Geely-Chef Li Shufu Chinesischer Milliardär war auch an BMW interessiert

Vor seinem Einstieg bei Daimler umwarb der Chef des chinesischen Autokonzerns Geely nach SPIEGEL-Informationen den Rivalen BMW. Doch die Münchner suchten sich lieber einen anderen Partner.

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Der chinesische Milliardär Li Shufu hatte sich vor seinem Einstieg beim Autohersteller Daimler nach SPIEGEL-Informationen auch um eine Zusammenarbeit mit BMW bemüht. Der Gründer des Autokonzerns Geely traf die BMW-Spitze im Jahr 2016 zu vertraulichen Gesprächen. Dabei versprach Li, er könne BMW einen besseren Zugang zum chinesischen Markt verschaffen - und Kontakte zu hochrangigen politischen Entscheidungsträgern herstellen. (Diese Meldung stammt aus dem SPIEGEL. Den neuen SPIEGEL finden Sie hier.)

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Anders als später bei Daimler stand aber offenbar kein Anteilskauf durch den Chinesen zur Diskussion. BMW suchte damals einen Partner für die Produktion einer Elektroversion des Kleinwagens Mini in China. Wenn ein deutscher Hersteller in China produzieren will, muss er dafür ein Gemeinschaftsunternehmen mit einem inländischen Anbieter gründen.

BMW sprach allerdings nicht nur mit Li Shufu, sondern auch mit dessen Wettbewerbern. Mittlerweile hat sich der Münchner Konzern gegen Geely entschieden: Kürzlich verkündete der Autobauer, in China künftig mit dem Geely-Rivalen Great Wall kooperieren zu wollen.

Geely verfolgt große Pläne

Zu früheren Gesprächen mit möglichen Partnern will sich BMW nicht äußern. Der Autokonzern betont jedoch, man habe sich bewusst für Great Wall entschieden: Das chinesische Unternehmen kenne sich besonders gut mit Elektroautos aus.

Der frühere Kontakt zum Premiumhersteller BMW macht deutlich, welch große Pläne Geely verfolgt. Das chinesische Unternehmen, gegründet 1986, will zu einem der weltweit führenden Autokonzerne aufsteigen. Um sich die Märkte außerhalb Chinas zu erschließen, bemüht sich Geely-Gründer Li Shufu um möglichst enge Partnerschaften mit namhaften westlichen Traditionsherstellern. Davon erhofft sich Li ein besseres Image, mehr technisches Know-how und Kostenersparnisse in der Produktion.

Zwischenzeitlich hatte Li auch einen Einstieg beim Autohersteller Fiat-Chrysler erwogen, diesen Plan jedoch verworfen. Der Daimler-Konzern und dessen Marke Mercedes reizten ihn offenbar mehr. Ende Februar verkündete Li, knapp zehn Prozent am Stuttgarter Autohersteller erworben zu haben. Der Deal machte den chinesischen Investor über Nacht zum größten Daimler-Aktionär.

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insgesamt 15 Beiträge
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Zaunsfeld 09.03.2018
1.
Tja, so beginnt es also. Haben die Chinesen noch vor 10 Jahren insolvente Kleinfirmen aufgekauft, waren es vor 5 Jahren schon das Silberbesteck wie der Roboterhersteller Kuka und der Betonpumpenhersteller Putzmeister als Weltmarktführer. Jetzt nun endlich fangen die Chinesen an, die deutschen Kronjuwelen Stück für Stück in ihren Besitz zu bringen. Daimler, bald irgendwann BMW, VW und andere. Da steht uns eine blühende Zukunft bevor ....
pragmat 09.03.2018
2. Li Shufu
Der wundersame Herr Li muss ein richtiger Tausendsassa sein. Hat er doch rund 10% der Aktien von Daimler erworben, was bei einer Gesamtzahl von 1,069 Milliarden Aktien die erkleckliche Anzahl von über 100 Millionen Aktien ausmacht. Da diese Aktie zur Zeit mit rund 68 Euro pro Stück gehandelt wird, hat er demnach etwa 6,8 Milliarden Euro hingeblättert. Was die versammelte Journalistenschaft in Deutschland darüber berichtet hat, so hat Herr Li diese Aktien über die Börse erworben. Das Märchen können die allerdings unbedarften Leuten erzählen, die keine Ahnung haben, wie Börsenkurse zustande kommen. Die Moral von der Geschichte: da hat aber ein großer Inhaber von Daimler-Aktien kräftig nachgeholfen alternativt hat Daimler eine geheime Emission veranstaltet, die den Aufsichtsbehörden hätte gemeldet werden sollen. Auf jeden Fal stinkt da ein Fisch vom Kopf!
der_da1234 09.03.2018
3. Politik und China
Scheint als hätte so mancher da vergessen dass China kein demokratischer Staat ist. Aber egal, dann werden wir eben die Hightech-Werkstatt der Welt. Also solange wir noch von unserem Wissensvorsprung zehren. Größere Investitionen werden erst jetzt wieder getätigt da man Angst hat abgehängt zu werden. Statt als Vorreiter, reitet man lieber Tesla hinterher. Batterien möchte man keine herstellen (Bosch) und anstatt in Eneuerbare Energien und somit auch neue Kraftwerkskonzepte zu investieren schließt man lieber Werke und entlässt die Mitarbeiter (Gasturbienenfertigung - Siemens). Es gibt soviel zu tun, aber Deutschland schaut bei vielem lieber zu statt aktiv mitzuwirken. Immerhin möchte ja auch GE seine Turbinensparte veräußern.
seamanslife 09.03.2018
4. nichts ist flexibler als das Kapital/Geld
Es braucht weder Pass noch Waffen um Grenzen zu überschreiten, es ist unsichtbar und nimmt gnadenlos Besitz von Dingen, Menschen und Staaten. Als die europäischen Handelsflotten ihre Heimatflaggen vor ca. 50 Jahren gegen die Flagge von Liberia oder Cypern getauscht haben ist in Nordeuropa ein ganzer Industriezweig verschwunden und keiner hat sich was dabei gedacht. Als ein deutsches Stahlwerk bis auf die letzte Schraube eingepackt und bei Shanghai in Rekordzeit wieder aufgebaut wurde hat sich immer noch keiner was dabei gedacht. Erst als der Stahl aus China hier die Preise ins bodenlose drückte hat man angefangen nachzudenken. Heute bauen sie nichts mehr ab. Sie kaufen die Firma packen am Wochenende das Entwicklungsbüro ein und am Montag hängt das Schild "Geschlossen" am Werktor. Den Rest vermieten sie als Abenteuerspielplatz. Wer glaubt Mutti wirds wieder richten hat sich geirrt.
oli_tf 09.03.2018
5. lernt chinesisch!
es wird euch Vorteile bringen - im eigenen Land. Clever&Smart setzt sich durch, ist nix neues. Und mit genug Erspartem nach schneller. Deutsch ist OK zum Opern singen, darauf werden die Chinesen noch eine Weile stehen. Aber mehr .... eher nicht.
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