Stuttgart/London - Arabische Investoren waren bei Daimler nicht glücklich, jetzt wollen es offenbar die Chinesen bei dem deutschen Autokonzern versuchen: Der Staatsfonds China Investment Cooperation (CIC) will vier bis zehn Prozent der Daimler-Anteile kaufen, berichtet die staatliche chinesische Zeitung "People's Daily" auf ihrer Internetseite unter Berufung auf Insider. Das Anteilspaket hätte einen Marktwert von 1,8 bis 4,5 Milliarden Euro. Erst kürzlich hatte der Staatsfonds Aabar aus Abu Dhabi seine Anteile an Daimler
verkauft.
Der Fonds habe den Bericht nicht kommentieren wollen, schreibt die Zeitung. Daimler wollte die Informationen ebenfalls nicht kommentieren. Eine Sprecherin sagte lediglich, dass das Unternehmen neue Investoren generell willkommen heiße. An der Börse kam die Nachricht gut an. Die Aktien des Autobauers stiegen gegen den Branchentrend um bis zu 2,3 Prozent auf ein Neunmonatshoch.
Einem Bericht des "Wall Street Journal Deutschland" zufolge ist an den Verhandlungen jedoch nichts dran. CIC spreche nicht über einen Anteilskauf, sagte eine mit der Situation vertraute Person.
Das Interesse klingt jedoch plausibel: Bereits Ende 2011 hatte das manager magazin über einen möglichen CIC-Einstieg bei Daimler geschrieben. Unter Berufung auf Konzernkreise schrieb das Magazin, dass man einen chinesischen Investor für eine fünf- bis zehnprozentige Beteiligung suche. CIC galt schon damals als Favorit.
Im vergangenen Oktober hatte der abu-dhabische Staatsfonds Aabar seine verbliebenen Stimmrechtsanteile abgestoßen und hält nun nur noch indirekt Zugriffsrechte auf Daimler-Papiere. Im Gegensatz zu BMW
oder Volkswagen
, die mit der Familie Quandt beziehungsweise den Familien Porsche/Piëch und dem Land Niedersachsen große Ankeraktionäre im Unternehmen haben, befinden sich die Daimler-Aktien weitgehend im Streubesitz.
Der CIC zählt mit mehr als 3,2 Billionen Dollar zu den weltweit größten Staatsfonds. Das Kapital stammt aus den chinesischen Devisenreserven. Einer Studie der Unternehmensberatung PricewaterhouseCoopers (PwC) haben der chinesische Staat und chinesische Unternehmen im vergangenen Jahr mehr als elf Milliarden Euro in Ländern der Europäischen Union investiert. Beliebtestes Ziel chinesischer Investitionen in Europa ist demnach Deutschland.
Der CIC kaufte im vergangenen Jahr beispielsweise einen Siebenprozentanteil am europäischen Satellitenbetreiber Eutelsat und einen Anteil von 8,7 Prozent am britischen Wasserversorger Thames Water.
yes/dpa
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