Verpasste Fristen bei Daimler-Einstieg Geely droht Bußgeld in Millionenhöhe

Mit einem spektakulären Coup wurde Geely zum Großaktionär von Daimler. Doch der chinesische Autohersteller soll seine Beteiligung der Finanzdienstleistungsaufsicht zu spät gemeldet haben. Eine empfindliche Strafe droht.

Geely-Eigner Li Shufu und Daimler-Chef Dieter Zetsche
AFP; DPA

Geely-Eigner Li Shufu und Daimler-Chef Dieter Zetsche


Wegen verpasster Meldefristen beim Daimler-Einstieg muss der chinesische Autobauer Geely mit einem Millionen-Bußgeld rechnen. Wie die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" (FAZ) und das "Handelsblatt" berichteten, hätte Geely-Chef Li Shufu der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin) die bevorstehende Beteiligung früher melden müssen.

Das "Handelsblatt" zitierte eine Bafin-Sprecherin mit den Worten: "Ob dies auch bußgeldrechtlich relevant sein könnte, sehen wir uns an." Im Fall von Verstößen gegen das Wertpapierhandelsgesetz können die Finanzaufseher Bußgelder in Millionenhöhe aussprechen.

Der Milliardär Li Shufu war im Februar mit 9,7 Prozent bei Daimler eingestiegen. Er ist damit der größte Anteilseigner, noch vor dem Emirat Kuwait. Für eine solche Größenordnung besteht eine Meldepflicht. Laut den Berichten kam die entsprechende Meldung am 23. Februar und damit einen Tag zu spät.

Nach dem überraschenden Einstieg des Geely-Konzerns bei Daimler hatte die Bundesregierung angekündigt, die Meldevorschriften im Wertpapierhandelsgesetz zu überprüfen. Der CSU-Finanzpolitiker Hans Michelbach forderte in der "FAZ", das Gesetz zu verschärfen, um mehr Transparenz schon in der Anbahnung von Anteilskäufen zu erreichen.

Geely hält an mehreren Autoherstellern Beteiligungen

Geely hält mittlerweile mehrere Beteiligungen im Automobilbereich. So gehören unter anderem Volvo Cars und die London EV Company, Hersteller für Taxis, zu 100 Prozent den Chinesen, 8,2 Prozent hält das Unternehmen an Volvo Trucks, 49,9 Prozent an Proton. 2016 gründete Geely Lynk & Co, eine chinesische Marke für stark vernetzte Fahrzeuge, die sich nicht auf den heimischen Markt beschränken will, sondern auch einen Start in Europa und den USA plant.

mhu/dpa

Mehr zum Thema


insgesamt 11 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
joG 12.05.2018
1. Ich bin völlig dafür....
...bei solchen und allen anderen Vergehen die volle Härte des Gesetzes anzuwenden. In einer Zeit in der uns vorgeworfen wird Handelshemmnisse gegen Ausländer mit einer unüberschaubaren Breite und Dichte Reglungen und Bestimmungen und selektiver oder verzögerter Anwendungen des Gesetzen, hat der Kontrast zur Behandlung der Dieselaffäre oder der vielen Bestechungsskandale zu dieser Effizienz im Umgang mit diesem ausländischen Investor einen ziemlich widerlichen Geruch.
henry.miller 12.05.2018
2.
Maximal 10Mio. oder? Ein Fall für die Portokasse
so-long 12.05.2018
3. Portokasse
Ein paar Millionen sind Klingelgeld und können problemarm via chin. Beraterverträgen von Daimler zurückgeholt werden. Eine anderer Qualität wäre die Ungültigkeit des Deals.
derhey 12.05.2018
4. Sicherlich
wenn ein Fehlverhalten vorliegt, Strafe muß sein. Herr Geely wird es auch so sehen und wenn er klug ist nicht viel Aufheben darum machen. Zahlt er aus der Portokasse und gut isses. Eine andere, wohltuende Mentalität als manch unserer Konzernbosse sonst.
jabberwocky 12.05.2018
5. Milliardär
Dachte den Daimler Anteil hat der Mann aus seiner Privatschatulle gekauft und nicht die Firma Geely, wo er halt zufällig auch beschäftigt ist.?
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2018
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.