Zwischenfall in Peking Daimler-Manager beleidigt Chinesen

Im Streit um einen Parkplatz soll ein deutscher Daimler-Manager in Peking Einheimische als "Bastarde" beschimpft haben. Zudem soll er Pfefferspray versprüht haben.

Mercedes-Stern
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Ein Mitarbeiter des deutschen Autoherstellers Daimler steht in China im Mittelpunkt eines Shitstorms. Angeblich habe der Mann "China und die Chinesen" beleidigt, so eine anonyme Beschuldigung, die am Sonntag im Internet gepostet worden war. Inzwischen sind Aufrufe zu Gewalt gegen den Mann im Umlauf - sowie sein Name, seine Adresse, seine Autonummer, Handynummer und ein Bild von ihm.

Vorausgegangen war offenbar ein banaler Streit um einen Parkplatz am Rande eines Ausländerviertels im Nordosten Pekings. Der Deutsche, so die Internet-Beschuldigung, habe gerufen: "Ich lebe bereits seit einem Jahr in China. Das Erste, was ich hier gelernt habe, ist: Ihr Chinesen seid alle Bastarde." Als ihn mehrere wütende Passanten umringt hätten, habe er mehrere von ihnen mit Pfefferspray besprüht.

Seit dem frühen Montag wird der Post - dessen Original und dessen Verfasser bislang nicht identifiziert wurden - millionenfach gelesen, tausendfach geteilt und überwiegend vulgär kommentiert. Unter den Kommentaren sind auch viele Auslandschinesen, wie an den Screenshots ihrer Textnachrichten zu erkennen ist, die sie direkt an den Daimler-Mitarbeiter geschickt haben.

"Daimler legt Wert auf Respekt"

Außerdem wird ein Foto verbreitet, das wohl in der zuständigen Polizeidienststelle gemacht wurde: ein offenbar westlicher Ausländer in Pullover und Anorak, der auf sein Handy schaut.

Daimler, der Arbeitgeber des Beschuldigten, veröffentlicht am Montag eine Erklärung, wonach es sich "um einen persönlichen Streit" handle. "Wir bedauern diesen Streit. Der Inhalt dieses Streits repräsentiert in keiner Weise das Unternehmen. Die Firmenkultur von Daimler legt Wert auf Gleichheit und Respekt, das gilt auch in China."

Der Vorfall, ergänzt eine Konzernsprecherin gegenüber SPIEGEL ONLINE, habe nichts mit der beruflichen Funktion des Mitarbeiters zu tun. Eine Untersuchung sei eingeleitet, Daimler arbeite mit den Behörden zusammen. Das bestätigt auch die chinesische Polizei. Ein Ziel der Untersuchung, so die Daimler-Sprecherin, sei, dass die Beteiligten miteinander in Dialog treten.

Dass Chinesen einander im Internet öffentlich beschuldigen, auch unter Nennung von Namen oder Adressen, kommt häufig vor. Das 2014 drakonisch verschärfte Gesetz gegen Internetgerüchte hat zwar den Druck auf Dissidenten und Menschenrechtler erhöht, den persönlichen Umgang im Internet aber nicht nachhaltig verbessert. Der Staat selbst führt Strafgefangene im Fernsehen vor - und zwar vor ihrer Verurteilung.

Ausländische Konzerne im Visier

Ungewöhnlich ist aber, dass offizielle Nachrichtenportale wie die staatliche Nachrichtenagentur Xinhua, die Tageszeitung "Global Times" oder das anerkannte Wirtschaftsmagazin "Caijing" im Falle des Daimler-Mitarbeiters Namen und Details einer Geschichte nennen, über die es bislang nur eine einzige anonyme Internetquelle gibt.

Mit heftigen, zum Teil sogar in der jeweiligen Landessprache formulierten Kommentaren wiederum sind ausländische Firmen in China vertraut. Vor allem Autohersteller werden regelmäßig mit Onlinekampagnen überzogen, wenn Produktionsfehler bekannt werden oder es zu Rückholaktionen kommt. Häufig folgen die Kommentare - wie auch im jüngsten Fall - dem Argument, China und die Chinesen würden von den Ausländern nicht ernst genommen. Man verdiene Geld in China, schaue aber tief auf die Chinesen herab.

Er habe bereits die Hälfte auf seinen Mercedes angezahlt, schreibt ein User auf dem Kurznachrichtendienst Weibo, 445.000 Yuan, gut 60.000 Euro. Kommende Woche wollte er das Auto eigentlich abholen. Nun habe er gelesen, was "dieser Ausländer" getan habe. "Jetzt könnt ihr mich vergessen. Diese halbe Million macht ihr mit mir nicht."

Es ist einer der harmlosesten Kommentare unter der Geschichte über den Daimler-Mitarbeiter.



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