 45 Betriebsratsmitglieder im Daimler-Stammwerk gehören der rechten Gruppierung "Zentrum Automobil" an. Jetzt äußern ihre Kollegen in einer Erklärung offen ihre Ablehnung.

Daimler-Werk Untertürkheim (Archiv)
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Daimler-Werk Untertürkheim (Archiv)


Der Betriebsrat des Daimler-Werks in Untertürkheim hat sich in einer ausführlichen Erklärung von rechtsgesinnten Mitgliedern des Gremiums distanziert.

Die andauernde negative Berichterstattung über die rechte Gruppierung "Zentrum Automobil" schade dem Ruf der Belegschaft, heißt es in dem Schreiben. "Das Werk Untertürkheim erscheint in den Medien mittlerweile als ein Sammelbecken für Neonazis und ein Zentrum rechtsextremer Umtriebe."

Über die vier Betriebsratsmitglieder von "Zentrum Automobil" waren in den vergangenen Monaten immer wieder Medienberichte erschienen. Demnach sollen sie enge Kontakte zur rechtsextremen Szene haben.

Aussagen vor dem NSU-Untersuchungsausschuss

In den Berichten war von Auftritten bei Kundgebungen der AfD und Pegida die Rede, von früheren Mitgliedschaften bei der verbotenen Neonaziorganisation Wiking-Jugend und der Skinhead-Truppe "Kreuzritter für Deutschland".

Auch mit der Terrorgruppe Nationalsozialistischer Untergrund (NSU) werden drei der vier Betriebsräte in Verbindung gebracht - zwei hatten sogar vor dem NSU-Untersuchungsausschuss in Stuttgart aussagen müssen.

Zetsche zeigt sich alarmiert

Loswerden können die anderen 41 Betriebsräte des Werks die Kollegen nicht. Aber sie distanzieren sich "von allem rechtsradikalen und neonazistischen Gedankengut". Im Werk Untertürkheim arbeiteten Menschen aus mehr als 50 Nationen, der Betriebsrat diene den Belangen und Interessen der Belegschaft und dürfe nicht für fremde politische Zwecke missbraucht werden.

Diskutiert hatte der Betriebsrat das Thema am Dienstag - die Gruppe "Zentrum Automobil" habe jedoch nicht Stellung bezogen, sondern sei einschließlich der Stellvertreter ferngeblieben. Anfang März finden im Werk Untertürkheim Betriebsratswahlen statt.

Daimler-Chef Dieter Zetsche hatte vor knapp zwei Wochen in der "Süddeutschen Zeitung" dafür plädiert, den Einfluss der Gruppierungen bei den Betriebsratswahlen kleinzuhalten. "Ich fordere die Mitarbeiter zu einer hohen Beteiligung an der Wahl auf", sagte er .

brt/dpa



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